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Rückblick. (9/42)

31. August 2015

Neulich habe ich einen Text wieder entdeckt, den ich am Vortag meines 18. Geburtstages geschrieben haben muss. Den letzten Absatz davon habe ich damals veröffentlicht, alles davor muss ich wohl als Entwurf gespeichert haben. Weil ich sehr müde bin und morgen recht früh aufstehen muss, aber die Wette nicht verlieren möchte, werde ich ihn jetzt verbloggen. So ist der Entwurf keiner mehr und muss nicht mehr ein trauriges Dasein im Entwürfe-Ordner fristen. Beim Lesen dachte gerade, dass sich mein Schreibstil sehr geändert hat. Ich schreibe sachlicher und bei Weitem nicht mehr so emotional wie früher. Es ist interessant zu sehen, wie sich das Leben verändert und weiter entwickelt. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben und weiter für mich gekämpft, und rückblickend habe ich mein Ziel von damals erreicht. Und mit diesem Gedanken lege ich mich nun schlafen und stelle mir vor, wie ich meinem vergangenem Ich von der Zukunft berichte.

In weniger als einer Stunde erlischt mein altes Leben, doch an dieser Tatsache kann ich mich nicht erfreuen. Nein, diese Begebenheit macht mich traurig und färbt mein Empfinden in ein tiefes, verschwommenes Schwarz, welches sich nicht vom Schwarz des Himmels unterscheidet, welchen ich sehen kann, wenn ich durch das unreine Glas des Fensters meiner Wohnhaft nach Draußen blicke.
So wie der Himmel, so ist auch meine Traurigkeit: unendlich. Ich fühle mich gefangen, still und fortwährend erdrückt, als wäre ich geboren worden, um erdrückt zu werden von allem, was meine Welt ausmacht; als wäre dies meine Bestimmung, mein Schicksal. Alles fesselt und nichts hält mich. Diese stille Seelenqual, diese tief in meinen Knochen ruhende Niedergeschlagenheit, sie ist erschreckend wie der Tod für mich.

Der Regen schlägt sanft an mein Fenster, doch ich bin gebannt von der Stille in mir, welche mich an die Option des Todes nachdenken lässt, und so kann ich dem Regen keine Aufmerksamkeit schenken, obwohl dieser sie reichlich verdient hätte. Wäre es nicht tragisch und bezeichnend, würde ich jetzt, wenige Stunden vor meinem achtzehnten Lebensjahr, wie das Grollen eines Donners innerlich zerbersten und aus dem Fenster fallen, hart auf dem nassen Asphalt aufschlagen und eines blutigen Todes sterben? Was würde mein Vater fühlen?

Und noch während ich den Gedanken meines augenblicklichen Todes kunstvoll ausmale, steigt in mir der Zorn meines Lebens empor und flutet mein Vorstellungsvermögen mit Bildern, Emotionen und Erinnerungen, welche nur das Leben in meinem Kopf betreffen. Wahrlich lebe ich, doch wirklich lebe ich nur in meinem Kopf, in meinen Gedanken und Gedankengängen, in meinen Texten und Tweets und Direct Messages. Worte waren und sind meine einzige Wahrheit.

Ich bin traurig, weil mir wieder einmal bewusst wurde, dass alles, was mir Freude bereitet, mir Kraft gibt und mich des Lebens ermutigt, größtenteils nicht wirklich ist. Meine Wirklichkeit in mir ist nicht meine Realität, obwohl sie das sein könnte, wäre ich nicht an dieses Leben gefesselt, welches mich mit der Angst vor dem Tod durch die vermeintlich verloren gegangene Ehre meiner Familie schmerzt. Noch ist es nicht passiert, doch allein der Gedanke daran, dass es passieren könnte, fügt mir himmelweite Schmerzen zu. Ich ertrage den Gedanken nicht, vor meinem Ist-Leben flüchten zu müssen, damit ich mein Kann-Leben leben kann.

Tränen besiedeln schlagartig meine Augen, wenn ich an jene denke, die mir wirklich nahe stehen. Und diese Nächsten… auch sie existieren fast ausschließlich in meiner Gedankenwelt, obwohl sie echt und wahr und wirklich sind, obwohl auch in ihnen ein Herz unaufhörlich gewaltige Mengen roten Blutes durch ihre Menschenkörper pumpt. Es gibt diese Helden wirklich und ich habe einige von ihnen schon getroffen und verehre sie in wahrsten Sinne des Wortes. Sie geben meinem Leben — mit „meinem Leben“ meine ich das Leben, welches ich in mir fühle —, so viel Anmut und Erlesenheit, wie es mein „reales Leben“ niemals können wird, solange es mein altes, reales Leben bleibt.
Es schmerzt mich, dass ich gefangen bin in der dusteren Realität meines Lebens, dass ich die Wirklichkeit in meinem Kopf (noch) nicht zu meiner Realität machen kann.

