Archive for August, 2017

Resturlaub. (26/42)

11. August 2017

Heute habe ich an der Arbeit offiziell verkündet, dass ich am Montag meine Kündigung einreichen werde. Mein Arbeitgeber wusste bereits, dass ich ab Oktober an die Universität gehe, allerdings war lange Zeit nicht klar – auch mir selbst nicht –, ob ich komplett aufhöre oder in Teilzeit bleibe. Nun, heute dann habe ich mich entschieden, nachdem ich nach langer Wartezeit endlich erfahren habe, wie es mit meinem Stipendium aussieht.

Wenn jemand seinen Arbeitsplatz kündigt (oder wenn ihm gekündigt wird), dann stellt sich natürlich immer die Frage nach dem Resturlaub. Da es sicherlich viele Menschen gibt, die sich diese Frage stellen, möchte ich eine der gängigen Antwortmöglichkeiten hier aufschreiben.

Von den 25 Urlaubstagen, die vertraglich zwischen meinem Arbeitgeber und mir vereinbart sind, habe ich bereits 18 Tage in Anspruch genommen. Nun möchte ich Anfang September nach neun Jahren wieder Urlaub mit der Familie machen. Am 1. September beginnt das Opferfest, und die gesamte Familie und Verwandtschaft wird sich im Dorf in der Türkei treffen, um dieses zu feiern (vergleichbar mit Weihnachten). Deshalb habe ich mit meinem Chef den restlichen Urlaub besprochen – ging alles klar für ihn – und habe den Urlaubsantrag in die Verwaltung gebracht.

Die Kollegin in der Verwaltung, zu der ich ein gutes Verhältnis habe, teilte mir allerdings mit, dass ich eigentlich keinen Anspruch auf den vollen Urlaub hätte, sondern nur auf 19 Tage. Sie rechnete 25 Urlaubstage geteilt durch 12 Monate eines Jahres mal 9 Monate Erwerbstätigkeit. Nun bin ich ja ein Fuchs; ich kenne meine Rechte ganz genau. Ich erzählte ihr, weshalb ich davon ausgehe, dass ich Anspruch auf den gesamten Urlaub habe. Sie nahm die Info mit und besprach diese mit dem Geschäftsführer. Anschließend sollte ich mal beim Geschäftsführer vorbeischauen.

Die Fakten
Ich arbeite in einem Unternehmen, in dem es keinen Betriebsrat gibt und in dem kein Tarifvertrag Anwendung findet. In meinem Arbeitsvertrag sind 25 Tage Urlaub vereinbart, das heißt: 20 Tage gesetzlicher Erholungsurlaub und 5 Tage freiwilliger Zusatzurlaub vom Arbeitgeber. Ich kündige in der zweiten Jahreshälfte, bin länger als sechs Monate im Betrieb (1,5 Jahre) und war am ersten Tag diesen Jahres angestellt. Daher ist die Teilurlaubsregelung nach dem BUrlG in meinem Fall nicht anzuwenden:

§ 5 Teilurlaub BUrlG

(1)

Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses hat der Arbeitnehmer

a)

für Zeiten eines Kalenderjahrs, für die er wegen Nichterfüllung der Wartezeit in diesem Kalenderjahr keinen vollen Urlaubsanspruch erwirbt;

b)

wenn er vor erfüllter Wartezeit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet;

c)

wenn er nach erfüllter Wartezeit in der ersten Hälfte eines Kalenderjahrs aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet.

(2)

Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, sind auf volle Urlaubstage aufzurunden.

(3)

Hat der Arbeitnehmer im Falle des Absatzes 1 Buchstabe c bereits Urlaub über den ihm zustehenden Umfang hinaus erhalten, so kann das dafür gezahlte Urlaubsentgelt nicht zurückgefordert werden.

Das Gesetz lässt an dieser Stelle die Frage offen, was denn ist, wenn jemand in der zweiten Jahreshälfte ordentlich und fristgerecht kündigt (oder ihm gekündigt wird). Zur Klärung dieser Frage wurden schon viele Arbeitsgerichte bemüht. Der Großteil der aktuellen Urteile beantwortet die Frage so:

Kündigt ein Arbeitnehmer nach der Probezeit und in der zweiten Jahreshälfte (also nach dem 30.06.) des laufenden Jahres und ist er länger als sechs Monate und am 01.01. des Jahres, in dem er kündigt, angestellt gewesen, so steht ihm der gesamte gesetzliche Erholungsurlaub zu. Das heißt 20 Tage Erholungsurlaub bei einer 5-Tage-Woche und 25 Tage Erholungsurlaub bei einer 6-Tage-Woche. Darüber hinaus steht ihm der gesamte freiwillige Zusatzurlaub zu, wenn dies vertraglich geregelt ist, zum Beispiel im Arbeits- oder Tarifvertrag.

Tarifvertraglich ist nichts geregelt. Mein Arbeitsvertrag enthält folgenden Satz zur Resturlaubsfrage: „Im Ein- und Austrittsjahr beträgt der Urlaub 1/12 für jeden vollen Monat, in dem der Mitarbeiter mindestens zehn Tage gearbeitet hat.“ Solch eine Regelung wird im rechtlichen Jargon auch „pro rata temporis“ oder umgangssprachlich „Zwölftelregelung“ genannt.

