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Hintergründig.

22. März 2011

Nach der Prügel- und Blut-Nacht 2006 wurde es Morgen und ich ging wie immer zur Schule. Ich sah vielleicht ein wenig blau und grün aus, habe mir aber nicht anmerken lassen, dass ich verprügelt wurde, oder dass mir irgendetwas Schlimmes widerfahren ist. Ich wollte schon immer der Mustertürke sein, der aus gutem Hause kommt und der es zu etwas bringen will. Das Gute — naja, eigentlich ja nicht so gut — war, dass an diesem Tag meine deutsche Oma beerdigt werden sollte. Ich habe zwei Omis väterlicherseits: einmal meine leibliche Fleisch- und Blut-Oma und dann noch meine deutsche Oma, die sozusagen die zweite Frau im Hause meines Großvaters war. (Ja, er hatte zwei Frauen.) Dank meiner deutschen Oma kann und konnte ich schon immer besser Deutsch als Türkisch und ich glaube, dass ich Dank ihr anders ticke, als der Rest meiner Familie. (Super! Vielen Dank!..)
Mein Großvater starb 2003 — ich war todtraurig, denn ich liebte ihn sehr und er liebte mich fühlbar mehr als seine anderen Enkelkinder, was mitunter vielleicht auch daran lag, dass ich seinen Namen trage.
Ein paar Jahre später starb meine deutsche Oma, die nach dem Tod meines Großvaters bei einem deutschen Freund lebte und deshalb von der Familie quasi abgestoßen wurde. Zuletzt sah ich sie im Sarg und davor irgendwann, als meine Mutter, mein Bruder und ich sie bei ihrem Freund besuchten, bevor uns dies von meinem Onkel untersagt wurde. Mein Onkel ist dominant-aggressiv, und wer nicht auf ihn hört, wird platt gemacht.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich konnte mich unter dem Deckmantel des Todes meiner deutschen Oma so richtig schön ausheulen, ohne jemandem erzählen zu müssen, was mich viel mehr bedrückte. Klar hat mich der Tod schwer mitgenommen, aber mein eigenes Leid war dann doch gewichtiger. Und so mischte sich Kummer mit Kummer und heraus kamen Tränen, für die ich mich nicht rechtfertigen musste. Auf der Beerdigung konnte ich dann zwar nicht mehr weinen, weil meine Augen ausgebrannt waren, doch das war nicht so schlimm, denn das Ausheulen bei Freunden „hat sich gelohnt“.

Am Tag darauf war ich nachmittags gerade dabei, mein Zimmer aufzuräumen, obwohl dies nicht nötig war — irgendetwas musste ich ja machen, um nicht an meiner Verzweiflung zu ersticken — als mein Vater in mein Zimmer kam und mit mir darüber sprach, dass Homosexualität etwas ganz Schreckliches ist und ich das schnellstens vergessen sollte. Er sagte: „Schwule werden immer missachtet werden. Die müssen für ihre Recht kämpfen, weil sie krank sind! Ich will nicht, dass du so endest! Und denk‘ doch mal an die Familie! Was für eine Schande das wäre, wenn das an’s Tageslicht käme! Ich will das nie wieder sehen, kapierst du? So einen Sohn will niemand haben.“

Seit diesem Tag im Juni des Jahres 2006 haben wir nur noch ein einziges Mal darüber gesprochen. In den darauffolgenden Sommerferien wurde ich wegen meiner eventuellen Krankheit für sechs Wochen in eine Koranschule geschickt. Gehirnwäsche pur. Ist an meinem Verstand jedoch abgeprallt, wie ein Projektil an einer dicken Panzerglasscheibe. Dennoch habe ich „Schäden“, also Risse und Splitter davon getragen, nicht nur an meiner Fassade.
Nach der Wäsche und auch davor war mir die Nutzung des Internets strengstens verboten, fast ein ganzes Jahr lang. Danach wurden meine Fesseln gelockert: ich durfte täglich eine Stunde online gehen, mit dem Wissen, dass jede Seite, die ich aufrufe, jeder Chat, den ich führe, geloggt und gespeichert wird. Ich wohnte also nicht in einem Zuhause, sondern in einem Gefängnis. (Was ich noch immer tue…) Hätte ich damals keinen iPod gehabt, hätte ich mir weiterhin Phantasie-Freunde ausgedacht und wäre weiterhin in ihre Welt geflüchtet. Dank meines iPods habe ich damals das Podcasting für mich entdeckt und mir ein Leben zwischen den Stimmen geschaffen. Und noch heute bin ich süchtig nach diesen Stimmen „aus meinem Kopf“, egal ob in Form von Podcasts, Tweets oder Blog-Einträgen.

