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Dunkle Stunden.

24. April 2011

Er fragt sie nach ihrem Handy, sie sagt, es liegt in ihrer Handtasche. Er greift nach der Tasche, sucht das Handy und findet es, speichert seine Nummer ein und geht in die SMS-Anwendung, tut so, als ob er ihre Nachrichten lesen würde. Sie bemerkt das und es gefällt ihr nicht, sie versucht ihm das Handy zu entnehmen, er gibt sich stark und sie schwächelt, und als er aufsteht, um in das nächste Stockwerk zu flüchten, folgt sie ihm, schließlich will sie ihr Handy wieder haben.

Eine Stunde später mischen sich die Beiden wieder unter die Menge. Außer mir ist keinem der fünfzehn Partygäste das Fehlen der Beiden aufgefallen — jeder scheint mit sich selbst beschäftigt; mit sich, dem Alkohol und den Hormonen, deren Auslöser das jeweils andere Geschlecht ist.

Ich verspüre weder Hormone, noch beschäftige ich mich mit mir oder dem Alkohol. Ich verbringe den Abend damit, meine Freunde und die Freunde des gastgebenden Freundes zu beobachten.

Kurz vor Zwölf verlasse ich das Haus des gastgebenden Freundes und gehe in den Wald, um dort Frieden zu finden. Ich fühle mich frei und glücklich in der Orientierungslosigkeit, kann tief ein- und ausatmen, Ruhe genießen. Die Nacht ist sternenklar und das Laub unter meinen Schuhen knistert leise. Im Wald, da rauscht und raschelt es, doch Angst empfinde ich erst, als das niederschmetternde Gefühl der Realität meine Lungenflügel eindrückt und ich mich verloren und einsam fühle.

Die Lichter auf den Straßen und in den Häusern sind schon längst erloschen, als ich müde in’s Bett falle.

Gegen drei Uhr morgens schleicht sich mein Vater in das Zimmer und beschlagnahmt meinen Computer, in der Hoffnung, ich würde es nicht bemerken. Im Wohnzimmer sieht er sich meine Dateien, Chats und Mails an, während ich ein Stockwerk höher aus Angst kaum atmen kann.

Bin ich vorsichtig genug gewesen? Habe ich das DiskImage ausgeworfen, die Chats gründlich archiviert, Blog-, Reader- sowie Twitter-App nach der letzten Nutzung unsichtbar gemacht? Wird jetzt alles auffliegen, muss ich den Sommer vergessen? Werde ich diese Nacht überleben?

Erst zwei Stunden später legt mein Vater das MacBook zurück und geht in’s Bett. Nach wenigen Minuten der Erleichterung schlafe ich ein und träume vom Sommer, als ob dies der letzte Traum meines Lebens wäre.

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Zwischenräume.

7. Januar 2010

Ein intensiver Geruch. Ich drehe mich, suche nach dem Ursprung. Eine Steinwand, schwer und Jahrhunderte alt. Jeder Atemzug ist eine Qual, die Hitze ist erdrückend. Hoch am Himmel steht die Sonne. Ich atme ein.

Es ist das Pflänzchen, hier entspringt dieser wundervolle, sanfte Geruch. Ich atme nochmals ein. Ein befreiendes Gefühl verbreitet sich in mir, ich fühle mich wohl, trotz der tropischen Luft, trotz der brennenden Sonne.

Vorsichtig halte ich meine Hände über dieses Gewächs. Ich berühre die Blätter. Oben glatt, unten flauschig wie ein Pfirsich. Nochmals atme ich ein.

Aus dieser schweren Steinwand ist es entsprungen, fein duftend lebt es im engen Zwischenraum.

„Komm jetzt, wir müssen weiter!“ Ich atme ein letztes Mal ein und denke mir: Ich bin genau wie dieses Pflänzchen.