Mit blauem Auge davongekommen.

28. Juli 2019

Aus einem blauen Auge sah der Baum mich an, alt und blau wie der See, an dem er stand. Er sprach kein Wort, er konnte nicht sprechen, denn ein Mund war ihm nicht gegeben. Sein Auge drückte alles aus, vielmehr noch als mit Worten möglich, einen Mund brauchte er nicht. Ich stand lange vor dem Baum und habe ihn betrachtet. Er zeigte mir sein ganzes Leben auf, wie jung er am Anfang seiner Tage und Jahreszeiten war, wie er gebrochen wurde, was ihm alles zugestoßen war, was er alles gesehen hatte, wer alles an ihm vorübergezogen war, Narben hinterlassen hatte in seiner schützenden Rinde. Es wurde dunkler und dunkler um mich, bedrohlich schnell zogen Wolken auf, erst grau wie Asche, dann schwarz wie Pech. Der Wind wurde kräftiger und kühler, das Laub zitterte aus Furcht vor dem Sturm, schon tönte das erste Donnergrollen. In der schwarzen Dämmerung leuchtete nur noch das Auge mir entgegen, blau wie aus einem Zaubermärchen. Und plötzlich zwinkerte der Baum mir zu, so glaubte ich und spürte einen tiefen Schrecken, bis hinein in mein Rückenmark, ein schreckliches Aufleuchten in der dunkelsten Kammer meines Herzens. Ich lachte zweifelnd. Wie schön ich mich selbst getäuscht hatte. Das hatte ich doch, oder etwa nicht?

Nun schnell nach Hause!

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