Das bedeutet: In jedem Fall stehen mir die 20 Tage gesetzlicher Erholungsurlaub zu. Aufgrund der Zwölftelregelung kommen zu den 20 Tagen noch 5 Tage freiwilliger Zusatzurlaub geteilt durch 12 Monate eines Jahres mal 9 Monate Erwerbsarbeit hinzu. Dadurch ergibt sich ein Urlaubsanspruch in Höhe von 23,75 Tagen. Da halbe Tage nach § 5 (2) BUrlG aufgerundet werden, habe ich am Ende 24 Tage Urlaubsanspruch, wenn mein letzter Arbeitstag der 30.09. ist.

Dies habe ich dem Geschäftsführer genau so erklärt und er fand es nachvollziehbar. Nach einem Telefonat mit dem Lohnbüro bestätigte er meine Annahme: „Naja, auf jeden Fall ist es besser für das Unternehmen, wenn ich es nicht mit einem Gewerkschafter wie Ihnen aufnehme!“ Hehe.

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Flughafen. (25/42)

5. August 2017

Am schlimmsten sind diejenigen Träume, die ich nicht unbedingt als Albtraum bezeichnen würde. Träume, deren inhaltliches Geschehen dem Grunde nach nicht zu einem Albtraum passen; also in denen nichts „Schlechtes“ geschieht, die aber dennoch so stark stresserfüllt sind, dass man sie einfach nur durchleidet, bis man total gerädert aus ihnen erwacht – endlich!

Heute Nacht musste ich zu einer fixen Zeit (19:22 Uhr) an einem Flughafen sein, um einchecken zu können. Wohin genau die Reise gehen sollte weiß ich nicht mehr. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich zuvor mit Kollegen aus Wien telefoniert habe und wir uns in Norwegen (?) treffen wollten.

Nun sind aber Träume so ein Gebilde aus Abertausenden einzelnen Fragmenten; in diesem Traum zumindest blieb ich überall hängen, weil plötzlich etwas anderes relevant war, weil ich von irgendwem angesprochen wurde oder irgendetwas zu erledigen hatte. Ich musste eine Ewigkeit mit jemandem telefonieren, der etwas von mir brauchte. (War es Zuspruch? Ich weiß es nicht mehr.) Dabei saß mir die Zeit im Nacken, es war schon fast Abend. Ich packte nebenbei meinen Koffer, leider war noch all die Wäsche, die ich mitnehmen wollte, auf dem Dachboden zum Trocknen; die Wäsche war noch ganz klamm, weil es die letzten Tage ununterbrochen geregnet hatte, also musste ich einige Sache fönen. Dann ging ich aus dem Haus, es regnete wie aus Strömen und der Himmel glich schwarzem Marmor. Das bestellte Taxi kam einfach nicht, ich fragte meinen Freund, ob er mich zum Flughafen fahren konnte. Leider hatte seine Mutter das Auto mitgenommen, also konnte er nicht. Das Taxi kam dann doch noch an. Der Fahrer allerdings musste die ganze Zeit mit mir quatschen, er fuhr so langsam er konnte und an den Ampeln kurbelte er sein Fenster herunter, um entweder mit anderen Taxi-Fahrern zu schwatzen oder irgendwelche Frauen zu belästigen. Die Fahrt in diesem Taxi war die Hölle für mich. Die Zeit wurde immer knapper. Plötzlich waren wir weit aus der Stadt heraus gefahren, doch konnten wir nicht über eine Brücke fahren. Diese war wegen Regen nur für Fußgänger zugänglich, also musste ich wohl oder übel mit meinem Rollkoffer durch den Regen über die Brücke. (Habe ich das Taxi bezahlt? Ich hoffe nicht!) Auf der anderen Seite angekommen wollte ich ein weiteres Taxi rufen, doch gab es dort kein Netz. Die Menschen, die ich ansprach, konnten mir auch nicht weiterhelfen. Ich war so verzweifelt, dass ich mich auf den nassen Asphalt legte; vollkommen durchnässt war ich sowieso schon. Ob sie mich in diesem Zustand überhaupt in das Flugzeug lassen würden? Es war sowieso schon 19:11 Uhr, wie sollte ich es jemals pünktlich schaffen? Zu meinem Glück fuhr dann ein leeres Taxi an mir vorbei, dem ich noch erfolgreich zuwinken konnte. Dieser Taxi-Fahrer wusste ganz genau, was ich wollte, und gab Vollgas. Nun hatte ich nicht nur Angst, den Flug zu verpassen, ich hatte zusätzlich noch eine Art Todesangst, weil ich von der Geschwindigkeit so stark in den Sitz gedrückt wurde, dass ich beinahe vollkommen darin verschwand. Und wie sollte es anders sein, wurden wir von einer Polizei-Streife angehalten wegen zu schnellen Fahrens. Jetzt war ich am Ende meiner Geduld, ich konnte meiner Verzweiflung nicht mehr standhalten.

Ich hatte die ganze Zeit unendlichen Stress in diesem Traum. Scheinbar so arg, dass ich aus Verzweiflung aufgewacht bin: Mein Körper hat die Notbremse gezogen und mich mit einem Krampf in der Schulter aus dem Schlaf gerissen. Vielen Dank und Aua!

Warum all das? Dabei hätte ich so schön ausschlafen können.

(Ich glaube, ich weiß warum: Ich warte seit Wochen auf einen Brief, doch er kommt einfach nicht. „Der Vorgang ist in Bearbeitung.“ Seit zwei Monaten schon!)