Posts Tagged ‘Schule’

Der Tag in Worten.

27. Oktober 2010

Heute sehr wenig gesprochen. Folgend alle Worte, die über meine Lippen gesprungen sind. (Total nichts sagend und uninteressant. Ein Tag, an den ich mich bald nicht mehr erinnern werde. Deswegen steht’s hier geschrieben.)

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Morgens: „Hey Jes!“ – „Moin.“ – „Kannst du dem Herrn [Lehrer] bitte sagen, dass ich etwa eine halbe Stunde zu spät komme? Mein RE hat Verspätung.“ – „Du, sorry. Ich werde heute nicht zur Schule gehen. Bin unglaublich müde und meine Stimme ist kaum da, wie du vielleicht hören kannst.“ – „Achso, OK. Wünsche dir gute Besserung und einen erholsamen Schlaf.“ – „Danke. Bis morgen!“ – „Bis dann.“ // „Hey Jenny, ich bin’s [Heartcore].“ – „Hi.“ – „Stecke noch am Hauptbahnhof fest, hier fahren seit zwanzig Minuten keine S-Bahnen mehr.“ – „Ah, deswegen steht meine Bahn hier rum.“ – „Oh, du kannst dem [Lehrer] also auch nicht Bescheid sagen.“ – „ORRR, nee. Scheiß Bahn, Ey!“ – „Hmm, ja. Also bis nachher.“ – „Ciao!“ // „Morgen.“ // „Sorry für die Verspätung. Bahnchaos.“ – „Kein Problem. Wie Sie sehen, fehlen so Einige.“ // „Kommt Jes heute nicht?“ – „Nein, sie ist krank.“ – „Cool. Dann setze ich mich an ihren Platz.“ – „Mach‘ halt.“

Vormittags: „Kannst du mir fünfzig Cent leihen? Muss noch das Ding für den [Lehrer] ausdrucken.“ – „Klar, kein Problem.“ – „Echt nett von dir. Danke!“ // „Du schaust eine Serie während du Tetris spielst?!“ – „Jep. So kann ich mich am besten auf die Dialoge konzentrieren. Und was machst du so?“ – „Ich lese Internetbücher.“ – „Stimmt ja, du bist so ’ne Leseratte.“ – „Wie schmeichelhaft!“ – „Ratten sind toll!“

Mittags: „Herr [Lehrer], warten Sie kurz! Hier meine Mappe. Ich musste noch etwas einheften.“ – „Legen Sie sie einfach auf den Stapel drauf.“ – „Erledigt. Schöne Ferien!“ – „Schöne Ferien!“ // „Ist der Bus schon weg?“ – „Ja.“

Nachmittags: „Hi!“ – „Hey. Was gibt’s zu Essen?“ – „Mama und ich haben Kartoffelpüree gegessen. In der Küche steht dein Teller.“ – „Yeah! Und wo ist Mama jetzt?“ – „Bei Katharina im Krankenhaus.“ – „Achso, hab‘ ich ganz vergessen.“ // „Sag‘ mir mal ein anderes Wort für schreiben!“ – „Aussprechen.“ – „Haha.“ – „Da hinten liegt der Duden, guck‘ da mal rein.“ // „Willkommen, Papa!“ – „Wo ist Mama?“ – „Katharina besuchen. Die liegt ja im Krankenhaus.“ – „Wie war’s in der Schule?“ – „So wie immer. Wie läuft’s im Geschäft?“ – „Wie immer.“

Abends: „Ich geh‘ zum REWE.“ – „Tschüss!“ // „Wir essen! Komm‘ runter.“ – „Ich hab‘ schon. Ich bin außerdem müde, werde jetzt schlafen.“ – „Ich stell‘ deine Portion in den Kühlschrank.“ – „OK.“

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Ich glaube, das war wirklich alles, was ich heute von mir gegeben habe. An mehr kann ich mich nicht erinnern.

Befindlichkeitszustand: Kind der Zwangsleere.

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Porzellan.

20. September 2010

Nach zwölf Stunden Schule bin ich via S-Bahn zur Universität gefahren und habe mich ein wenig in den Gebäuden umgesehen, für deren Fachbereich ich mich interessiere. Auf dem kurzen Weg zur Uni habe ich mich stark melancholisch gefühlt, weil ich meinem „Ziel“, das mir selbst noch unbekannt ist und in nebeliger Ferne liegt, Schritt für Schritt näher komme.

