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Regenstraße.

16. April 2011

Seine Hände halten ihn an der Stange, als der Bus zum Stehen kommt. Stramm steht er da und beißt sich auf die Lippe, mich dabei musternd, als sei ich der Zünder seines Begehrens. Mein Herz schlägt große Wellen und er merkt das, sieht das und reizt es vollends aus; er lächelt mir direkt in die Augen, ich erweiche und weil ich es nicht aushalten und glauben kann, schließe ich meine Augen, um der Anziehungskraft seiner Arme zu entkommen.

Ich höre das stumpfe Auslösegeräusch der Haltewunschtaste und als ich meine Augen wieder öffne, ist er schon ausgestiegen, ehe ich noch einmal sein rauhes Gesicht und seinen Bartwuchs bewundern konnte. Der Bus steht still und rührt sich nicht von der Stelle, und so sehe ich dem fremden, schönen Mann dabei zu, wie er seines Weges nach Hause geht, in der trüben Dunkelheit des ermattenden Tages erlischt und nur noch ein Schatten in den Winkeln meiner Augen ist.

Der Bus fährt weiter in Richtung Regenstraße; währenddessen halte ich Ausschau nach dem Mann, der mich hat flammend sitzen lassen in einem Bus mit mir als einzigen Fahrgast. Oh Wunder!, denke ich und sehe den Mann vor einem Fachwerkhaus stehen und in einen Briefkasten lugen. Er findet nichts darin, weder einen Brief, noch eine Art Werbung, schiebt die Holztüre auf Höhe seines Schrittes in den Hof und geht wahrscheinlich durch die erste Tür in’s Haus; doch das sehe ich nicht mehr, der Bus hat an Fahrt gewonnen und lässt meinen Blick unweigerlich weiterziehen. Ich drücke erzürnt die Haltewunschtaste und steige an der nächsten Haltestelle aus, laufe den ganzen Weg zurück und habe nur eines vor Augen: den Mann.

Als ich vor dem Fachwerkhaus stehe, lese ich leise seinen Namen vom Briefkastenschildchen und gehe weiter in den Hof, stehe aufrecht vor der Tür, durch welche er hindurch gegangen sein muss, und zögere kurz, wie immer in solchen Momenten. Zitternd drücke auf die Klingel und der fremde, schöne Mann öffnet die Türe und ist mir auf einmal gar nicht mehr so fremd. Er wundert sich, und gleichzeitig wundert er sich nicht. Ich trete wortlos ein in’s Haus und wir schlafen miteinander.

Ich schlucke, während er mich ansieht. Ich glühe.

Und dann ist der Traum zu Ende.

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