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Utopie! (12/42)

6. September 2015

Wir sollten uns eine Utopie ausdenken, in der wir gerne leben würden. Unserer Phantasie waren keine Grenzen gesetzt und wir konnten uns aussuchen, ob wir allein, in Grüppchen oder als eine große Gruppe daran arbeiten wollen. Wir entschieden uns für die große Gruppe. Ansonsten durften wir machen, was und wie wir wollten; dafür hatten wir den ganzen Tag Zeit.

Wir überlegten fünf Minuten und jeder schrieb etwas auf einen Zettel, dann trugen wir unsere Ideen einander vor. Ich sammelte die Kategorien auf einem weiteren Zettel und am Ende glichen wir diese Kategorien mit unseren Ideen ab.

    Mensch und Natur
    Gesundheit
    Lebensmittel
    Gleichstellung
    Wirtschaft und Finanzen
    Politik und Mitbestimmung
    Industrie
    Umwelt, Wasser und Strom
    Wohnraum
    Mobilität
    Kommunikation und Medien
    Bildung und Erziehung
    Wissenschaft
    Kunst und Kultur

Diese Schlagworte schrieben wir auf eine riesige Wandzeitung und gingen sie Punkt für Punkt durch. Jeder konnte dann seine Ideen genauer ausführen oder eine Idee kommentieren. Bei den Punkten „Wirtschaft und Finanzen“ und „Politik und Mitbestimmung“ hielten wir uns am meisten auf. Hier gab es enormen Gesprächsbedarf, weil die Vorstellungen teilweise extrem auseinander gingen. Nachfolgend werde ich unsere gemeinsame Utopie stichwortartig den Kategorien nach beschreiben. Interessant finde ich, dass wir eine ziemlich reale Utopie erschaffen haben. Im Grunde schufen wir ein Gesellschaftsmodell.

Mensch und Natur

    Nachhaltigkeit und ökologische Grundprinzipien stehen bei jeder Entscheidung an erster Stelle.
    Keine Massentierhaltung, Tiere zum Verzehr werden artgerecht gehalten.
    Ressourcen werden nur auf Bestellung geschöpft.

Gesundheit

    Alle Leistungen des Gesundheitssystems sind kostenlos, zum Beispiel Behandlungen und Medikamente.
    Umfassende vorbeugende Maßnahmen.

Lebensmittel

    Nicht kostenlos, aber staatlich subventioniert.
    Bio, FairTrade, nachhaltige Erzeugung.
    Bedarfsgerechte Bestellung monatlich durch die örtliche Gemeinde, zum Beispiel werden im Winter andere Lebensmittel verbraucht als im Sommer.
    Keine Verschwendung durch Bestellerprinzip, falls Sonderwünsche.
    Genussmittel nicht subventioniert.

Gleichstellung

    Religion und Staat sind strikt getrennt.
    Absolute Meinungs- und Pressefreiheit.
    Gleichstellung Aller, zum Beispiel aller Geschlechter, Hautfarben, Nationalitäten, Sexualitäten, Religionen.

Wirtschaft und Finanzen

    Eine Kasse für alles, jeglicher Lohn und Mehrwert fließt hinein, um beinahe jede Kategorie des Lebens kostenlos halten zu können.
    Grundeinkommen. Variabel, monatlich berechnet nach gesellschaftlichem Arbeitsaufkommen. Das Grundeinkommen ist gleichzeitig der Monatslohn und beinhaltet jegliche Sozialausgaben. Jeder hat monatlich das gleiche Einkommen, egal ob Müllmann oder Politiker.
    Keiner muss arbeiten, jeder darf arbeiten.
    Arbeit steigert das Grundeinkommen aller. Niemand arbeitet nur für sich, sondern für die Gemeinschaft. Privaten Reichtum gibt es nicht, alle sind gleich reich. Ungenutztes Grundeinkommen verbleibt in der Kasse für alle, für den Einzelnen steht maximal zur Verfügung das monatliche Grundeinkommen,
    Virtuelle Währung, transparent und öffentlich.

Politik und Mitbestimmung

    Gemeinden, Basistreue Delegation, im Grunde Räte-Demokratie. Basis entscheidet und Delegierte müssen die Meinung der Gemeinde vertreten.
    Transparenz in allen Entscheidungen, öffentliche Sitzungen und Protokolle.
    Volksentscheide.
    Kritikzentrum, von uns ironisch „Zentrum für politische Schönheit“ genannt, das die Kritik am Staat anhört und verarbeitet, die Delegierten überwacht und mit dem Kritikern Lösungen entwickelt, mit dem Volke abspricht und gegebenenfalls umsetzt.

Industrie

    Konsumgüter sind nicht kostenlos.
    Produktion nach Bedarf und auf Bestellung.
    Herstellung dauert zwar länger, aber so wird Verschwendung reduziert und alles wird mit Bedacht bestellt.
    Produkte müssen hochwertig sein und haben eine tatsächliche Lebenslange Garantie mit Reparatur und allem.
    Recycling ist erstrangig.

Umwelt, Wasser und Strom

    Wasserkraft, Solar und Wind sind erstrangig und kostenlos.
    Keine Atomenergie, fossile Brennstoffe nur ausnahmsweise nach strenger Prüfung erlaubt und mit hohen Kosten für Industrie und Verbraucher verbunden.
    Keine Umweltverschmutzung, nachhaltige Kreisläufe.
    Regenwasseraufbereitung.
    Lärmarm.

