Archive for August, 2015

Rückblick. (9/42)

31. August 2015

Neulich habe ich einen Text wieder entdeckt, den ich am Vortag meines 18. Geburtstages geschrieben haben muss. Den letzten Absatz davon habe ich damals veröffentlicht, alles davor muss ich wohl als Entwurf gespeichert haben. Weil ich sehr müde bin und morgen recht früh aufstehen muss, aber die Wette nicht verlieren möchte, werde ich ihn jetzt verbloggen. So ist der Entwurf keiner mehr und muss nicht mehr ein trauriges Dasein im Entwürfe-Ordner fristen. Beim Lesen dachte gerade, dass sich mein Schreibstil sehr geändert hat. Ich schreibe sachlicher und bei Weitem nicht mehr so emotional wie früher. Es ist interessant zu sehen, wie sich das Leben verändert und weiter entwickelt. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben und weiter für mich gekämpft, und rückblickend habe ich mein Ziel von damals erreicht. Und mit diesem Gedanken lege ich mich nun schlafen und stelle mir vor, wie ich meinem vergangenem Ich von der Zukunft berichte.

In weniger als einer Stunde erlischt mein altes Leben, doch an dieser Tatsache kann ich mich nicht erfreuen. Nein, diese Begebenheit macht mich traurig und färbt mein Empfinden in ein tiefes, verschwommenes Schwarz, welches sich nicht vom Schwarz des Himmels unterscheidet, welchen ich sehen kann, wenn ich durch das unreine Glas des Fensters meiner Wohnhaft nach Draußen blicke.
So wie der Himmel, so ist auch meine Traurigkeit: unendlich. Ich fühle mich gefangen, still und fortwährend erdrückt, als wäre ich geboren worden, um erdrückt zu werden von allem, was meine Welt ausmacht; als wäre dies meine Bestimmung, mein Schicksal. Alles fesselt und nichts hält mich. Diese stille Seelenqual, diese tief in meinen Knochen ruhende Niedergeschlagenheit, sie ist erschreckend wie der Tod für mich.

Der Regen schlägt sanft an mein Fenster, doch ich bin gebannt von der Stille in mir, welche mich an die Option des Todes nachdenken lässt, und so kann ich dem Regen keine Aufmerksamkeit schenken, obwohl dieser sie reichlich verdient hätte. Wäre es nicht tragisch und bezeichnend, würde ich jetzt, wenige Stunden vor meinem achtzehnten Lebensjahr, wie das Grollen eines Donners innerlich zerbersten und aus dem Fenster fallen, hart auf dem nassen Asphalt aufschlagen und eines blutigen Todes sterben? Was würde mein Vater fühlen?

Und noch während ich den Gedanken meines augenblicklichen Todes kunstvoll ausmale, steigt in mir der Zorn meines Lebens empor und flutet mein Vorstellungsvermögen mit Bildern, Emotionen und Erinnerungen, welche nur das Leben in meinem Kopf betreffen. Wahrlich lebe ich, doch wirklich lebe ich nur in meinem Kopf, in meinen Gedanken und Gedankengängen, in meinen Texten und Tweets und Direct Messages. Worte waren und sind meine einzige Wahrheit.

Ich bin traurig, weil mir wieder einmal bewusst wurde, dass alles, was mir Freude bereitet, mir Kraft gibt und mich des Lebens ermutigt, größtenteils nicht wirklich ist. Meine Wirklichkeit in mir ist nicht meine Realität, obwohl sie das sein könnte, wäre ich nicht an dieses Leben gefesselt, welches mich mit der Angst vor dem Tod durch die vermeintlich verloren gegangene Ehre meiner Familie schmerzt. Noch ist es nicht passiert, doch allein der Gedanke daran, dass es passieren könnte, fügt mir himmelweite Schmerzen zu. Ich ertrage den Gedanken nicht, vor meinem Ist-Leben flüchten zu müssen, damit ich mein Kann-Leben leben kann.

