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Traurig blau und perlweiß.

31. März 2010

Heute hatte ich nur eines im Kopf: das eventuell anstehende Treffen mit Frau Fragmente. Indes habe ich überlegt, was wir machen könnten, wenn die Sonne scheint. Ob die Sonne letztlich scheinen wird, ist natürlich ungewiss, doch ich hoffe sehr, dass dieser Tag ein strohgoldener Tag in der Sonne des Aprils sein wird.

Ich stelle mir diesen hoffentlich angenehm-sonnigen Tag so vor: Wir treffen uns irgendwann zur Mittagszeit an einer zuvor abgemachten Stelle in der Stadt (der Bahnhof bietet sich geradezu als diese Stelle an; den Weg dorthin kennt sie ja schon), und fahren dann in das wenige Meter entfernt liegende Parkhaus.

Den Moment unserer Begegnung möchte ich nutzen, um das zu tun, was ich letztes Mal unterdrückt habe, weil ich dachte, es wäre unangebracht.

Wir werden das Parkhaus verlassen und uns in ein Café setzen, um anschließend gemütlich an dem See entlang zu laufen, den ich persönlich als sehr schön empfinde. (Ich kenne eigentlich nur diesen einen See, es gibt bestimmt schönere.) Vielleicht werden wir aber erst den See und dann das Café aufsuchen; je nach dem, wie uns gerade ist.

Ich habe über Tage hinweg Fragen und Stichworte notiert, denn dieses mal möchte ich „vorbereitet“ sein. Das letzte Mal hatte ich zwar ein positives Gefühl, doch fehlte es von meiner Seite aus an Fragen; da ich sie nicht wirklich „kannte“ und nicht wusste, was ich sie fragen kann bzw. ob ihr die Fragen zu privat wären. Im Nachhinein war das ein bisschen feige von mir.

An diesem Tag wird das anders sein, das weiß ich.

Während wir an dem See entlang laufen werden, werden kleine, weiße Wolken den tiefblauen Himmel bruchstückhaft bedecken; die Sonne wird nicht zu intensiv scheinen. Es wird warm sein, aber nicht heiß. Ein leichter Wind wird durch ihr Haar wehen und ihre Augen werden im Sonnenlicht erstrahlen. Die Augenfarbe eines Menschens ist im Sonnenlicht am intensivsten. Die Wolken werden Schatten auf den See werfen, welcher edlen Enten als Zuhause dient. Das saftig-grüne Gras wird im Takte des Windes mitschwingen und kleine Gänseblümchen werden glücklich mitwippen.

Nach und nach werden die weißen Wolken ein Stück traurig-blauen Himmel freilegen und wir werden uns auf eine perlweiße Parkbank setzen und die Wolken am Rande des traurigen Blaus betrachten. Vielleicht werden wir die Wolken zu deuten versuchen, wer weiß.

Manchmal spielt dort ein älterer Herr Klavier, vielleicht wird er an diesem Tag an jenem Ort sitzen und die Luft in Melancholie tränken.

Wir werden über vieles sprechen, ich werde ihr so einiges erzählen, was ich hier erzählen möchte, wenn ich endlich die Maske der Anonymität aufgezogen habe.

Am Ende des Tages werde ich ein bisschen traurig sein, weil es so schön und kurz war, doch das wird mir lehren, den Moment zu schätzen und in mir festzuhalten.

Diesmal werde ich ganz besonders auf ihre Stimme achten und mir diese Stimme einprägen, denn ich erinnere mich nur noch an ein zartes „Tschüss!“ am Telefon.

Und dann wird sie wegfahren und ich werde ihr glücklich bis traurig hinterher winken. „Lebe wohl, Schwesterherz!“

So könnte das stattfinden. Ich lasse mich überraschen und bin nicht enttäuscht, falls nicht.

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Tiefblauer Himmel.

25. März 2010

„Eine Übelkeit erregende Frische in der kalten Reglosigkeit eines lauen Meeres.“

Die Banalität meines Lebens zeichnet sich in den von der Sonne vergoldeten Wolken ab. Kleine Schäfchen in der Obhut des Himmeldaches.

Eines dieser Schäfchen ist klar und deutlich zu erkennen; es ist reiner in seinem Weiß als alle anderen.

Während die anderen zu einem aschgrauen Sumpf der Allgemeinheit verschmelzen, steht das weiße Schäfchen einsam am Rande des Teiches. Tief im Inneren ist es glücklich über seine weiße Einsamkeit im Blau des Himmels, welcher so blau ist, wie es ein Himmel nur sein kann.

Das Schäfchen hat gelernt, mit der weißen Einsamkeit zu leben; sie ist Freund und Begleiter und immer in der Gedankenlandschaft vorhanden. Insgeheim hofft das Schäfchen, dass die goldene Sonne der Klarheit die aschgraue Masse entzwei teilt und der Einsamkeit ein Ende setzt.

Er wird kommen, dieser himmelblaue Tag, an dem sich die Schmetterlinge der Verlockung auf den weißen Flieder der Zweisamkeit setzen werden.

Landschaften aus dem Bilderbuch der Träume ziehen an mir vorbei.

„Alles fesselt mich und nichts hält mich.“

Ich liebe diesen Satz.

Zwischenräume.

7. Januar 2010

Ein intensiver Geruch. Ich drehe mich, suche nach dem Ursprung. Eine Steinwand, schwer und Jahrhunderte alt. Jeder Atemzug ist eine Qual, die Hitze ist erdrückend. Hoch am Himmel steht die Sonne. Ich atme ein.

Es ist das Pflänzchen, hier entspringt dieser wundervolle, sanfte Geruch. Ich atme nochmals ein. Ein befreiendes Gefühl verbreitet sich in mir, ich fühle mich wohl, trotz der tropischen Luft, trotz der brennenden Sonne.

Vorsichtig halte ich meine Hände über dieses Gewächs. Ich berühre die Blätter. Oben glatt, unten flauschig wie ein Pfirsich. Nochmals atme ich ein.

Aus dieser schweren Steinwand ist es entsprungen, fein duftend lebt es im engen Zwischenraum.

„Komm jetzt, wir müssen weiter!“ Ich atme ein letztes Mal ein und denke mir: Ich bin genau wie dieses Pflänzchen.