Ich weiß, dass ich schaffen kann, was ich mir vornehme. Ich weiß auch, dass ich eines Tages „erfolgreich“ werden möchte, dass ich eines Tages Stolz in den Augen meiner Eltern, vor allem in den Augen meines Vaters sehen möchte. Ich will, dass mein Vater stolz auf mich sein kann, stolz auf seinen fremden Sohn, der schon von Klein auf anders zu sein schien, als die anderen Kinder aus Familie, Verwandt- und Bekanntschaft. Ich will aus ganzem Herzen geliebt werden. Mir ist klar, dass Stolz und Liebe zwei unterschiedliche Sachen sind. Mir ist auch klar, dass vor mir eine schwere, aber auch abenteuerliche Zeit liegt, die mich auf der einen Seite Nerven und Geld kosten, und auf der anderen Seite Spaß und Freundschaften einbringen wird.

Gestern waren wir als Familie Heartcore bei dem Dozenten meines Vaters eingeladen, der mir so einige Tipps bezüglicher meiner Zukunft gab. Ich mag diesen Herren; er ist analytisch, sehr direkt und er möchte, dass aus mir etwas wird. Während wir also genüsslich Kaffee und Tee, Sahnetorte und Himbeerkuchen zu uns nahmen (SO LECKER!), sprachen wir über mich und meine vagen Pläne. Natürlich haben wir nicht nur über mich gesprochen, aber das ist jetzt egal.

Ich erzählte dem Herren, dass ich im Sommer mit der Schule fertig bin und nicht wirklich weiß, was ich machen möchte. Ich erzählte ihm auch, dass ich mich bei einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender für eine Ausbildungsstelle beworben habe, obwohl ich mit dem Ende meiner Schulzeit schon fertig ausgebildet sein werde. Dass ich die Fernseh-Sache nur als Airbag ansehe, habe ich ihm auch gesagt. Als das Wort „Ausbildung“ aus meinem Munde sprang, merkte ich allein schon an der Art, wie er seinen Kuchen zerteilte, dass ihm nicht schmeckte, was ich mir da naiv erdachte. Man muss wissen: dieser Mann hat Erfahrung und ist ein ziemlich hohes Tier in der „Branche“. Zudem hat er Kontakte zu fast allen Wirtschaftsbereichen und namhaften Personen, die man sich unter dem Begriff „Branche“ nur vorstellen kann. Vielleicht könnte mir dieser Herr zu einem Sprungbrett verhelfen, vielleicht hat er das auch schon getan. Sein Rat an mich war: Studieren, am besten etwas mit Wirtschaft und Informatik, und das am allerbesten in einer Stadt, deren Name ich hier aus Selbstschutzgründen nicht nennen sollte. Das Gute daran ist, dass mir Wirtschaft in Form von BWL als Schulfach besonders liegt und dass ich mit Informatik ebenfalls bestens klarkomme. Das Schlechte daran ist, dass ich mit Medien besser „umgehen“ kann, als mit Wirtschaft. Ich denke, dass es für mich spaßiger und einfache wäre, etwas mit Medien und Informatik zu studieren. Aber es gibt noch ein Problem: die Mathematik. Sie wird im Studium allgegenwärtig sein, und dabei können wir uns nicht so gut leiden, denn wir verstehen uns zur Zeit nicht. Wir kommen nur gut miteinander aus, wenn die Chemie stimmt, und die ist zur Zeit ungenießbar. Ich denke, dass das an meinem aktuellen „Mathelehrer“ liegt, welcher ein alter Sack im Rentneralter ist, der weder richtig erklären, noch richtig sprechen kann. Wenn ich keine Leitfigur habe, die mich zielführend und zufriedenstellend führt und begleitet, kann ich schlecht lernen. In der Schule habe ich heute eine Aktion gegen den besagten Lehrer gestartet, morgen werde ich Unterschriften sammeln. Meine Prüfungsnote ist mir sehr wichtig, weil alles davon abhängt. In den anderen Fächern gut zu sein, wird mir nicht schwer fallen.

