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Ohne Titel.

31. Mai 2011

Das Licht der Straßenlaterne scheint matt durch die weit geöffnete Fensterfront. Der Tag ist vor wenigen Stunden erloschen und nun legt die Nacht ihre beruhigende Stille über das Dorf, dessen kühles Rauschen mich an das Telefonat erinnert, welches ich mittags geführt habe. Das Rauschen der Leitung ist wie das Rauschen in meinem Kopf. Die Wanduhr tickt leise im Sekundentakt und die Zeit rinnt mit jedem Herzschlag ein bisschen schneller durch meine Blutbahnen. Bald werde ich den Nullpunkt erreicht haben.

Die schwere Bettdecke, die ich einst brauchte, um in den Schlaf gedrückt zu werden, lehnt schon seit Tagen an der kalten Wand und beherbergt all jene Sorgen und Ängste, welche in den letzten Monaten in Form von Schweiß und Tränen aus mir gewichen sind. Ich fürchte mich davor, sie auf mich zu nehmen, und so ziehe ich das seidene Licht der Straßenbeleuchtung auf mich und verzichte auf die schwere Bettdecke, in dessen Bezug ich einen großen Teil meines Wesens erkenne. Meine Hände ruhen müde auf meinem Schoß und leuchten schützend im Orange der Straßenlaterne; mein Bauch hebt und senkt sich mit jedem Atemzug. Ich schaue an die Holzdecke und sehe in meinen Sternenhimmel, der aus Kiefernholz besteht. Jede Maserung des Jahrzehnte alten Holzes hat ihre eigene Bedeutung, bildet mit anderen Flecken und Schatten ein Sternenbild, ein Netz der Erinnerung. Über mir ruhen die letzten sieben Jahre; still, stumm und leise.

Als ich frierend aufwache, draußen tiefschwarze Nacht, kein Licht, kein anbrechender Tag, ziehe ich die Decke doch auf mich und denke: solange ich sie am Morgen wieder ablegen kann, ist alles okay.

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