Tränen besiedeln schlagartig meine Augen, wenn ich an jene denke, die mir wirklich nahe stehen. Und diese Nächsten… auch sie existieren fast ausschließlich in meiner Gedankenwelt, obwohl sie echt und wahr und wirklich sind, obwohl auch in ihnen ein Herz unaufhörlich gewaltige Mengen roten Blutes durch ihre Menschenkörper pumpt. Es gibt diese Helden wirklich und ich habe einige von ihnen schon getroffen und verehre sie in wahrsten Sinne des Wortes. Sie geben meinem Leben — mit „meinem Leben“ meine ich das Leben, welches ich in mir fühle —, so viel Anmut und Erlesenheit, wie es mein „reales Leben“ niemals können wird, solange es mein altes, reales Leben bleibt.
Es schmerzt mich, dass ich gefangen bin in der dusteren Realität meines Lebens, dass ich die Wirklichkeit in meinem Kopf (noch) nicht zu meiner Realität machen kann.

Mein Leben besteht hauptsächlich daraus, mir ein Leben mit den vielen großartigen Menschen und Figuren auszumalen, das ich haben könnte. Als wäre es meine Pflicht, von besseren Zeiten zu träumen, fühle ich mich schlecht und schuldig, wenn ich das mal nicht tue, wenn ich nicht in’s Internet schreibe, mich nicht über meine Helden und Freunde informiere und auch nicht mit ihnen kommuniziere. Es ist eine Art Zwang für mich, zu träumen. (Ich träume fast ausschließlich von und über meine Fantastic Friends.) Doch, das muss auch gesagt werden, es ist der schönste Zwang, den ich kenne.

Der Himmel scheint unendlich, genau wie meine Traurigkeit, doch ebenso unendlich scheint auch meine Zuversicht, dass alles besser, meine Wirklichkeit zu meiner Realität wird und ich am Ende glücklich sein werde.

Geburtstage waren mir nie wichtig, doch dieser, der achtzehnte, ist es irgendwie doch, denn ich komme meinem Ziel, in naher Zukunft glücklich zu sein, einen nicht kleinen Schritt näher.

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Bildungsurlaub. (8/42)

30. August 2015

Ab morgen habe ich eine Woche Bildungsurlaub. Das Hessische Bildungsurlaubsgesetz ermöglicht es nämlich allen Arbeitnehmern sich fünf Arbeitstage im Jahr per bezahlter Freistellung durch den Arbeitgeber beruflich, politisch oder allgemein weiterzubilden; zusätzlich zum „normalen“ Urlaub. Hierbei ist nur wichtig, dass es sich um eine anerkannte Bildungsmaßnahme handelt, zum Beispiel von der Bundeszentrale für politische Bildung, und dass der Arbeitgeber spätestens sechs Wochen vor Beginn informiert wird, damit er den Bildungsurlaub entsprechend im Dienstplan hinterlegen oder sonst wie planen oder genehmigen kann. Und falls er ihn nicht genehmigt, kann man im Folgejahr sogar zehn Tage in Anspruch nehmen. Die Übertragung muss man wiederum auch beantragen, und die kann nicht abgelehnt werden. Mehr als zehn Tage im Jahr sind aber leider nicht möglich.

Ich fahre morgen in die Bildungszentrale der Gewerkschaft, in der ich in den letzten drei Jahren mehr als zehnmal aus beruflichen Gründen war. Zimmer und Verpflegung sind auch für den Bildungsurlaub inklusive, die Gewerkschaft übernimmt die ganzen Kosten.

Und jedes Mal ist es soso toll! Die beruflichen Inhalte werden dort von Ehrenamtlichen vermittelt und haben – und das ist nicht einfach so dahin gesagt – immer meinen Horizont erweitert, zumal sie ganz anders vermittelt werden als verwandte Themen damals in der Schule. Wer fand denn schon Unterricht in den Fächern Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft nicht ätzend und langweilig? Wir als Seminarteilnehmer haben dort immer gemeinsam und voneinander gelernt; ein Mix aus Arbeit mit den eigenen Erfahrungen, Input durch Zuhören, Lesen und Erleben, Diskussionen und Gruppenarbeiten. Das hat mir immer sehr gefallen und ich bin gespannt, wie es mit dem politischen Inhalt sein wird, der nichts mit meinem Beruf zu tun hat.

