Posts Tagged ‘David’

Verpflegung inklusive.

29. Mai 2011

Ich sage Guten Morgen! und stelle meine Saftflasche auf den Tisch, packe Bonbons, Aspirin und diverse Schreib- und Zeicheninstrumente für die Prüfung aus und schaue auf meine Hände, als David plötzlich meinen Oberarm umfasst und mit einem erschreckend freundlichen Psychoblick sagt: „Guten Morgen, Heartcore! Ich brauch‘ dich, kann ich dich buchen?!“

Erst begreife ich nicht, was er mir zu sagen versucht, doch als es Klick! macht in meinem Köpfchen, sagt er, bevor ich ein Wort der Nachfrage sprechen kann: „Weißt ja, mein MacBook ist so lahm. Und da wollte ich dich fragen, ob du nicht mal Lust hast, zu mir nach Hause zu kommen. Wir könnten das Ding wieder auf Vordermann bringen, Filme schauen und reden. Ich wollte eh schon immer mal etwas mit dir unternehmen! Verpflegung inklusive!“

Ich schlucke und versuche den Schock zu verkraften, und weil ich kipple, falle ich fast vom Stuhl. Gerade so noch kann ich mein Gleichgewicht halten und Ja, klar! sagen, während ich WAS, WIE JETZT?! denke. David, der nun lacht, tätschelt mir den Kopf und gibt von sich: „Ganz ruhig, Heartcore! So schlimm wird’s schon nicht werden!“


Ich finde es erstaunlich, dass David auf mich zu gekommen ist und mich zu sich nach Hause (!) eingeladen hat, mir also zuvor gekommen und den ersten Schritt in Richtung Kontakt halten gegangen ist. Als hätte er das Blog hier gelesen; was mit Sicherheit nicht sein kann.
Freut mich sehr, dass es ihm nicht nur um den Computer-Support geht, sondern auch darum, dass wir Zeit miteinander verbringen, reden. Wie Zwei, die vielleicht ja doch Freunde werden.

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Crushdiät.

17. Mai 2011

In weniger als einem Monat wird die letzte Prüfung geschrieben und meine Schulzeit offiziell zu Ende sein. Zwei Schuljahre, eine Depression und ein Klassenzimmer voller Idioten werden als Vergangenheit in meiner Erinnerung verweilen; zwei Schuljahre, die mich eine Menge an Kraft, viel Zeit und ein paar Freundschaften gekostet haben.

Ich habe in diesen zwei Jahren viel verloren, doch ist das Verlorene winzig neben all dem, was ich gewonnen habe. Und nein, in dieser Schule habe ich nichts für’s Leben gelernt. Alles, was ich in den zwei Jahren per Definition für’s Leben hätte lernen sollen, habe ich mir selbst beigebracht bzw. wurde mir von den Leuten vermittelt, denen ich glücklicherweise dort begegnet bin, wo ich sein kann, wer ich bin: hier im Internet.

Zwei Freunde habe ich in den zwei Jahren für mich gewonnen: Jes, das expressive Frauenwunder, und Bene, den klugen Sportler, der gleichzeitig der Jüngste in der Klasse ist. Mein Verhältnis zum Rest des Klassenverbandes ist eher bescheiden: ich bin freundlich, doch habe ich kein Interesse an ihnen.

Wobei… morgen wird mir David ein letztes Mal nahe sein, denn morgen ist der letzte normale Schultag vor den Prüfungen. Ich werde David und seinen Körper nie wieder bewundern, ihn nie wieder riechen und fühlen können. Diese Zeiten sind vorbei.

Am ersten Schultag habe ich mich von meinem Begehren leiten lassen und bin David gefolgt, nachdem verkündet wurde, dass ich mit ihm und ein paar Anderen eine Klasse bilden werde. David war der erste Mann, der mich schlagartig glühend machte, und ich weiß noch, wie stark die Erektion damals war, als ich ihn das erste Mal sah. Ich folgte meinem Begehren und wurde sein Sitznachbar.
In den folgenden zwei Jahren hat sich zwischen uns wenig verändert. Er ist nun 23, ich bin 18 geworden. Er ist schon immer zurückhaltend, klug und reif gewesen, ich lerne das zu sein. Anfangs rauchte er noch, jetzt raucht nicht mehr. (Ich weiß nicht, ob das etwas mit seiner sehr ernst gemeinten Frage zu tun hat, ob es mich störe, dass er raucht. Ich sagte, ich sei nicht so sehr erfreut davon.)