Wohnraum

    Kostenlos
    Zukunftssicheres Bauen

Mobilität

    Kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, hohe Taktung
    Autofreie Stadt, Versorgung, zum Beispiel Feuerwehr, Krankenwagen, natürlich erlaubt.
    Kostenloser Fahrservice für Schwangere, körperlich Beeinträchtigte etc.
    Elektrofahrzeuge und Carshaaring für Fernziele.
    Fahrradstraßen prägen Stadtbild.
    Verkehrsleitsystem mit Sicherheitsfunktion, Hindernis- und Pannenerkennung etc.
    Lärmarm

Kommunikation und Medien

    Kostenlose Nutzung des Internets, Glasfaser für alle, kostenloser Mobilfunk.
    Medien werbefrei und kostenlos zugänglich per Internet. Investigativer Journalismus ist Pflicht.
    Keine Werbung in Publikationen nicht erlaubt, nur im Fernsehen und auch nur zwischen den Sendungen für fünf Minuten.

Bildung und Erziehung

    Kostenlos, Kita und Schule für alle und immer.
    Sechs Jahre Grundschule, danach keine Schulformtrennung.
    Absolute Chancengleichheit, kein Leistungsdenken.
    Grundschule fördert vor allem Kreativität und gesellschaftspolitisches Denken.
    Freue Wahl der Fächer nach der Grundschule. Falls im Berufsleben Defizite erkannt werden, kostenlose Nachhilfe an den Schulen und an der Uni.

Wissenschaft

    Forschungsbedarf wird von den Unis angemeldet und von der Industrie kostenlos produziert.
    Ethikkommitee entscheidet über schwierige Forschungsfragen.
    Forschung im Bereich der Grundversorgung vorrangig.
    Unabhängig von Politik.

Kunst und Kultur

    Künstler sein ist ein Beruf, Künstler erwirtschaften durch ihre Arbeit einen Mehrwert, der wie im Bereich „Wirtschaft und Finanzen“ erklärt, der Gesellschaft zugute kommt.
    Kostenpflichtiges Angebot, Bürger suchen sich ihre Art der Unterhaltung aus und zahlen vom Grundeinkommen.
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Existenzerhaltungstheater.

9. März 2010

Durstig wache ich auf, weit und breit keine Wasserflasche in Sicht. Zu müde, um die Treppen herunterzulaufen; zu durstig, um einfach wieder einzuschlummern. Ich rede mit mir selbst, unhörbar. Im Nachhinein kann ich mich nicht mehr an den Inhalt meines Selbstgesprächs erinnern, doch ich weiß, dass ich ein Selbstgespräch geführt habe. Es war eher so „Frage-und-Antwort“-mäßig. Nach ein paar Minuten bin ich wieder eingeschlafen.

Traumbeschreibung:
Ich befinde mich in einer Stadt, sie kommt mir bekannt vor, doch ich kenne ihren Namen nicht. Mit einer Person, ich glaube, jemand aus der näheren Verwandtschaft, laufe ich eine Straße entlang. Es ist dunkel, die Straßenlaternen leuchten gelblich-orangeartig. Die Straße ist eher ein Gasse, oder sogar ein Pfad. Ich erinnere mich an Erde und wie diese unter meinen Schuhen knirschte.

Zusammen mit dieser Person betrete ich ein Haus. Meine Erinnerung sagt mir, dass das Haus aus Lehm oder so etwas ähnlichem gebaut war und die Form einer Halbkugel hatte. In diesem Haus befand sich ein dicker Herr. Es war unglaublich heiß, ich glaube mich an einen Bachofen zu erinnern. Brot?

Filmriss.

Ich erinnere mich an vier Jugendliche, die einen Jungen verfolgen. Ich schätze, dass diese Jugendlichen um die 20 Jahre alt waren, genau wie dieser Junge. Ich und dieser Junge rannten so schnell wir konnten und versteckten uns in einer Seitengasse. Ich glaube, dass wir eine Treppe hochgerannt sind. Ich befinde mich in einem Badezimmer und kann von der Tür aus den Jungen die Treppen hoch rennen sehen. Ich rufe ihn herbei, und als er das Badezimmer betritt, schließe ich die Türe und drehe den Schlüssel um.

Was dann genau passiert, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich zusammen mit diesem Jungen onaniert habe. Ich sehe das Sperma auf dem Boden, dann sehe ich das Gesicht und die Augen des Jungen. Sein Blick ist traurig.

Und in diesem Moment wache ich auf. Meine Boxershort ist gefüllt und entsprechend verklebt. Die letzten Tropfen verlassen meinen Körper.

Es ist 4.50 Uhr. Ich liege da und frage mich, welche Bedeutung dieser Traum hat. Je mehr ich versuche, mich an die Details zu erinnern, desto trüber werden meine Erinnerungen. Ein eigenartiger Traum.

Feuchte Träume im Zusammenhang mit Jungs habe ich selten, fast nie. Ich verstehe nicht, was mir das alles sagen soll.

Den Inhalt des Traumes kenne ich nicht. Doch ich weiß, dass er spannend war. Ich erinnere mich an Gefühle und matte Gesichter / Gesichtsausdrücke. Es ist, als hätte ich ein Buch gelesen, dessen Geschichte ich vergessen habe, von der ich aber weiß, das sie aufregend war.

Die letzten Wochen waren langatmig und monoton. Vielleicht versucht mein Geist, mich „am Leben“ zu beteiligen, in dem er mir packende Abenteuer vorspielt. Eine Art Existenzerhaltungstheater.

Mein Leben ist langweilig und meine Phantasie ist bunt. Manchmal treffen sich diese beiden Welten und veranstalten eine farbenprächtige Orgie. An solchen Tagen stehe ich unter Strom.

Ich brauche keine Drogen, ich habe meine Phantasie.