Mein Leben besteht hauptsächlich daraus, mir ein Leben mit den vielen großartigen Menschen und Figuren auszumalen, das ich haben könnte. Als wäre es meine Pflicht, von besseren Zeiten zu träumen, fühle ich mich schlecht und schuldig, wenn ich das mal nicht tue, wenn ich nicht in’s Internet schreibe, mich nicht über meine Helden und Freunde informiere und auch nicht mit ihnen kommuniziere. Es ist eine Art Zwang für mich, zu träumen. (Ich träume fast ausschließlich von und über meine Fantastic Friends.) Doch, das muss auch gesagt werden, es ist der schönste Zwang, den ich kenne.

Der Himmel scheint unendlich, genau wie meine Traurigkeit, doch ebenso unendlich scheint auch meine Zuversicht, dass alles besser, meine Wirklichkeit zu meiner Realität wird und ich am Ende glücklich sein werde.

Geburtstage waren mir nie wichtig, doch dieser, der achtzehnte, ist es irgendwie doch, denn ich komme meinem Ziel, in naher Zukunft glücklich zu sein, einen nicht kleinen Schritt näher.

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Live dabei.

11. März 2010

Gestern schrieb ich: „Ich erwarte nicht, dass man sich andauernd bei mir meldet. Ich erwarte auch nicht, dass man ständig etwas mit mir unternimmt. Ich fände es nur schön, auch abseits von Feier- und Geburtstagen von anderen zu hören.“

Mir ging eben ein Gedanke durch den Kopf: Vielleicht empfinde ich das so, weil ich jeden Tag sehr viel von „Menschen aus dem Internet“ lese, an deren Leben teilnehme. Meine Twitter-Timeline wird täglich von schätzungsweise 3.000 Tweets durchströmt. Ob diese Zahl stimmt, kann ich nicht sagen; ich denke, dass es so viele Tweets sind.

Dieser kleinen Informationsbruchstücke kann man am Stück kaum abarbeiten, es ist „sinnvoller“ live dabei zu sein. Twitter läuft bei mir immer nebenbei, egal, wo ich mich befinde.

Ich glaube, dass sich bei mir ein „Informationsbruchstück“-Gefühl entwickelt hat. Ich möchte immer auf dem Laufenden sein, möchte mitbekommen, wie es den anderen geht. Mir ist es egal, ob diese Menschen nun aus meinen bürgerlichen Leben oder aus dem Internet kommen. Ich möchte wissen, wie es den Menschen geht, die mich interessieren.

Twitter ist perfekt für mich. In der Timeline kann ich lesen, wie es um die Person gerade steht. Im RL ist das schwieriger; ich kann und will mich nicht bei jedem erkundigen.

Dieser eine Tag.

10. März 2010

Morgen werde ich 17 Jahre alt. Dieser Tag ist zwar mein Geburtstag, doch ich habe nicht vor, etwas besonderes zu veranstalten. Eigentlich wollte diesen Tag ganz normal durchleben. Schlicht, so wie jeden anderen.

Vorhin rief Marie an. Sie war überrascht darüber, mich an der Strippe zu haben. Normalerweise bin ich mittwochs erst gegen 19 Uhr zu Hause. Schon an ihrer Stimme merkte ich, dass sie eigentlich nicht mit mir, sondern mit meiner Mutter oder meinem Vater sprechen wollte.

Sie fragte mich, was ich denn morgen so vor hätte. Gute Frage.

Ich habe mir den morgigen Tag so vorgestellt:
Morgens Schule mit ein bisschen Alles-Gute und Geburtstagsstimmung inklusive Händedrücken, Rückenklopfern und Blabla. Mittags dann wie immer. Abends vielleicht Kuchenessen mit Eltern. In Sachen Geschenken habe ich keine Erwartungen. Geschenke am Geburtstag sind nicht so meine Sache. Ich würde mich viel mehr über spontane Aufmerksamkeiten außerhalb meines Geburtstages freuen.

Immer mal wieder wird mein Mobiltelefon klingeldingsen. Ich werde ein paar Kurzmitteilungen erhalten und mein Twitter-Client wird mit Geburtstags-Replies verstopft sein. Wenn ich ehrlich bin, wird es mich freuen. Doch auch hier gilt: Man kann mich auch ruhig außerhalb meines Geburtstages kontaktieren. Ich werde Kurzmitteilungen von Menschen erhalten, die sich sonst kaum bei mir melden. Schön, dass diese wenigstens an meinem Geburtstag an mich denken.

Das hört sich jetzt so vorwurfsvoll an. Doch es ist, wie es ist. Ich erwarte nicht, dass man sich andauernd bei mir meldet. Ich erwarte auch nicht, dass man ständig etwas mit mir unternimmt. Ich fände es nur schön, auch abseits von Feier- und Geburtstagen von anderen zu hören. Ich habe es satt, immer der zu sein, der sich meldet.

Abends, so gegen 22 Uhr, hätte ich mich in mein Bett gelegt und ein bis zwei Stunden auf Twitter verbracht. Ein schlichter Tag mit gewohntem Ende.

Doch nun kommt es anders. Marie wird abends hier sein und wir werden wahrscheinlich ein bisschen rumdaddeln, Germanys Next Topmodel anschauen und uns dabei den Bauch mit Kuchen vollschlagen.

Insgeheim freue ich mich, dass sie an mich gedacht hat. Aber irgendwie wäre es mir lieber gewesen, wenn ich diesen Tag hätte einsam verbringen können. Nunja, mal sehen, wie es sich entwickelt.