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Nutzt die Gelegenheit! (10/42)

6. September 2015

Seit Freitagnachmittag bin ich zurück aus dem Bildungsurlaub. Es waren fünf wunderbare Tage und meine Erwartungen an ein gesellschaftspolitisches Seminar – sofern ich welche hatte – wurden mehr als nur erfüllt. Sicherlich haben die Teamer enorm dazu beigetragen – zwei sehr offene und schlaue Menschen, eine junge Frau und ein junger Mann, die voll und ganz auf unsere Bedürfnisse eingegangen und diese in das Seminar-Konzept eingeflochten haben.

Ich denke, dass auch die Gruppengröße eine wichtige Rolle inne hatte. Wir waren sechs Bildungsurlauber und zwei Teamer, insgesamt also acht Personen. Ursprünglich sollten wir zehn Personen sein, doch vier hatten abgesagt oder sind nicht erschienen. Die Teamer gaben uns sechs den Freiraum, den wir für unsere Vorstellungen und Phantasien brauchten. Wir waren sechs sehr interessierte und dabei so unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Schwerpunkten, dass wir uns in allen möglich Themen ergänzen und auch widersprechen konnten. Aufgrund der Gruppengröße arbeiteten wir beinahe immer zusammen und lernten uns so intensiver kennen, als ich es mir mit zehn Leuten vorstellen könnte.

Von neun bis achtzehn Uhr erhielten wir Input von den Teamern und abends in der Bar oder an einem Tisch im Freien befanden wir uns in einem geselligen Austausch über die Dinge, die uns im Leben auslaugen, die Quellen, aus denen wir Kraft und Freude schöpfen, über unsere Wünsche für die Zukunft, für uns selbst, über die Geflüchtetenthematik und das erbärmliche Aussitzen der Politik, über unsere Definitionen von einem guten Leben, von Glück und Zufriedenheit…

Ich für mich kann sagen, dass mein Horizont sich tatsächlich erweitert hat. Wann bitteschön hat man denn neben Alltag und Beruf wirklich die Zeit, sich eine Woche allein mit der Gesellschaft zu beschäftigen, in der wir leben? Ich bin sehr froh über diese Gelegenheit und kann jedem uneingeschränkt empfehlen, sein Recht auf Bildungsurlaub wahrzunehmen und sich gesellschaftspolitisch weiter zu bilden. Für nächstes Jahr habe ich mir das Folgeseminar schon im Kalender markiert und freue mich, die anderen fünf wieder zu sehen; wir haben uns gemeinsam für einen Termin entschieden.

Bildungsurlaub. (8/42)

30. August 2015

Ab morgen habe ich eine Woche Bildungsurlaub. Das Hessische Bildungsurlaubsgesetz ermöglicht es nämlich allen Arbeitnehmern sich fünf Arbeitstage im Jahr per bezahlter Freistellung durch den Arbeitgeber beruflich, politisch oder allgemein weiterzubilden; zusätzlich zum „normalen“ Urlaub. Hierbei ist nur wichtig, dass es sich um eine anerkannte Bildungsmaßnahme handelt, zum Beispiel von der Bundeszentrale für politische Bildung, und dass der Arbeitgeber spätestens sechs Wochen vor Beginn informiert wird, damit er den Bildungsurlaub entsprechend im Dienstplan hinterlegen oder sonst wie planen oder genehmigen kann. Und falls er ihn nicht genehmigt, kann man im Folgejahr sogar zehn Tage in Anspruch nehmen. Die Übertragung muss man wiederum auch beantragen, und die kann nicht abgelehnt werden. Mehr als zehn Tage im Jahr sind aber leider nicht möglich.

Ich fahre morgen in die Bildungszentrale der Gewerkschaft, in der ich in den letzten drei Jahren mehr als zehnmal aus beruflichen Gründen war. Zimmer und Verpflegung sind auch für den Bildungsurlaub inklusive, die Gewerkschaft übernimmt die ganzen Kosten.

Und jedes Mal ist es soso toll! Die beruflichen Inhalte werden dort von Ehrenamtlichen vermittelt und haben – und das ist nicht einfach so dahin gesagt – immer meinen Horizont erweitert, zumal sie ganz anders vermittelt werden als verwandte Themen damals in der Schule. Wer fand denn schon Unterricht in den Fächern Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft nicht ätzend und langweilig? Wir als Seminarteilnehmer haben dort immer gemeinsam und voneinander gelernt; ein Mix aus Arbeit mit den eigenen Erfahrungen, Input durch Zuhören, Lesen und Erleben, Diskussionen und Gruppenarbeiten. Das hat mir immer sehr gefallen und ich bin gespannt, wie es mit dem politischen Inhalt sein wird, der nichts mit meinem Beruf zu tun hat.

Und die Leute! Die beruflichen Sachen werden auch nur von Menschen belegt, die sich dafür interessieren, insofern war abends immer reger Austausch bis in die Nacht oder den frühen Morgen angesagt. Trotzdem waren alle pünktlich am Morgen zum Tagesbeginn anwesend, wenn auch die erste Stunde etwas träge vonstatten ging. Aber auch das war immer im Tagesplan berücksichtigt.

Das Seminar morgen handelt von Interesse, Macht und Zukunft und die Beschreibung lautet:

Alle, die langfristig in der Gesellschaft etwas ändern wollen, brauchen ein Basiswissen über die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen wir uns bewegen. Wir werden stärker, wenn wir unsere eigene Rolle erkennen und wissen, welche politischen Handlungsmöglichkeiten wir haben.


Für junge Menschen, die verstehen wollen, nach welchen Prinzipien unser Leben in Wirtschaft, Betrieb und Gesellschaft funktionieren. Eigene Lebensvorstellungen entwickeln, Möglichkeiten, Hindernisse und Grenzen kennen lernen. Berufschancen, Interessenskonflikte, wirtschaftliche Zusammenhänge und Abhängigkeiten entdecken und durchschauen. Die Grundzüge des Wirtschafts- und Sozialsystems kennenlernen. Lebens- und Berufschancen selbst in die Hand nehmen und dabei Unterstützung finden. Das und mehr hat dieses Seminar zu bieten!

Ich bin echt gespannt und freue mich sehr auf morgen. Mit dem Mittagessen geht es los und ich schwöre: Ich kenne kein Restaurant oder etwas in der Art, das so gute und vielfältige Speisen zu bieten hat. Ich liebe das Essen dort!.. und bekomme jetzt Hunger. Vielleicht esse ich noch ein paar Cashew-Kerne.