Und verdammt, David sieht noch immer unfassbar gut aus, auch ohne dass er so athletisch ist wie damals. Knuffig ist er geworden und wohlbeleibt, trägt einen leichten Bauch mit sich. Und bis heute ist mir kein Mann begegnet, an dem ein Vollbart so schön und so gepflegt aussieht wie bei David. Er ist noch immer wie Jake Gyllenhaal in tausend Mal schöner und begehrenswerter, und ich könnte hier noch stundenlang schwärmen und ihn und seinen Körper beschreiben, doch was letztlich zählt, ist: In diesen zwei Jahren hatte ich nie ein enges Verhältnis zu ihm. Wir waren mehr Kumpels als Freunde; wir haben nie über das gesprochen, was ich mit ihm gerne gesprochen hätte. Ich habe oft versucht und versuche es noch immer, ihm auf selber Augenhöhe entgegen zu treten; manchmal waren wir das, manchmal nicht. In seiner Gegenwart wurde ich still; David liebt die Ruhe und so wollte ich ihm ein ruhiger Sitznachbar sein. (Und ihn ganz still beobachten.)

Ich bereue aber, in Sachen Freundschaft nie auf ihn zu gegangen zu sein, weil ich es nicht konnte. Natürlich haben wir oft und täglich gesprochen, doch zumeist waren das leere Gespräche ohne wirklichen Inhalt. Mir ist bewusst, dass David nicht auf Männer steht und bereits verlobt ist, doch hätte ich ihn trotzdem gerne als Freund gewusst. Ich bereue es so sehr, ihn zwei Jahre lang nur still bewundert und angehimmelt zu haben; in der Zeit hätte ich ihm ein guter Freund sein können.

Es schmerzt, ihn gehen zu lassen. Mir werden all die Momente fehlen, in denen er mitfühlend war, reines Herz zeigte. Natürlich, er war schön anzusehen, doch nicht das macht ihn zu dem David, der er ist; sein Verstand und sein Verhalten, die Art, wie er beispielsweise spricht und sich auszudrücken weiß oder wie er mit mir umgeht, das zeichnet ihn aus. Sein Aussehen macht ihn lediglich attraktiver.

Ich bin nicht verliebt in David, doch dass ich noch immer einen Crush auf ihn habe, das kann ich nicht leugnen. Den Platz in meinem Herzen, den ich ihm gerne geschenkt hätte, habe ich an einen Anderen vergeben. Dennoch ist David der begehrenswerte Mann, der er schon immer war. Ich habe die Zeit neben ihm sehr genossen und denke, dass ich ein guter Sitznachbar für ihn gewesen bin.

Was ich am meisten vermissen werde, ist dieser milde Frieden, den sein Anblick in mir auslöste. Und dieses Lachen, wenn er mit hochgezogenen Augenbrauen und Stirnfalten zum Dahinschmelzen sagte, dass ich wieder einmal provokativ süß sei.

Mir stellt sich jetzt die Frage, was ich tun kann, um mit ihm in Kontakt zu bleiben. Tipps?

Der Blick.

26. März 2011

Diesen Blick kannte ich gar nicht von ihm; diese suchenden, rastlosen Augen, kornblumenblau. So hatte er mich noch nie angesehen; so sehr hatte ich noch nie gelitten. Er war auf der Suche nach den richtigen Worten. Auf der Zunge lagen sie ihm, nur musste sie jemand von seinen Lippen ablesen. Mich sah er an, hilflos wie ein verlorenes Kind, als hätte er seine stets begehrte Männlichkeit gegen die Empathie eines Vierjährigen getauscht. Er wusste nicht, dass ich wusste, was er vergessen hatte, diese zwei Wörter, diesen Begriff; er konnte nur hoffen. Ich aber, ich wusste es, konnte seine Lippen lesen, war vielleicht der Einzige in diesem Raum, der das konnte. Ich sprach aus, was ihm auf der Zunge lag und er sagte mit einem Lächeln, das mich schmelzen ließ: „Ja, genau DAS habe ich gesucht!“ Sein Blick nahm binnen einer Sekunde den Blick des Mannes an, welchen ich einst unglücklich begehrte, wissend, dass ich meinen Durst nie an ihm werde stillen können. Seine strahlenden Augen versetzten mich sofort in einen Zustand des hohen Fiebers, welcher ab dieser Sekunde in mir brannte, denn er war stolz auf mich, stolz auf mich, stolz auf mich. Keine zwei Minuten später setzte er sich wieder auf seinen Sitzplatz. Er streichelte wild meinen Kopf und sagte: „Voll süß, wie du das gewusst hast. Ich bin stolz auf dich!“

Und so brannte ich, schmolz wie Glas, glühend und zäh, doch nicht seinetwegen; ich schmolz aus Sehnsucht, die nicht ihm, sondern einem Anderen gebührte, dessen Nähe ich mir mehr ersehnte, als ich es bei David je konnte.