Es gibt da noch eine folgenschwere Sache, die vielleicht in dem Kontext dieses Textes von Bedeutung sein könnte.
Auf der Realschule hatte ich einen besten Freund: Paul. Mit Paul konnte ich alles tun und wirklich über alles reden. Man könnte sagen, dass ich mit ihm meine Sexualität (mich!) entdeckt habe. Paul ist fast zwei Jahre älter als ich, jetzt also neunzehn. Paul ist heterosexuell (gut aussehend, durchtrainiert und klug!) und wusste bis zuletzt nichts von meiner Neigung. Wir haben in den letzten zwei Jahren unserer Freundschaft ständig schwanzfixiertes Zeug geredet oder zum Beispiel Pornographie getauscht, bis wir eines Tages so weit waren, dass wir den legendären Schwanzvergleich wagten. An diesem Tag stellte sich heraus, dass Paul den Kürzeren gezogen hat und dass er an Phimose leidet. Zufälligerweise hatte ich vor ein paar Jahren — mit zwölf — das selbe Problem, also konnte ich Paul helfen, wie kein anderer. Wir machten einen Arzttermin aus, gingen gemeinsam hin und ließen uns untersuchen. Er wegen seiner Vorhautverengung, ich einfach so, damit er sich nicht alleine fühlt. Zu dem Zeitpunkt wussten Pauls Eltern nichts von der Erkrankung ihres Sohnes. Meine Eltern wussten erst Recht nichts, denn sie hätten mich abgemurkst. Doch irgendwann musste Paul seinen Eltern von seiner Behinderung erzählen, denn er musste schließlich beschnitten werden. Am Tag der OP war ich natürlich dabei und habe ihn unterstützt, wo ich nur konnte. Nach der OP bei ihm zu Hause habe ich Paul dort unten sogar eingecremt, weil er nicht wollte, dass seine Eltern ihn nackt sehen. Irgendwann merkte Paul, dass er untenrum starke Blutungen hatte, also sah ich genauer nach und musste feststellen, dass ein paar der Nähte geplatzt waren. Dummerweise hatte ich mich mit Blut befleckt. Pauls Pullermann wurde noch am selben Tag beim selben Arzt wieder zusammengenäht und er hatte seine Ruhe. Ich wurde nach der zweiten OP von Pauls Mutter heimgefahren, leider im leicht blutbefleckten Zustand. Meine Mutter wollte natürlich wissen, wo ich war und weshalb da Blut an meiner Kleidung klebte. Ich habe die Wahrheit gesagt und mir wurde verboten, jemals wieder etwas mit Paul zu unternehmen. Dass ich einem jungen Mann das Leben erleichtert habe — mit Phimose macht Onanie kaum Spaß! — ist natürlich unter den Tisch gefallen, unter dem meine Füße standen.

„Jetzt weiß ich, warum du immer so viel mit Paul unternommen hast! Er hat dich schwul gemacht, nicht wahr?“ — Das war 2007, eineinhalb Jahre nach der schmerzvollsten Prügelaktion meines Lebens.

Paul verstand natürlich nicht und nach und nach verlief sich unsere Freundschaft im Nirvana, denn er verstand einfach nicht, dass ich zu einer Familie gehöre, der ich ausweglos ausgeliefert bin, in welcher das Blut die Familie zusammenschweißt. Damals wusste Paul auch nichts von meiner Neigung. Ich hatte Angst, dass auch er mich deswegen im Stich lässt und habe still geschwiegen.
Jetzt, zwei Jahre nach dem Ende der Realschulzeit, haben wir kaum noch etwas am Hut. In den letzten Monaten habe ich ihn einige Male getroffen. Einmal in seinem Auto auf einem Berg (wir haben nur geredet und ich habe ihm unter anderem von meiner sexuellen Neigung und davon erzählt, wie sehr er mir als bester Freund fehlt) und zweimal auf je zwei verschiedenen Parties (auf der einen Party haben wir kaum geredet, auf der anderen dafür umso mehr).