Wir saßen und aßen und tranken und sprachen über Dies und Jenes, über Wirtschaft und Gesellschaft. Irgendwann kamen wir auf das Thema Fernsehen. Der Herr Gastgeber merkte an, dass er den Fernseher kaum anrühre, dass ihn das Fernsehen anwidere wie eine madendurchfressene Schlammleiche. (OK, das hat er nicht gesagt, aber er meinte es so). Ich warf in den Raum, dass es mir ähnlich geht, und dass ich seit Jahren nicht mehr fernsehe, weil mich das Gezeigte einfach langweilt. Da sagte der Herr: „Im deutschen Fernsehen sieht man von Amerika die Wall Street und die Skyline New Yorks oder die schönen Städte, zum Beispiel Los Angeles oder Hollywood. Und wie sieht man Deutschland im deutschen Fernsehen? Als Land der asozialen Arbeitslosen, die zu faul sind, um zu arbeiten, und als Land der korpulenten Hungernden, die zu faul sind, um zu essen. Anstatt solchen gesellschaftsschädigenden Schund zu senden, sollte man Familien wie eure zeigen. DICH und DEINEN VATER sollten die Sender präsentieren und den Leuten klar machen, dass es möglich ist, sozial aufzusteigen, wenn der Wille vorhanden ist! Doch was wird gesendet? Banaler Dreck von der Unterschicht an die Unterschicht. Bitte, lieber Herr Heartcore, ich möchte Sie hoch oben sehen. Befolgen Sie meinen Rat und studieren Sie etwas Brauchbares, das zu Ihnen passt. Vergessen Sie das Fernsehen. Sie sind in Ihrem jungen Alter schon längst aus dem herausgewachsen, was dort gezeigt wird.“

Die Worte des Mannes haben mich sehr gerührt, denn sie entsprangen der Wahrheit. Mir wurde in dem Moment klar, welch Potenzial eigentlich in mir steckt. Ich möchte dieses Potenzial nutzen und ich werde studieren, denn das ist meine Pflicht mir gegenüber.

Mein Vater blickte mich an und ich konnte seine Augen funkeln sehen. Wahrscheinlich sah er in dem Moment seinen zukünftigen Sohn vor sich, oder die Sonne blendete ihn einfach nur.

Stunden später, als wir das wunderschön eingerichtete Haus verlassen wollten, entstand folgende Konversation zwischen meinem Vater und dem Gastgeber, als meine Mutter und die Frau des Gastgebers noch im Wohnzimmer sprachen, während wir schon fertig in den Schuhen warteten.

Vater: „Ach, die Frauen! Lassen immer auf sich warten.“
Gastgeber: „Ja, die Frauen sind etwas ganz besonderes!.. Und wenn wir einmal ehrlich sind: das wahre Sagen in einer Gesellschaft wie der unseren haben immer die Frauen, auch wenn’s nicht so scheint. Ihr Sohn wird eines Tages einmal eine Frau heiraten, die aus dem selben Umfeld kommt, wie er. Er wird sich nicht mit etwas anderem zufriedengeben können, denn stimmt das Niveau und die Chemie nicht, gibt’s nur Ärger. Erinnern Sie sich noch an den Herrn B.?“
Vater: „Klar. Was macht der jetzt eigentlich?“
Gastgeber: „Seine Frau rief einmal vier Mal während eines Seminars an, um zu fragen, wann er denn endlich Heim käme, damit sie mit dem Auto ihre Freundinnen abholen und ins Hallenbad fahren kann. Sie hat den Herrn B. kein bisschen unterstützt. Sie wissen es ja noch gar nicht: Herr B. ist katastrophal durch die Prüfungen gerasselt. Die Geschichte des Herr B. verdeutlicht, dass eine starke Frau wichtig ist, denn die Frau ist die bedeutendste Unterstützung, die ein Mann nur haben kann. Deswegen wird Ihr Sohn sich auch nicht mit einer „Normalen“ zufrieden geben, wenn es denn so weit ist.“
Vater: „Etwas anderes habe ich von ihm auch nicht erwartet. Mal sehen, ob er guten Geschmack beweist.“

Dieser Satz meines Vaters hat mich sehr irritiert und gleichzeitig gebannt. Weshalb das so ist, muss ich ein anderes Mal erklären. Es gibt so einige Dinge, von denen ich gerne erzählen würde, doch mich noch nicht dazu im Stande fühle.