Und die Leute! Die beruflichen Sachen werden auch nur von Menschen belegt, die sich dafür interessieren, insofern war abends immer reger Austausch bis in die Nacht oder den frühen Morgen angesagt. Trotzdem waren alle pünktlich am Morgen zum Tagesbeginn anwesend, wenn auch die erste Stunde etwas träge vonstatten ging. Aber auch das war immer im Tagesplan berücksichtigt.

Das Seminar morgen handelt von Interesse, Macht und Zukunft und die Beschreibung lautet:

Alle, die langfristig in der Gesellschaft etwas ändern wollen, brauchen ein Basiswissen über die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen wir uns bewegen. Wir werden stärker, wenn wir unsere eigene Rolle erkennen und wissen, welche politischen Handlungsmöglichkeiten wir haben.


Für junge Menschen, die verstehen wollen, nach welchen Prinzipien unser Leben in Wirtschaft, Betrieb und Gesellschaft funktionieren. Eigene Lebensvorstellungen entwickeln, Möglichkeiten, Hindernisse und Grenzen kennen lernen. Berufschancen, Interessenskonflikte, wirtschaftliche Zusammenhänge und Abhängigkeiten entdecken und durchschauen. Die Grundzüge des Wirtschafts- und Sozialsystems kennenlernen. Lebens- und Berufschancen selbst in die Hand nehmen und dabei Unterstützung finden. Das und mehr hat dieses Seminar zu bieten!

Ich bin echt gespannt und freue mich sehr auf morgen. Mit dem Mittagessen geht es los und ich schwöre: Ich kenne kein Restaurant oder etwas in der Art, das so gute und vielfältige Speisen zu bieten hat. Ich liebe das Essen dort!.. und bekomme jetzt Hunger. Vielleicht esse ich noch ein paar Cashew-Kerne.

Frankenberg. (7/42)

30. August 2015

Am Mittwoch haben wir einen Tagesausflug nach Frankenberg an der Eder gemacht. Wir wollten eine historische Altstadt besichtigen und das Städtchen wurde uns von einem Freund empfohlen.

Wir parkten am Friedhof und liefen etwa fünf Minuten in die Altstadt, bestehend aus vielen bunten und prächtigen Fachwerkhäusern. Wir suchten das Info-Häuschen auf und nahmen einen kostenlosen Stadtführer sowie diverse andere Heftchen über Reise-Tipps in Nordhessen mit. Von der Dame dort wurde uns noch das Thonet Museum empfohlen, dazu gleich mehr. Als Erstes sahen wir uns das Rathaus an: Ein Fachwerkbau im gotischen Stile mit 10 kleinen Türmchen. Man kann es betreten und befindet sich dann in einer unspektakulären, leeren Halle. Interessant ist vielmehr das Äußere. Ich fühlte mich beim Anblick wie in einem Märchen, so hübsch sah das aus. Leider hatten wir das Glockenspiel um 11:45 Uhr verpasst, und das zweite um 15:45 Uhr haben wir vollkommen vergessen.