Ich bin ein wenig enttäuscht, weil der Paul, den ich im Auto auf dem Berg traf, nicht dem Paul entsprach, welcher in meinen Erinnerungen fortlebte. Ich habe das Gefühl, dass er sich nicht wirklich weiterentwickelt hat. In Sachen Reife habe ich ihn überholt, dabei bin ich der Jüngere. Er war immer der Reifere von uns beiden und hatte immer einen Plan, einen Tipp, welcher auch weiterhelfen konnte. Diese Gabe hatte der Paul, den ich traf, leider nicht mehr. Er reagierte sehr schockiert über mein Outing, eben weil wir gemeinsam sehr viel, fast ausschließlich über sexuelle Themen sprachen und weil ich seine Intimsphäre kannte wie kein anderer. Während unseres letzten Treffens hat er mich eine kluge Sache gefragt, und zwar: „Bist oder warst du enttäuscht darüber, dass ich heterosexuell bin?“ Ich konnte ihm nicht gleich antworten, weil ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht habe, aber die Antwort ist irgendwie JA!, denn was hätte ich alles mit Paul machen und lernen können!? Es ist wirklich schade, aber so sieht’s nun einmal aus. Er konnte nicht verstehen, wie ich anders werden konnte und wie man das merkt und damit umgeht und so weiter. Insgesamt war sehr entsetzt, hat es aber verkraften können.

Dieser Blogeintrag von Roman Held — zwei junge Türken meines Alters, öffentlich und Hand in Hand vor den Eltern — hat mich wirklich sehr traurig gestimmt, denn ich weiß, dass es so etwas bei mir niemals geben wird, also ein Verbund aus Freund und Familie. Natürlich habe ich mich für die Beiden gefreut, vielleicht ist auch das der Grund für meine Traurigkeit gewesen. Allein schon die Vorstellung fand ich so schön, dass ich schwer leiden musste.
Klar ist, dass hoch21 an diesem Wintertag ein Wunder erlebt hat. Denn so etwas gibt es praktisch nie. Und falls doch, dann wahrscheinlich nur als Doppelleben.

Noch vor ein paar Monaten hatte ich Angst davor, eines Tages wie Ennis del Mar aus „Brokeback Mountain“ (Großartiger Film!) zu verenden. Ennis erfüllt sich nie den Traum, Frau und Kinder zu verlassen, um mit Jack Twist, den Mann, den er liebt, zusammen zu ziehen, weil er Angst vor den Folgen hat. Und so lebt er ein Leben vor sich hin, das trostlos und trist ist. Irgendwann stirbt Jack und Ennis‘ Lebenstraum bleibt für immer nur ein unerfüllter Traum.
Ich will nicht, dass mir dasselbe passiert. Ich interessiere mich immer mehr und mittlerweile fast ausschließlich für Männer. Ein Doppelleben führe ohnehin schon, hier im Internet. Ich kann mir nicht vorstellen, das weiterhin auch im RL zu tun. Wann werde ich mich outen und muss ich das überhaupt? Reicht ein seichtes Wegdämmern oder ist das nur eine weitere Lüge? Solche Gedanken ermüden mich und ich will nur noch schlafen und vergessen.

Ich wünsche mir aus ganzem Herzen, dass die Welt sich weiterdreht und nicht stehen bleibt und Menschen wie mir mehr Freiheit als auch Verständnis entgegenbringt. Aber wahrscheinlich wird das Jahrzehnte und Jahrhunderte dauern, bis sich spürbar etwas verändert… im meiner Zeit also nicht oder kaum.

Doch aktuell scheint alles nur besser zu werden. Der Frühling blüht langsam aber sicher auf und ich verspüre eine perverse Vorfreude auf den Sommer meines Lebens.

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Der erste Schnee.

26. November 2010

Wir sitzen am Esstisch, es ist Abend. Der Schnee fällt leise, draußen, wo der Wind still steht und das Weiß stellenweise orange leuchtet. Vor mir stehen unsere weißen, schlichten Teller, die meine Eltern zur Hochzeit bekommen haben, vor siebzehn oder achtzehn Jahren. Noch leer sind sie und ohne Suppe, ohne Salz. Die Luft im Hause ist viel zu warm und viel zu trocken, betäubend und gar bleiern schwer. Dreißig Grad sagt mein Vater und dreiunddreißig Grad kontert das kleine Display unter dem Lichtschalter.

Meine Mutter ist in der Küche, der Salat noch nicht fertig. Wir warten schweigsam; gleich ist sie da, gleich können wir anfangen! Mein Vater aber hat keine Geduld, steht auf und geht zum Sofa, nimmt die Zigarettenschachtel vom Tisch und zündet sich eine Kippe an.

