Posts Tagged ‘Traum’

Tiefblau.

25. März 2013

Ich erfahre, dass du in Kassel bist, du hattest einen Unfall und liegst auf meiner Station. Du bist auf die Fresse gefallen, Nase gebrochen, irgendetwas am Gehirn. Du sollst operiert werden. Ich habe dienstfrei, fahre aber trotzdem zur Arbeit, um dich zu sehen. Ich kleide mich ein und gehe auf Station, lese deine Akte nach und bin auf dem Weg in dein Zimmer, als ich dich im Flur mit deinem Holger und einem Freund sehe. Du sitzt im Rollstuhl. Ich starre dich entsetzt an, dein Gesicht ist zerfetzt und blutig, doch du erkennst mich nicht wieder. Holger blickt mich lange und böse an, bis ich weiter gehe. Ich bin sehr traurig und verlasse das Krankenhaus. Nach ein paar Stunden, es ist bereits Abend, schaue ich wieder nach dir. Du bist mittlerweile auf der Intensivstation, dein Kopf ist in Watte gepackt, nur deine Augen sind frei, sie schauen blau und traurig wie immer. Ich gehe ganz nah an dein Gesicht, mir steigen Tränen in die Augen und dir genauso. Ich glaube, dass du mich erkennst, aber der Zweifel bleibt. Du kannst dich weder rühren, noch bewegen. Ich setze mich neben dich und halte deine Hand, sie ist ganz weich, du hast keinen Druck darin. Du bist gelähmt. Ich weine und lasse dich los. Dabei hätte ich so gerne deine Hand gehalten.

Ich wache auf und schaue aus dem Fenster, weit in das Blau hinein, tiefblau. Was für ein Morgen.

Advertisements

Ein Traum.

3. November 2010

Es ist tiefster Winter, überall liegt Schnee und die Kälte zieht rücksichtslos die Wärme und die Seelen aus den Menschen. Ich stehe kurz vor’m Gefriertod, habe Hunger und der Bus ist noch immer nicht aufgetaucht. Wahrscheinlich will ich in die Stadt fahren oder in die Schule. Es ist dunkel. Ich sehe mich um und gehe dann in die Bäckerei, die sich gleich hinter der Haltestelle befindet. Dort möchte ich etwas kaufen, denn Bewegung tut gut, selbst wenn es nur der Mund ist. Eigenartigerweise sehe ich meine Großmutter mütterlicherseits hinter dem Tresen stehen. Sie sagt: „Mein Sohn, kauf‘ das hier, das schmeckt gut.“ Ich zeige aber auf etwas mit Banane und bestehe darauf, dass sie mir das verkauft. Ich zahle, küsse meine Oma auf ihre Backe und gehe wieder in die Kälte. Das Bananending schmeckt gut und so stehe ich dort draußen und warte und kaue und warte, doch kein Bus kommt. Plötzlich tauchst du auf und es wird hell und du sagst, ich solle einsteigen, du hast schon für mich gepackt und bist bereit, mich „von diesem Elend und der Kälte“ zu befreien. Ich steige ein, du bist mir ja nicht fremd. Dein Gesicht aber kenne ich nicht wirklich, ich möchte dich ansehen, deinen Bartwuchs betrachten, kann aber nicht, weil ich versuche „vernünftig“ zu sein. Du merkst das und sagst: „Du musst lernen, unvernünftig zu sein! Reiß‘ deine Maske ab, ich kenne dich ja so, wie du darunter bist.“ Ich hebe meine Hand und fahre über mein verfrorenes Scheingesicht, finde die richtige Stelle und reiße mir mit Wucht die Maske vom Kopf. Ein bisschen Fleisch fällt auf den Boden, löst sich aber in Sekundenbruchteilen auf. Ich blute, kann aber endlich richtig sehen und atmen und riechen. Du siehst mich im Rückspiegel an und lächelst. Und dann fahren wir irgendwo hin, wahrscheinlich weit in die Ferne, an einen Ort voller Wahrheit und Schönheit, der uns mit Liebe empfängt. Ich wache glückselig auf.