Bildungsurlaub. (8/42)

30. August 2015

Ab morgen habe ich eine Woche Bildungsurlaub. Das Hessische Bildungsurlaubsgesetz ermöglicht es nämlich allen Arbeitnehmern sich fünf Arbeitstage im Jahr per bezahlter Freistellung durch den Arbeitgeber beruflich, politisch oder allgemein weiterzubilden; zusätzlich zum „normalen“ Urlaub. Hierbei ist nur wichtig, dass es sich um eine anerkannte Bildungsmaßnahme handelt, zum Beispiel von der Bundeszentrale für politische Bildung, und dass der Arbeitgeber spätestens sechs Wochen vor Beginn informiert wird, damit er den Bildungsurlaub entsprechend im Dienstplan hinterlegen oder sonst wie planen oder genehmigen kann. Und falls er ihn nicht genehmigt, kann man im Folgejahr sogar zehn Tage in Anspruch nehmen. Die Übertragung muss man wiederum auch beantragen, und die kann nicht abgelehnt werden. Mehr als zehn Tage im Jahr sind aber leider nicht möglich.

Ich fahre morgen in die Bildungszentrale der Gewerkschaft, in der ich in den letzten drei Jahren mehr als zehnmal aus beruflichen Gründen war. Zimmer und Verpflegung sind auch für den Bildungsurlaub inklusive, die Gewerkschaft übernimmt die ganzen Kosten.

Und jedes Mal ist es soso toll! Die beruflichen Inhalte werden dort von Ehrenamtlichen vermittelt und haben – und das ist nicht einfach so dahin gesagt – immer meinen Horizont erweitert, zumal sie ganz anders vermittelt werden als verwandte Themen damals in der Schule. Wer fand denn schon Unterricht in den Fächern Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft nicht ätzend und langweilig? Wir als Seminarteilnehmer haben dort immer gemeinsam und voneinander gelernt; ein Mix aus Arbeit mit den eigenen Erfahrungen, Input durch Zuhören, Lesen und Erleben, Diskussionen und Gruppenarbeiten. Das hat mir immer sehr gefallen und ich bin gespannt, wie es mit dem politischen Inhalt sein wird, der nichts mit meinem Beruf zu tun hat.

Und die Leute! Die beruflichen Sachen werden auch nur von Menschen belegt, die sich dafür interessieren, insofern war abends immer reger Austausch bis in die Nacht oder den frühen Morgen angesagt. Trotzdem waren alle pünktlich am Morgen zum Tagesbeginn anwesend, wenn auch die erste Stunde etwas träge vonstatten ging. Aber auch das war immer im Tagesplan berücksichtigt.

Das Seminar morgen handelt von Interesse, Macht und Zukunft und die Beschreibung lautet:

Alle, die langfristig in der Gesellschaft etwas ändern wollen, brauchen ein Basiswissen über die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen wir uns bewegen. Wir werden stärker, wenn wir unsere eigene Rolle erkennen und wissen, welche politischen Handlungsmöglichkeiten wir haben.


Für junge Menschen, die verstehen wollen, nach welchen Prinzipien unser Leben in Wirtschaft, Betrieb und Gesellschaft funktionieren. Eigene Lebensvorstellungen entwickeln, Möglichkeiten, Hindernisse und Grenzen kennen lernen. Berufschancen, Interessenskonflikte, wirtschaftliche Zusammenhänge und Abhängigkeiten entdecken und durchschauen. Die Grundzüge des Wirtschafts- und Sozialsystems kennenlernen. Lebens- und Berufschancen selbst in die Hand nehmen und dabei Unterstützung finden. Das und mehr hat dieses Seminar zu bieten!

Ich bin echt gespannt und freue mich sehr auf morgen. Mit dem Mittagessen geht es los und ich schwöre: Ich kenne kein Restaurant oder etwas in der Art, das so gute und vielfältige Speisen zu bieten hat. Ich liebe das Essen dort!.. und bekomme jetzt Hunger. Vielleicht esse ich noch ein paar Cashew-Kerne.

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3 Antworten to “Bildungsurlaub. (8/42)”

  1. Anhora Says:

    Von so einer Initiative hab ich noch nie gehört. Das täte mal all jenen gut, die derzeit ihren rechts angehauchten geistigen Dünnschiss von sich geben. Schade, dass es das nicht deutschlandweit gibt. Viel Spaß bei deinem Seminar! :-)


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