Im edlen Hausflur des Gastgebers hing eine ästhetische Porzellanskulptur, welche hauptsächlich das menschliche Gesicht darstellte. Die farbigen Augen waren weit geöffnet und die dezenten Ohren ebenfalls. Doch der Mund, der wurde von einer Hand verdeckt. Die Frau des Gastgebers beantwortete meine Frage, welche Bedeutung die Hand hat, so: „Alles sehen und alles hören, doch Gesehenes und Gehörtes verschweigen, im Kopf reifen lassen.“ Diese Skulptur, das muss man sagen, war aus feinstem Porzellan und sehr ansprechend gestaltet. Aus dem Kopf der Porzellanskulptur sprossen kleine Plättchen in Form von Quadraten, Kreisen und Dreiecken, die jeweils in den verschiedensten Farben erstrahlten. Diese hauchdünnen Plättchen sollen die Informationen darstellen, die im Kopf der Skulptur heranreifen, in dem sie ab und an nach außen an die Sonne getragen werden, ohne dass jemand etwas davon merkt. Diese Skulptur ist ein Sinnbild für mich. Als ich ihre fabelhaft-verdeckte Aussage erkannte, empfand ich eine große Faszination, denn die Skulptur schien zu sein, wie ich es bin. Ich höre und sehe alles, bin aber wie ein Schwamm, der alle Wasser und Meere in sich zieht, doch niemals ausgedrückt wird und trotzdem weiterhin aufnahmefähig ist. Nur, dass ich im „realen Leben“ schweige und hier, im Internet auspacke. Ich bin wie diese Skulptur.

Auf der Heimfahrt sortierte ich nochmals meine Gedanken bezüglich meiner Zukunftspläne und präsentierte sie meinen Eltern. Schule, Bachelor, Master. Als mein Bruder bemerkte „Jaja, du wirst also Student!“, frug ich ihn des Spaßes halber, was er werden möchte. „Profifußballspieler! Was sonst?!“ Daraufhin meine Mum zu meinem Bruder: „Dein Bruder wird studieren und noch fremder werden, als er eh schon ist…“

Weshalb meine Mum mir nach diesem für mich sehr schönen Tag ein Messer in den wohlig-gelaunten Bauch rammte, ist mir jetzt noch nicht klar.

Doch sie hat Recht. Ich bin und bleibe der fremde Sohn.

Schuljahr 09/10 — Teil Eins.

1. August 2010

Das erste Schuljahr ist in einem Zug an mir vorbeigerauscht. Vieles hat sich geändert in diesem ersten Jahr, vieles hat sich gefestigt und vieles hat sich verflüchtigt.

Blicke ich in meine noch faltenfrei Erinnerung zurück, sehe ich meinen ersten Schultag vor mir, als hätte dieser erst gerade eben stattgefunden. Wie früh ich aufgestanden war, um mich auf diesen Tag vorzubereiten, um diesen Tag zu begrüßen, indem ich der Sonne beim Aufsteigen zusehe. Ich hatte mich den Sommer über auf diesen einen Tag im September gefreut, auf den Tag, der mein Leben verändern und mich in eine Richtung tragen sollte, die ich mir selbst ausgesucht hatte.

Gründlichst hatte ich mein Gesicht gewaschen, minutenlang die Zähne geputzt, meine fassungslosen Haare in eine ansehnliche Form gebracht, mich schlicht und unaufdringlich gekleidet und im Spiegel angelächelt, als der Wecker zu klingeln begann. Ich wollte Eindruck hinterlassen.

Im Auto ging ich in Gedanken nochmals meinen Rucksack durch. Stifte, Spitzer, Mäppchen, Schreibblock, Essen und Trinken, Fahrkarten, Geld, Kopfhörer. Alles war da. Es musste da sein, denn ich hatte diese Tasche so oft gepackt. Ich überlegte mir zum tausendsten Mal, was ich sagen würde, falls man sich vorstellen sollte. — „Hallo ich bin der Heartcore … nein … Hallo, ich heiße Heartcore und…“ — Mein Herz schlug so stark, dass ich den Puls deutlich an meinem Halse spüren konnte. Ich legte meine Hand auf diese Stelle und zählte: eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf, — und schon war ich draußen. Ich konnte nicht mitzählen, weil ich zu langsam dachte und weil mein Herz zu schnell schlug. Die Vorfreude hatte mich gepackt, ich saß in einer mentalen Achterbahn, fuhr Looping um Looping. Es gab keinen Halt für mich. Ich wollte dieses neue Leben betreten.