Er zieht an ihr. Ich höre den Schnee knirschen und denke an Zähne.

Meine Mutter stellt eine große Schüssel Feldsalat auf den Esstisch. Sattes, frisches Grün stimuliert meine Augen und ein wohl-duftendes, würziges Dressing schleicht in meine Nase. Als ich tief einatme, um das Aroma aus der Luft zu schmecken — weil ich es endlich kann, dieses tief durch die Nase atmen! —, schlägt der beißende Smog der Zigarette meines Vaters hart in meinem Nasenrachen auf und reizt mich, tiefschürfend. Mein jüngst operiertes Riechorgan gibt sich beleidigt und macht sofort dicht im Schacht.

„Vater, was hatten wir miteinander ausgemacht, bevor ich in’s Krankenhaus gegangen bin?“

Er ignoriert mich und drückt provokativ auf die Fernbedienung, um den Fernseher ein- und mich auszuschalten.

„Du hattest mir versprochen, nicht in meiner Gegenwart und zwei Wochen lang nicht im Haus zu rauchen, erinnerst du dich?“

Er zappt durch die Kanäle, drückt wild auf der Fernbedienung herum, um mich ruhig zu stellen.

„Du hast es mir versprochen und hast es wieder einmal nicht eingehalten. … Hörst du mir überhaupt zu?!“

Er drückt auf Lauter, immer auf Lauter, damit ich endlich verstumme.

„Warum hältst du dich nie an deine Versprechen? Ich darf weder in die Kälte, noch darf ich Rauch einatmen, und das weißt du ganz genau!“

Er zieht an seiner Kippe, glühend, und atmet genervt aus.

„Kannst du nicht einmal an unsere Gesundheit denken? Musst du uns auch vergiften, nur weil dir deine eigene Gesundheit egal ist?“

Er wechselt noch einmal das Programm, in der Hoffnung, Ruhe zu finden.

„Ich wurde vor vier Tagen operiert. … Hörst du mich? … Erst vier Tage ist das her! Jetzt mach‘ endlich diese scheiß‘ Kippe aus oder geh‘ vor die Tür!“

Während ich mit einem ausgeklügelten Widerstandsmechanismus rede, schenkt meine Mutter den schlichten, weißen Tellern Suppe ein. Sie ist ebenfalls sichtlich aufgekratzt.

„Vater, so geht das nicht! Halt‘ dich doch mal an deine Versprechen…!“

Und mit einem Mal dreht sich mein Vater um und wirft mir entschlossen die Fernbedienung entgegen. Ich versuche auszuweichen, mich wegzudrehen — doch vergebens; die Fernbedienung schlägt mir mitten in’s Gesicht und fällt auf den Tisch, dann auf den Boden. Die Batterien rollen quer über das Parkett.

Meine Mutter kreischt.

Vom Schmerz und von der Situation, vom Geschehen überwältigt, beuge ich mich über die Suppe. Rinnsal-artig tropft das Blut aus meiner Nase direkt in die selbst gemachte Championcremesuppe hinein und setzt sich klar erkennbar als oberste, dominierende Flüssigkeitsschicht ab. Der Aufprall war so gewaltig, dass sich die in meiner Nase befindlichen Metallplättchen tief in’s Fleisch geschnitten haben. Ich weine augenblicklich.

Noch im selben Moment steht mein Vater wutentbrannt neben mir und sagt „Dein immer gleiches Geschwafel werde ich mir nicht länger anhören!“ und nimmt das gezackte Brotmesser in die Hand und rammt es mir mit einer väterlichen Wucht in den Bauch.

Friends on Facebook.

5. September 2010

Irgendwann letzte Woche habe ich auf Facebook „Blut“ zu meinen Interessen hinzugefügt. Daraufhin auf meiner Pinnwand:

Jes: Man fragt sich welche Interessen du mit „Blut“ genau vertrittst. Mir würden auf Anhieb zwei Dinge einfallen und die haben nichts mit Hämotoxinen zu tun.

Heartcore: Ich dachte da eher an Vampirismus oder Blutgeilheit. Neulich wurde ich Zeuge eines Kopfschusses. (Im Film, wo sonst?) Ich fand diesen Vorgang des Sich-Entleibens so berauschend schön, dass ich eine Art inneren Frieden, fast schon eine Art Befriedigung spürte. Es war so abartig!.. Blut ist mein Gemüse.