Wir schlenderten weiter durch die Fachwerk-Einkaufsstraße, aufgefallen sind mir ziemlich viele „zu vermieten“-Schilder in den Schaufenstern. In der Yelp-App wurde das Indian King gepriesen, also aßen wir indisch und wurden nicht enttäuscht. Dort tranken wir auch je ein Glas Mongo-Lassi, bestehend aus Buttermilch und Mango-Pulp. Das war furchtbar lecker! (Leider war unser Versuch, das Getränk zu Hause nach zu machen nicht so gelungen. Falls Sie also einen Tipp haben, gerne in die Kommentare schreiben.) Gestärkt machten wir uns dann auf zum Thonet-Museum. Mir sagte der Hersteller erst einmal nichts, bis ich die Stühle sah. Auf zwei Etagen konnte man sich einmal zur Geschichte informieren und einmal zu den aktuellen Möbeln. Im geschichtlichen Bereich stehen überfall die berühmten Thonet-Stühle in tausend Formen und Farben herum und an den Wänden hingen vieleviele Bilder, auf denen Thonet-Stühle zu sehen waren: Pablo Picasso, Marilyn Monroe, der König, der Kaiser und so weiter. Viele prominente Menschen, die auf Stühlen sitzen, sich dran lehnen etc. Vielleicht kannte ich die Stühle auch von solch einem Bild, das ich irgendwo mal gesehen habe; in meinem Umfeld habe ich diese Stühle noch nie gesehen. Einen Blick ist das Museum jedenfalls wert, zumal der Eintritt kostenlos ist.

Sodann gingen wir zum Kloster St. Georgenberg, in dem die Stadtverwaltung und ein Heimatmuseum beheimatet sind. Im Museum wurden wir von einem sehr redseligen alten Herren geführt; ich zumindest konnte mich gar nicht auf die einzelnen Objekte konzentrieren. Wenn mich etwas interessiert, lese ich darüber nach. Bei der Informationsflut aber wollte ich nur fliehen. Nach einer Stunde etwa konnten wir uns endlich losreißen. In Sichtweite lag der Burgberg, also gingen wir dort hoch. Nach gefühlt tausend Stufen erreichten wir die Burgruinen und saßen ein paar Minuten auf einer Bank, um uns auszuruhen. Stephan las aus dem Stadtführer vor, während der Wind nur so durch die Haare zauste, und ich sah in die Ferne, in die Landschaft und freute mich schon an die Mufflons, die wir später noch besuchen wollten.

Neben den Ruinen ragte die Liebfrauenkirche (evangelisch) in den Himmel empor. Wir sahen uns darin um, während jemand Orgel übte. Das Gewölbe war wunderschön mit floralen Mustern geschmückt und im Licht der untergehenden Sonne erstrahlten die Bleiglasfenster. Wer sich gerne Kirchen anschaut, dem sei die Liebfrauenkirche empfohlen.

Zum Abschluss setzten wir uns in einen Biergarten vor das Rathaus – wobei Biergarten falsch ist, mir fällt das passende Wort gerade nicht ein – und schrieben Postkarten. Zwei davon gingen an die Freunde, mit denen wir über mögliche Ausflugsziele sprachen. Für beide hatten wir den gleichen Text, nur die Anrede war jeweils anders. Weil das aber langweilig gewesen wäre, teilten wir den Text auf: Jedes zweite Wort kam auf die Karte, sodass der Text nur Sinn ergeben konnte, wenn die Empfänger die Karten zur nächsten Chorprobe mitbringen. Daran saßen wir bestimmt eine Stunde. Hat aber Spaß gemacht.

Während des Lesens merke ich gerade, dass man denken könnte, Frankenberg sei eine weitläufig. Nein, das Städtchen ist es ganz und gar nicht; Frankenberg ist winzig und sehr pittoresk. Alles ist prima zu Fuß zu erreichen. Ein schönes Ziel für einen Tagesausflug, die Sehenswürdigkeiten sind höchstens zehn Minuten voneinander entfernt, wenn man ganz in Ruhe geht.

