Archive for Juli, 2019

Nationalpark.

30. Juli 2019

Ich war heute im Nationalpark Kellerwald, in einem sehr kleinen Bereich. Der Kellerwald ist gigantisch, ein wunderschöner Wald, eigentlich. Doch so vertrocknet, so viele tote Bäume, für meine Laienaugen schon offensichtlich krank, so viel Steppe. Dort gab es auch einen Tierpark. Dort werden Tiere gehalten, die vom Aussterben bedroht sind. Besonders die verschiedensten Vogelarten, Adler, Geier, Falken und ihre Unterarten, haben mich unglaublich traurig gemacht. Sie wurden in Käfigen gehalten, groß zwar, aber nicht zum Fliegen geeignet. Manche waren „im Freien“ und dennoch nicht frei, denn sie waren angekettet, sodass sie nicht wegfliegen konnten. Die Vögel in dem Tierpark wurden von Tierpflegern „Gassi“ geführt, mit so speziellen Handschuhen. Die ganze Zeit über haben die Vögel auf eine – für mich – herzzerreißende Art gekreischt. „Ich will frei sein, ich will fliegen!“ Begleitet von Menschen, Kindern, Schaulustigen. Ich hab den Trupp vorbeiziehen gesehen. Die Vögel habe ich noch eine ganze Zeit lang kreischen gehört, bis sie wieder eingesperrt worden sind. Wölfe, Füchse, Luchse; die habe ich nicht gesehen, die haben sich in der Hitze natürlich versteckt in ihren Höhlen oder hatten einfach keinen Bock auf Menschen.

Da ist mir klar geworden, dass der Mensch ein Monster ist. Er hat durch seine Produktionsweise die Lebensräume dieser Tiere zerstört, und macht das weiterhin, Hauptsache Profit und Geld, koste es, was es wolle, koste es das Leben. Das Leben derer, die gezwungen sind zu arbeiten, das Leben der Tiere und Pflanzen, der Natur, unserer wunderschönen Erde. Er zerstört die Lebensräume und hält sich dann ausgewählte Tiere in irgendwelchen Parks, Zoos. Damit man da durchgehen und sagen kann: „Ach, schau mal! Diese Tiere gibt es also in den Wäldern, in der Natur. Achnee, die gab es mal. Voll gut, dass sie hier noch am Leben erhalten werden. Voll schön!“ Er zerstört die Natur und nimmt den Tieren und Pflanzen die Freiheit. Ich hatte mich eigentlich gefreut, wieder im Kellerwald zu sein. Doch hat er mich heute so sehr traurig gemacht. Nicht der Wald an sich, nicht die Tiere, sondern was der Mensch aus ihnen gemacht hat.

Der Tierpark erfüllt eine wichtige Aufgabe, diese Tierarten am Leben zu halten. Doch zu welchem Zweck? Damit sich die Generationen nach uns diese Tiere anschauen können, die es so gar nicht mehr gibt, in der „wirklichen“ Welt? Wenn sie die Tiere freilassen, dann werden diese sterben. Weil sie nirgends mehr leben können.

Neulich habe ich ein Bild von der Erdkugel gesehen, aus dem Weltall aufgenommen, und darunter stand: „Aus Planetensicht gibt es nur ein einziges ökologisches Problem: Uns.“ – Wünschen wir ihm, dass er bald drüber weg kommt.

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Mit blauem Auge davongekommen.

28. Juli 2019

Aus einem blauen Auge sah der Baum mich an, alt und blau wie der See, an dem er stand. Er sprach kein Wort, er konnte nicht sprechen, denn ein Mund war ihm nicht gegeben. Sein Auge drückte alles aus, vielmehr noch als mit Worten möglich, einen Mund brauchte er nicht. Ich stand lange vor dem Baum und habe ihn betrachtet. Er zeigte mir sein ganzes Leben auf, wie jung er am Anfang seiner Tage und Jahreszeiten war, wie er gebrochen wurde, was ihm alles zugestoßen war, was er alles gesehen hatte, wer alles an ihm vorübergezogen war, Narben hinterlassen hatte in seiner schützenden Rinde. Es wurde dunkler und dunkler um mich, bedrohlich schnell zogen Wolken auf, erst grau wie Asche, dann schwarz wie Pech. Der Wind wurde kräftiger und kühler, das Laub zitterte aus Furcht vor dem Sturm, schon tönte das erste Donnergrollen. In der schwarzen Dämmerung leuchtete nur noch das Auge mir entgegen, blau wie aus einem Zaubermärchen. Und plötzlich zwinkerte der Baum mir zu, so glaubte ich und spürte einen tiefen Schrecken, bis hinein in mein Rückenmark, ein schreckliches Aufleuchten in der dunkelsten Kammer meines Herzens. Ich lachte zweifelnd. Wie schön ich mich selbst getäuscht hatte. Das hatte ich doch, oder etwa nicht?

Nun schnell nach Hause!

Träumer.

24. Juli 2019

Ich saß heute lange am Fenster und habe auf die Straße geschaut, es war schon Nacht. Ich saß im Dunkeln, von der Straße aus gesehen wohl nur ein Schatten hinter Glas. Viele Menschen habe ich gesehen, wie sie lachten, wie sie grimmig aussahen und auch weinten, wie sie allein waren oder zu zweit, in Grüppchen, als Freunde, Familien. Ich sah sie sich umarmen, sich streiten, sah sie sich gegenseitig ärgern, sah sie betrunken, sah sie einsam. Ich sah sie sich lieben, sich halten. All das hat eine große Sehnsucht in mir entfacht. Eine Leere, die ich nicht aufgefüllt bekomme. Und nun kommt der Schlaf nicht zu mir. Er sagt, der Träumer am Fenster braucht keinen Schlaf, er träumt ja schon sehenden Auges.