Ich stieg aus dem Auto und stand mitten im Lichte der Sonne.

Fragmente meiner Trauer.

16. März 2010

Ich bin mir selbst und meinen Freunden fremd geworden; einsam hänge ich zwischen Leere und Leben. Ich könnte schreien, heulen, zerstören und niederbrennen, doch all das würde mir nichts bringen.

Vorhin, als ich den Weg in Begleitung des Regens nach Hause lief, wurde mir klar, wie groß der Brocken ist, der meine Seele zermalmt.

Meine Augen stehen unter Tränen, doch ich bin nicht fähig, sie frei zu lassen. Ich bin gefangen in diesem Körper, gefangen in dieser Welt. Ich bin stumpf wie ein sprödes Messer, das nicht in der Lage ist, tief ins Fleisch zu schneiden. Ich möchte mich spüren, möchte endlich leben; nicht dieses elendige, sondern ein anderes Leben. Ich warte und warte, doch nichts geschieht, nichts ändert sich, alles wendet sich dem Schlechten hin. Ich möchte schreien, sodass mich jeder hören kann, doch ich bin heiser, habe keine Kraft für einen Hilfeschrei.

Niemand sieht MICH, niemand sieht, wie schlecht es mir geht, denn ich trage eine Maske, eine verdammte Maske. Ich kann sie weder abreißen, noch abschaben. Und so leide ich Tag für Tag.

Verdammt, jetzt kommen die Tränen.

Und während ich das schreibe, lenke ich mich ab. Ich höre Musik, lese Bücher und Blogs, lese von eurem Leben. Doch in Wirklichkeit belüge ich nur mich selbst. Ich bedecke meine Wunden, dabei weiß ich doch, wie stark ich blute. Diese Krusten, sie platzen immer wieder auf.

Es gibt niemanden, der mich in den Arm nimmt, der mir die Tränen von den Wangen wischt, der für mich da ist.

ICH BIN EINSAM.

In euren Augen bin ich der [Name], der „weise, türkische Junge“. Doch ich bin nicht weise. Mir fällt nicht einmal ein, was ich tun könnte, um mir das Leben zu erleichtern.

Ich bin eine Bombe, ich höre mich ticken. Ich weiß nur, dass ich bald explodieren werde.

Je mehr ihr mich drückt, in den Arm nimmt und mich tröstet, desto klarer wird, was allgemein bekannt ist: Das alles ist letztlich auch nur virtuell.

„Es ist real, aber woanders.“ – Ja, das ist es. Woanders, und nicht bei mir.

Das einzige, an das ich mich festhalten kann, ist dieser Teddybär. Die einzige Konstante in meinem Leben, seit meiner Geburt und für immer.

Ich weiß nicht, „was besser wäre“. Morgen werde ich aufwachen und wie jeden Tag den selben Scheiß durchmachen und mich selbst dabei wieder vergessen.

Ich habe so sehr gehofft, dass sich auf dieser neuen Schule vieles ändert, das ich endlich Leute finde, die so ähnlich sind, wie ich es bin.

Es ist nicht der Leistungsdruck, der mich niedermacht. Es ist die Enttäuschung über mich und diese Entscheidung. Ich konnte nicht wissen, dass es so kommt, das ist mir klar. Doch das Schlimmste ist dieser Knebelvertrag. Die Schulgebühren müssen bezahlt werden, selbst dann, wenn ich die Schule verlassen würde. Ich habe 1 1/2 Jahre vor mir. Meine Noten sind gut und stabil, mein Zustand ist es nicht.

Sie hat mich betrogen, die Hoffnung, diese kleine Hure. Sie hat mein Leben zerstört, hat aus Ruinen Staub gemacht.

Ich habe einen Plan für morgen: Ich werde das Haus um 6.15 Uhr wie immer verlassen, doch nicht zur Schule gehen. Ich werde eine Psychologin aufsuchen, vielleicht kann sie mir helfen. Ich kenne viele Psychologen, da mein alter Klassenlehrer sehr interessiert darin war, und ich da so „reingerutscht“ bin.

Und wieder muss ich auf die Hoffnung setzen, auf diese Hure, die mir immer und immer wieder die Kraft gibt, das alles durchleiden zu können.