Dann fuhren wir heim. Aber nicht, ohne den Wildpark zu besuchen. Denn dort konnte man neben Mufflons auch Bergziegen, Schwarz-, Rot- und Damwild sehen. Der Park ist jederzeit in jeder Jahreszeit kostenlos begehbar. Hat man die Ziegen hier sich, steht man quasi mit allen anderen Tieren in einem Gehege. Riesige Hirsche standen wenige Meter von uns entfernt und starrten uns gelangweilt an, weiter hinten war ein Truppe Damwild, das dabei war zu speisen. Sie rannten erst einmal weg, als wir näher kamen, und tippelten dann wieder unbeeindruckt zu ihrem Futter. Wir sahen ihnen ein wenig dabei zu und suchten die Mufflons, meine absoluten Lieblingstiere. Ich kann gar nicht genau sagen, warum sie das sind, sie sind es einfach. Die Mufflons waren aber schüchtern und flohen immerzu vor uns. Dabei auch ein ganz ein weißes, ein Albino-Mufflon! Wie süß! Es war leider schon sehr dunkel geworden, also fuhren wir wirklich nach Hause. Den Wildpark möchte ich auf jeden Fall noch einmal besuchen.

Frankenberg. Geht da mal hin, wenn ihr einen ruhigen Tagesausflug machen wollt. Wir fanden es sehr schön.

Nie wieder Kater. (6/42)

23. August 2015

Gestern waren wir im Münsterland auf der Hochzeit von J. aus unserem Chor. Mit den angereisten Mitgliedern sangen wir während der kirchlichen Trauung und haben später auf der Feier noch ein paar weltliche Stücke zum Besten gegeben. Bis auf fünf Personen – einschließlich Stephan und mir – fuhren alle am Abend wieder zurück nach Kassel; wir hatten uns nachmittags schon in ein Hotel eingebucht. Zum Heiraten war das Wetter perfekt gewesen: wolkenloser Himmel, angenehme Wärme, ohne dass man im Anzug schwitzt, eine leichte Brise hier und da.

Wir feierten, tranken und tanzten bis in die frühen Morgenstunden. Während die Sonne langsam den Himmel lichtete, fuhren wir zu fünft mit dem Taxi zurück in unser Hotel. Frühstücken konnte man ab halb zehn und die Zimmer sollten kurz nach elf geräumten sein. Das war schon ziemlich sportlich, wenn man bedenkt, wie viel wir getrunken hatten. Es war sicherlich sechs Uhr morgens, als wir in den Zimmern verschwanden.

In weiser Voraussicht hatte ich uns übernachtenden Gästen Elektrolyte eingepackt, das sind im weitesten Sinne Mineralien, also: Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Bicarbonat, Chlorid, Phosphat und Sulfat. Sie steuern in unserem Körper unter anderem den Wasserhaushalt, und der ist nach ordentlichem Alkoholkonsum ziemlich aus dem Gleichgewicht. Vereinfacht gesagt sorgt Alkohol dafür, dass die Niere „trunken“ wird und übermäßig Flüssigkeit ausscheidet und dabei nicht mehr kontrolliert, welche Elektrolyte der Körper noch braucht und welche nicht. Deshalb ist man nach so einer Nacht auch verkatert, weil man erstens dehydriert ist und zweitens weil die Mineralien fehlen.

An der Arbeit würde ich einer alkoholisierten und verkaterten Person eine Sterofundin-Infusion anhängen, also eine fertige Elektrolytlösung. Da ich uns aber sicher keine Nadel legen wollte, und das hätte ich in dem Zustand auch gar nicht gekonnt, habe ich Elektrolyte zum Auflösen in Wasser mitgenommen. Nennt sich Elotrans Elotrans und gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Auf der Packung steht zwar, dass Mittel sei für Durchfallleiden gedacht, aber als Anti-Kater-Mittel ist es unschlagbar! Man fühlt sich höchstens müde, wenn man zu wenig schläft, aber verkatert ist man nicht. Zusätzlich zu den Elektrolyten ist noch Zucker enthalten, der ein bisschen Kraft spendet.

Zweieinhalb Stunden Schlaf haben sich bei uns natürlich bemerkbar gemacht, ich war bis eben noch ein wandelnder Winnie Pooh. Doch von einem Kater keine Spur; höchstens noch der Rest-Alkohol im Blute, der sich langsam über den Tag abbaute.