(Zwei Accounts, zwei Versionen.)

https://twitter.com/#!/Milchbartbube/status/50259811417337856

Sensitivität.

21. Oktober 2010

Und noch Stunden später glühen meine Hände, als wäre dieses Wärmegefühl die Strafe dafür, dass ich seiner Haut zu nahe kam.

Nachts erkenne ich in jedem Winkel meiner Träume das Muster seines Strickpullovers in der Farbe seiner Kornblumenaugen. Ihn jedoch sehe ich nicht. Am nächsten Morgen glühen nicht nur meine Hände; mein Kopf scheint schwer und glühend-heiß.

Und mit einem Mal ist er mein Sitznachbar. Er riecht gut und atmet still. Mehrmals am Tag berühren wir uns; mal zufällig, mal weniger zufällig. Fieberhaft glühen die Gliedmaßen meiner linken Körperhälfte. Jede verstreichende Stunde an seiner Seite scheint eine kleine Ewigkeit zu sein.

Ein paar Berührungen mehr und ich werde zu keiner Zeit an der Kälte des bevorstehenden Winters leiden. Der tiefschürfende Schmerz jeder einzelnen Berührung wird mich warm halten, bis ich eines Tages stumm verglühe.

Der erste Kuss.

13. Oktober 2010

Schläfrig lag ich auf dem schwarzen Rückenpolster meines Rucksackes, welchen ich immer öfter als Kissenersatz missbrauchte, und wünschte mir, dass die zäh kriechende Zeit sich verflüssigt, während der schmächtige Deutschlehrer seinen Lehrauftrag erfüllte und versuchte, uns Schülern an einem Freitagnachmittag, in der letzten Doppelstunde vor dem lang ersehnten Wochenende, etwas beizubringen, das wir schon längst kennen sollten, so oft wie wir das in unserer Schullaufbahn schon durchkauen mussten.

Ich lag da wie ein ausgeschlachteter Fleischklumpen und blickte aus nach Erholung kreischenden Lidern in die scheinbare Leere des Klassenzimmers und versuchte ohne Regung die Staubpartikel zu verfolgen, welche hoch oben in der Pumakäfigluft des Raumes von den Strahlen der bevorstehenden Abendsonne vergoldet wurden, die durch das schmutzbehaftete Fensterglas fielen und dem Zimmer dieser Irrenbildungsanstalt ein hoffnungsvolles Schimmern verliehen. Dieser funkelnde, farblos-flaue Anblick ermüdete mich nach kurzer Zeit und so entschloss ich mich dazu, meine ausgebrannten Augen zu schließen und ein wenig zu schlafen, denn etwas besseres konnte ich als wissbegierig-gelangweilter Schüler nicht machen.

Nach einem zwanzig-minütigen Sekundenschlaf riss ich entsetzt meine Augen auf, als ich plötzlich die Stimme des jungen Mannes aus der Reihe vor mir vernahm, welcher sanft, fast liebevoll einen Text aus dem Schulbuch vorlas, und in mir die Entfaltung eines längst vergessenen Traumes lostrat, indem er das Wort „Kuss“ über seine Lippe springen ließ, welches zart auf meiner Lippe landete.

Mein Herz schlug so schnell, dass ich aus Angst, jemand könnte es hören, vergaß zu atmen und zu blinzeln, denn ich konnte nicht glauben, an was ich mich erinnerte. Er saß da, vor meinen Augen, und sprach einen Text, den ich nicht einmal wahrnahm, bis mein Unterbewusstsein das Wort erfasste, welches mich schmerzlich übermannte und mein Bewusstsein impulsartig in Brand steckte.