Jes: Es ist geradezu furios das diese Flüssigkeit uns am Leben erhält. Da ist es nur plausibel, wenn der Körper in sich zerfällt, um eine Art Euphorie zu verspüren. Er stirbt.

Heartcore: JA! Ich erwarte sehnlichst den Tag, an dem meine Adern von kochendem Blut durchströmt werden, nur um mich zu töten! Und dann, in einem stillen Moment, werden wir schweigen, ich und mein Körper. Mein Blut wird gefrieren, es wird sich festigen und für immer starr in meinen Adern schlafen, bis dass der Tod uns scheidet. Hach. :‘)

Jes: Dann werde ich dein Blut exilieren und verdiene mein Geld als Giftmischer. Vielleicht entdecke ich etwas besseres als dieses Fallschirmsprunggefühl.

Heartcore: Du darfst mein Blut aber nur zu ehrenhaften Taten verwenden! Es wäre eine Schande, würde ich verschandelt werden! Vielleicht erfindest du einen Virus, der die Menschheit von allem Leid dieser Welt befreien kann?! (Es soll die Menschen töten! Der Tod ist die einzig wirksame Erlösung.)

Jes: Dann brauche ich ein ganzes Filmteam, um den besten Film aller Zeiten drehen zu können!

Heartcore: Hmm. Aber wenn ich tot bin, kann ich „den besten Film aller Zeiten“ ja gar nicht sehen! Du Dummerchen. :'(

Jes: Wir kommen beide in die Hölle ;)

[Ehemalige türkisch-alevitische Klassenkameradin, mit der ich nie wirklich etwas zu tun hatte. Sie hasst mich, weil ich in ihren Augen kein „richtiger, würdiger Türke“ bin. Zudem haben wir uns seit mehr als einem Jahr nicht gesehen oder gesprochen.]: oh mein Gott, ich wusste ja dass du krank bist, aber des kann man schon garnicht mehr krank nennen. Es befriedigt dich zu sehen wie Menschen sterben, gehts dir eigentlich noch gut? Wegen solchen verstörten Menschen wie du kommt es zu Amokläufen und alles, ich glaub du weißt nichts mehr mit deinem Leben anzufangen du kannst dich auch einfach umbringen wenn du nicht mehr klar kommst, aber behalte solche wiederlichen und kranken Gedanken für dich, sowas muss nicht auf Facebook, ich hoffe du wirst wieder Gesund, für dich & deine Familie !

Heartcore: Ruhig bleiben! Das ist doch alles nicht ernst gemeint… Jes und ich, wir geben immer so Zeug von uns. Finde aber deine Reaktion auf diese relativ sinnfreie Konversation sehr hart und übertrieben. Das hier ist schwarzer Humor und du scheinst ihn nicht zu verstehen. Wird ein Krimibuchautor gleich zum Massenmörder, weil er detailliert Morde, Opfer und Mörder beschreibt? Was ist mit SAW, Braindead oder Hostel? Das sind alles Filme, in denen Blut und Gewalt im Vordergrund stehen. Und trotzdem wird so etwas produziert, in die Kinos gebracht und verkauft. Schon einmal Simpsons oder Happy Tree Friends gesehen? Außerdem ist Amoklauf scheiße. Das mit Winnenden ist an meinem Geburtstag passiert, falls du dich noch daran erinnern kannst. Mein Tag war von einem dunklen Schleier bedeckt, trist und grau. Ich habe an diesem Tag nicht gefeiert, weil mir das gegenüber den Opfern und Familien zu respektlos erschien. Und jedes verdammte Jahr wird das in den Nachrichten kommen. Es kotzt mich an. Ich hasse diesen Idioten! Also komm‘ mir bitte nicht so.

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Eine Antwort habe ich noch nicht erhalten. Bin aber gespannt! Sie wird ganz bestimmt die Moral- und/oder Ehrenkeulen oder so etwas in der Art auspacken, falls sie überhaupt antworten wird.

Der Satz „…behalte solche wiederlichen und kranken Gedanken für dich…“ hat mich ehrlich gesagt sehr verletzt. Das ist wieder so eine Sache, die mich kränkt. Was kann denn ich dafür, dass ich manche Sachen als belustigend empfinde?

„…ich hoffe du wirst wieder Gesund, für dich & deine Familie!“ — Ich habe nicht vor, „gesund“ zu werden.