Ich kannte die Wirkung natürlich schon, die vier noch nicht. Sie waren überrascht, wie gut das wirkte. Falls Sie also mal vorhaben viel zu trinken, aber keinen Kater wollen, dann holen Sie sich so ein Päckchen aus der Apotheke. So als kleiner Tipp.

Und immer schön Wasser trinken!

Über die Liebe. (5/42)

22. August 2015

Ich lese ja immer gerne etwas über die Liebe„, sagt Frau Fragmente.

Definiere Liebe: Ein extrem starkes Gefühl, welches die Gedanken, das Verhalten und die Handlungen einer Person einnimmt und bestimmt. Körper und Seele lechzen nach Befriedigung, wie bei einem Suchtkranken, und tun alles dafür, diese Befriedigung zu erhalten; auch wenn der zu zahlende Preis einen in den Ruin treibt.

Bisher habe ich Liebe als etwas Schmerzhaftes erlebt. Aus meinem Erfahrungsschatz purzeln auch zu allererst bittere Erinnerungen hervor, erst viel später folgen ein paar wenige schöne Momente, in denen ich sehr glücklich war. Aber der Großteil der Gedanken ist mit Schmerz verbunden. Deshalb wohl auch meine eher zynische Definition der Liebe.

Meinen ersten Freund habe ich im Internet kennen gelernt, da war ich 17. Zu einer Zeit, in der ich es zu Hause nicht mehr ausgehalten habe. Nachdem ich R.H. zweimal besucht hatte, musste ich mich bei meinen Eltern outen, da war ich 18. Ich hatte mehr Angst vor einem unerfüllten Leben, als vor den möglichen Konsequenzen. Rückblickend war die Zeit um das Outing ein nicht zu bändigender Prozess, befeuert durch die Unterstützung von Freunden für ein freies Leben.

Ich war sehr verliebt in ihn. So sehr, dass ich auf der Fahrt zu unserem ersten Treffen vor Angst um das Danach weinte. Ich war verliebt, ohne ihn jemals zuvor gesehen zu haben. Über ein halbes Jahr haben wir nur geschrieben. Text ist mächtiger in seiner Wirkung als gesprochene Sprache. Deshalb war ich wohl so schwer verliebt, ich fühlte mich verstanden und beachtet, da interessierte sich jemand für mich. Wort um Wort. Es war ein Leichtes mich zu verlieben.

Ich konnte weder die Zeit bei ihm genießen, noch mein Herz mit heilender Liebe erfüllen, dabei brauchte ich nichts mehr als das. In der ersten Nacht weinte ich so sehr an seiner Brust, wie ich noch nie zuvor weinte. Es war alles voller Schmerz.

Es hielt nicht lange. Heute kann ich sagen, dass ich wohl eine helfende Hand brauchte, die mich aus dem Abgrund zieht. Dieser Jemand war mein erster Freund. Es tut mir leid, dass er das mit mir durchmachten musste. Ich hoffe nur, dass auch er diese Zeit für sich zu nutzen wusste (wie das klingt…).

Die große Liebe meines Lebens war mein zweiter Freund, er folgte direkt auf den ersten. In dieser Beziehung war der Schmerz noch viel größer, wenn auch aus anderen Gründen. Alles war zersetzt von Eifersucht und Hass, von sexueller Begierde und dem Wissen, dass niemand aufrecht aus der Sache gehen würde. Und dennoch haben wir es uns fast ein Jahr lang angetan. Es gab ja auch die zuvor genannten Momente vollen Glückes, das wiegelt viel auf, denkt man.

M. lernte ich via App kennen. Was für mich damals überhaupt nichts Sexuelles hatte, unser kleiner Chat, liest sich aus heutiger Sicht wie ein sicheres Daraufhinwirken. Gleich beim ersten Date haben wir miteinander geschlafen. Dreimal. Dann bin ich nach Hause gefahren und wir haben uns einen Monat nicht gesehen, aber miteinander geschrieben und geschrieben und geschrieben. Und wieder war ich verliebt. Aber: M. hatte einen festen Partner, das wusste ich von Anfang an. Und dennoch ließ ich mich darauf ein. Unstillbare sexuelle Begierde war die Grundlage dieser Beziehung, Ekstase in Reinform. Irgendwann wünschte ich mir mehr als das, denn der Mensch in M. war ein ganz besonderer. Doch es sollte nicht sein. Es hatte alles seine Gründe, die rückblickend sehr vernünftig waren.

