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Mit Aug‘ und Ohr. (3/42)

16. August 2015

Vor fünf Jahren noch hörte ich viel Musik (Rock, Pop, Türkisch, Klassik) und ein paar Podcasts. Zeit dafür hatte ich genug, fuhr ich doch dreieinhalb Stunden am Tag zur Schule und wieder zurück. Am Wochenende las ich durchschnittlich zwei Stunden in Büchern (Romane, Fantasy, Science-Fiction) und in der Woche täglich am Abend meinen Feed-Reader (Technik, Design, Prosa- und Befindlichkeitsblogs, Erotik). Fernsehen schaute ich schon damals nicht mehr, Nachrichten waren mir egal und Zeitungen zu unhandlich.

Die Podcasts waren in dieser Zeit sehr techniklastig; sieben verschiedene waren es zu Spitzenzeiten, jeweils mehrere Stunden pro Folge. Trotz des hohen Zeitaufwandes konnte ich mithalten; vielleicht auch, weil ich sehr introvertiert war und lieber Zeit alleine verbrachte als mit Anderen (Freunde, Familie). Für Serien und Filme nahm ich mir kaum Zeit. Lesen von Büchern fiel mir schwer, das ging bis Ende des letzten Jahres so. Blogtexte waren ideal, da sie relativ kurz und episodenhaft sind; auch heute noch lese ich sie lieber. Außerdem waren sie eine Möglichkeit der Teilhabe am Leben von interessanten Personen, von denen einige zu meinen Freunden wurden.

Heute sieht es anders aus. Musik höre ich nur noch selten, und falls doch, nur nebenher zu anderen Tätigkeiten. Die Genres lauten nun Ambient, Klassik und Neo-Classic, damit kann ich prima lesen, lernen und duschen.

Die oben genannten Bücher-Genres lese ich kaum noch, mein Regal besteht mittlerweile zum Großteil aus Sachbüchern, denn scheinbar habe ich mich zu einem sonderbaren Schwamm entwickelt, der nur Wissen aufsaugen möchte.

Das zeigt sich auch anhand der Podcasts, die ich heute höre. Technik musste weichen und Platz für Gesellschaftspolitik und Tagesgeschehen machen. Meine neue große Liebe ist „hr2 – Der Tag“ des Hessischen Rundfunks, eine Hintergrundsendung zu jeweils einem Thema. Die Sendung behandelt nicht unbedingt tagesaktuelle Themen wie der Name vermuten lassen würde. Seit einer Woche zum Beispiel geht es um verschiedene Städte und Kulturen auf der ganzen Welt, ist das nicht herrlich?! Auch höre ich viel vom Deutschlandfunk (Politik, Hintergrund, Forschung, Umwelt und Verbraucher). Auf meinem Arbeitsweg oder beim Einkaufen ist das ideal, so spricht mich keiner an und ich kann mich im Nu weiterbilden. Außerdem habe ich mir angewöhnt, alles in doppelter Geschwindigkeit zu hören, das spart extrem viel Zeit! Das klappt erstaunlich gut, sobald man sich daran gewöhnt hat; ich brauchte eine Woche für 1,5x und dann zwei Wochen für die doppelte Geschwindigkeit. Der Nachteil ist, dass ich Menschen aus dem Alltag nur noch ungeduldig zuhören kann, wenn es in dem Gespräch um Informationsaustausch geht. Das trifft zum Glück nicht meine Freunde, die sprechen aber auch so schnell wie meine Podcasts. Und mit Freunden spricht man ja auch viel über Erlebnisse und Gefühle, da ist es etwas Anderes. Da achte ich auf Stimme, Gesichtsausdruck, Wortwahl. Bei Informationen ist mir das Drumherum nicht so wichtig.

Fernsehen schaue ich nach wie vor nicht, stattdessen hat sich mein Serienkonsum enorm gesteigert. Beim Kochen und Speisen läuft eigentlich immer etwas, ich kann gar nicht mehr ohne. Dass das ungesund ist, weil man sich nicht mehr auf das Schmecken und Genießen konzentriert, ist mir bewusst. Aber auch egal, weil ich fast nie Zeit habe, in Ruhe zu essen. Schlimm ist das… Filme schaue ich eigentlich gar keine mehr.

Zeitungen sind mir immer noch zu unhandlich und per se schon veraltet, wenn ich sie in der Hand halte. Tagesgeschehen beziehe ich eh per Audio. Im Feed-Reader tummeln sich nur noch Befindlichkeitsblogs und ein Design-Magazin. An dieser Stelle muss ich Frau Novemberregen sehr danken, dass sie viele der verstummten Blogs durch ihre Wetten reaktiviert hat. So auch meines.

Ich muss sagen, dass ich das Schreiben sehr vermisst habe. Gleichzeitig fällt es mir schwer über meine Gefühle zu schreiben wie früher, dabei gibt es viel zu erzählen. Aber da kommen wir in 42 Tagen bestimmt wieder hin.

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Zeitsprung.

21. März 2011

Ich lese die Texte deines alten Selbst und bewundere deine Aufschriften und Fragen, und kenne auf eine Frage sogar eine Antwort. Kurz denke ich darüber nach, deinem einstigen Ich einen Kommentar zu hinterlassen, doch dann ertappe ich mich dabei, mit einer Zeit in Kontakt treten zu wollen, in welcher es mich in meiner jetzigen Form nicht gab; ich war schlicht zu jung. Und vielleicht willst du jetzt gar nicht, dass ich einer älteren Version deines Wesens schreibe, und dich somit an alte Zeiten erinnere.

Und so stehe ich nun hier, deiner Vergangenheit gegenüber, und verspüre ein bitteres Gefühl, meinem Drang, dir schreiben zu wollen, nicht nachgehen zu können.

Vielleicht ist es besser so.
Vielleicht aber auch nicht.

Was denkst du?