Im Traum, den ich Tage zuvor geträumt haben muss, küsste ich den jungen Mann, welcher Montag bis Freitag vor mir in der Reihe sitzt und zweifelsohne zu den schönsten Kerlen gehört, denen ich jemals in meinem Leben begegnet bin. An manchen Tagen kann ich ihm nicht in sein wunderschönes, klares Gesicht blicken, weil meine Vernunft es mir nicht gestattet, diesen zweiundzwanzig-jährigen Herren insgeheim anzuhimmeln. Doch er sitzt vor meinen Augen, jeden Tag, und redet oftmals mit mir, als kannten wir uns schon immer. Und ich sehe täglich in seine Kornblumenaugen und erkenne darin seine Intelligenz, welche mich immer wieder in die Faszination führt, und seine Aufrichtigkeit, welche mich im Herzen schmeichelt und mir jedes Mal ein Lächeln zaubert. Seine Haut, die fraglos reifer ist als meine, bewirkt in mir einen erotischen Respekt, und so zügle ich mich und beweise Disziplin, beherrsche mich und halte mich zurück, denn etwas anderes bleibt mir nicht übrig. Doch wie gerne würde ich über sein Gesicht streichen und mit meinen Fingerkuppen durch sein volles, blond-braunes Barthaar gehen, das sein Antlitz veredelt und noch ästhetischer gestaltet, als es ohnehin schon ist…

Im Traum, da küsste er mich. Zum ersten Mal wurde ich geküsst und zum ersten Mal träumte ich davon, geküsst zu werden. Sorgsam hielt er meinen Kopf, sah mir in die Augen, in denen ich mich selbst erkennen konnte, und näherte sich mir, als wäre es nie anders gewesen, und gab mir das Gefühl, das Richtige zu tun. Unsere Lippen berührten sich und ich fühlte mich wohl dabei, fast geborgen. Im Traum war es das schönste aller Gefühle, denn ich hatte weder Sorgen, die sich erfüllen könnten, noch Hoffnungen, die sich erfüllen sollten. Es war ein hoch-erotisches, sinnliches Erlebnis, das mich schwer aufgeschürft hat.

Er las weiter und Wort für Wort verging die Zeit, doch mein Herz klopfte rasend und mein Atem stand still. Hellwach brannten meine Augen und eine schwere Traurigkeit flutete meine Gedanken und Gefühle. Es war nur ein Traum. Nur ein Traum, der sich nie verwirklichen und für immer nur ein Traum bleiben wird. Ein Traum wie kein anderer und ein Traum, der mich zerreißt und meine Zerrissenheit als unstillbare Durstlandschaft hinterlässt. Diese unbändige Sehnsucht fließt durch meine Adern und schmerzt mit jedem bewussten Herzschlag in seiner Gegenwart.

Ich weiß, dass ich nie die Gelegenheit haben werde, meinen Durst mit und an diesem jungen Herren zu stillen. Mein Leben ist manchmal sehr bitter und schleicht so lange auf unhörbaren Sohlen, bis ich verwundet und schwach durch die Welt weile. In solchen Momenten schlägt es zu und trifft punktgenau auf mein verletzliches Gemüt. Ich lag auf diesem Tisch und fühlte mich wie durch einen dornigen Holzpflock aufgespießt. Mein Herz war gebändigt in beißender Enge, konnte sich nicht wehren gegen die Traurigkeit meiner Träume und Sehnsüchte, ohne ein größeres Leid zu erfahren. Und so lag ich still schweigend und schwer atmend und leidend auf dem Tisch, und versuchte meinen Kummer unbemerkt herunter zu schlucken, was mir natürlich bestens gelang, denn ich bin der Meister der Masken.

Ich werde mich niemals ausleben können, solange ich ein Doppelleben führe. Diesen jungen Herren sehe ich Tag für Tag und mit jedem weiteren Tag schmerzt mich sein herrlicher Anblick umso mehr. Er spricht nur eine Sprache, ist nicht bilingual, wie ich es bin. Und es ist nicht Liebe, es dieser Durst, der mir so oft die Tränen in die Augen treibt, wenn ich alleine bin.

Eine viertel Stunde nach der stechenden Erkenntnis, Wunderschönes geträumt zu haben, kam zu meiner Scheinrettung endlich die erlösende Zehn-Minuten-Pause um die Ecke. Der junge Mann, der mich geküsst und somit in den tiefen Sumpf der verbitterten Traurigkeit gestoßen hatte, hob seinen Kopf, welcher mittlerweile auf der Tischplatte lag, streckte sich und drehte sich um zu mir.

Einfühlsam lächelnd flüsterte er mir in’s Ohr: „Oh, der Herr Heartcore sieht aus, als könnte er einen Kaffee ebenfalls ganz gut gebrauchen. Ich geb‘ dir ‚was aus. Drei Mal Zucker und einmal Milch, nicht wahr?“