Aus dieser Beziehung habe ich enorm viel für mich mitgenommen. Ich entwickelte ein Selbstbewusstsein, ein Selbstwertgefühl für mich als Menschen. Ich habe viel gelernt und erfahren, was Liebe auch sein kann: eine illusionäre Erwartung an eine Person oder Beziehung, die niemals sättigt. In sexueller Hinsicht war ich vollkommen glücklich mit M., aber das kann ja nicht alles sein.

Mit Stephan bin ich seit zwei Jahren in einer festen Partnerschaft. Wir wohnen zusammen, wir haben einen gemeinsamen Alltag, gemeinsame Familie und Freunde; ich bin glücklich und zufrieden. Da ist kein Schmerz, kein Bedauern, kein Schatten aus der Vergangenheit. Eine normale Partnerschaft ohne extreme Spitzen. Die Gefühle sind hier nicht am Anschlag, niemand brennt aus, läuft leer. Vielleicht ist das der Grund für die Stabilität. Und vielleicht ist das die Art von Liebe, die zu mir passt. Ich denke, Zufriedenheit steht über der Liebe.

Es fällt mir schwer, ihm die Worte „Ich liebe dich“ zu sagen – nicht, weil ich ihn nicht liebe, ich liebe ihn sehr –, sondern weil diese Wortfolge eine Myriade an bitteren Erinnerungen in mir hervor ruft. Viel zu oft habe ich diese Worte benutzt, obwohl mir beim Aussprechen immer etwas in der Brust zerplatzte. Jedes Mal ein bisschen mehr, bis ich nichts von der Liebe übrig war.

Ich möchte nicht, dass mir das mit Stephan passiert. Ich will, dass ich mit der Zeit lerne, Liebe anders zu definieren als oben. Durch ihn und mit ihm. Dass ich glücklich bleibe, dass wir weiterhin eine Partnerschaft führen, in der nicht die Bitterkeit, sondern die Zufriedenheit die Hauptrolle inne hat. Auch wenn es holpert, denn das tut es manchmal.

Aber jetzt ist alles gut. Und das soll es auch bleiben. :)

Nachts auf der Straße. (4/42)

18. August 2015

Es war kurz nach 23 Uhr, wir gingen nach Hause. Etwa hundert Meter vor uns neben einem geparkten Auto und fünf Meter vom Eingang des Nachbarhauses entfernt stand etwas auf dem Bürgersteig, das auf den ersten Blick aussah wie ein Pinguin. Natürlich konnte es kein Pinguin sein, die sind in Nordhessen nicht gerade in freier Wildbahn anzutreffen. Wobei wir in einer Stadt wohnen, die von Waschbären beherrscht wird, insofern ist hier so einiges sehr skurril. Jedenfalls bastelte mein Gehirn sich in der Dunkelheit irgendetwas zusammen, es muss ja alles verarbeitet und zugeordnet werden, und so kam mir der Pinguin in den Sinn. Je näher wir kamen, desto seltsamer wurde dieses Etwas. Plötzlich sah ich keinen Pinguin mehr, sondern drei Katzen: zwei große mit hellem Fell, die brav wie eine Sphinx nebeneinander auf dem Bürgersteig saßen, und eine kleine mit eher dunklem Fell, die auf dem Boden lag, alle vier Extremitäten von sich streckend. Alle sahen sie zu uns ‚rüber, so dachte ich. Je näher wir kamen, desto unsinniger wurde auch der Gedanke mit den Katzen. Wieso sollten sie da auf dem Bürgersteig eine Versammlung abhalten?! Ich zog mein Handy hervor und leuchtete das Etwas an, aber von den mutmaßlichen Katzen strahlte nichts zurück. Also konnten es auch keine Katzen sein. Mein Partner blieb auf Höhe unseres Hauses stehen und ich ging langsam an das Etwas heran. Nun sah ich, dass dort drei Tüten standen. Fein säuberlich in einer Reihe. Zwei große aus Papier und eine kleine, transparente Plastiktüte mit rötlichem Inhalt. Sofort dachte ich an Sprengstoff (rot, typische Böller-Farbe) und Explosionen (Tianjin, Bangkok). Ich sorgte mich und gleichzeitig ärgerte ich mich wegen der Gedanken, wollte aber auch nicht näher an die Tüten heran. Wer stellt schon einfach so Tüten auf die Straße? Offensichtlich war es kein Müll, und es sah auch nicht aus, als wäre jemand aus dem Auto ausgestiegen und hätte mal eben die Tüten abgestellt, um leichter aus der Karre zu kommen; der Öffnungswinkel der Tür hätte sie beim Schließen umgeworfen. Ich nahm einen kleinen Stein von der Wiese und warf ihn zu den Tüten. Es passierte genau nichts. Trotzdem war mir mulmig zumute, ich traute mich nicht an die Tüten heran. Wieso sollte jemand drei Tüten in Reih‘ und Glied mitten auf den Bürgersteig stellen? Dieser Jemand muss doch etwas im Schilde führen! Ich ging zurück und dann gingen wir ins Haus. Leider nahm ich die Tüten in Gedanken mit und grübelte lange. Wir überlegten gemeinsam, ob es übertrieben ist wegen so etwas die Polizei anzurufen, entschieden uns aber dafür. Auch für solche Sachen ist sie doch da, die Polizei, der Freund und Helfer. Ich wählte die 110 und berichtete, was wir gesehen hatten. Ich fragte, ob es in Ordnung ist, wegen so etwas anzurufen. Der Mann am Ende der Leitung sagte, das sei vollkommen in Ordnung und sie würden sich das anschauen.

Während ich meine Zähne putzte sah ich aus dem Badezimmerfenster zur Straße hinunter. Keine fünfzehn Minuten waren seit dem Anruf vergangen, da war die Polizei auch schon da. Sie hielten schräg vor dem Objekt an und leuchteten es mit dem Auto aus. Dann stieg ein Polizist aus und ging langsam mit einer Taschenlampe zu den Tüten. Er leuchtete sie an und hob mit einem Hebeldings die kleine Tüte hoch zur näheren Betrachtung. Dann gab er seinem Kollegen ein Zeichen, der daraufhin ausstieg und sich die anderen beiden Tüten ansah. Aus ihren Gesichtern konnte ich nichts heraus lesen, also fragte ich vom Fenster aus, was das denn nun sei. „Ich hatte angerufen, weil das alles sehr suspekt aussah. So etwas gab es noch nie auf unserer Straße.“

Der erste Polizist leuchtete mit seiner Taschenlampe in meine Richtung und sagte mit tiefer Bärenstimme: „Das sind scheinbar Schaumwaffeln von der Kirmes.“

SCHAUMWAFFELN! So viele Gedanken und unnötige Ressourcenverschwendung wegen ein paar verkackten Schaumwaffeln! Ick glaub es hackt!

Ich entschuldigte mich für die Überbesorgnis, Mensch war mir das peinlich. Die Polizisten packten die Tüten in den Wagen, sagten, dass es schon in Ordnung sei und führen hinfort.

Schlimm, wie viel Angst die Medien schüren können. Hätte niemals von mir gedacht, dass ich mal so in solch einer Situation reagieren würde.

ANGRIFF DER KILLERSCHAUMWAFFELN!!!

Mit Aug‘ und Ohr. (3/42)

16. August 2015

Vor fünf Jahren noch hörte ich viel Musik (Rock, Pop, Türkisch, Klassik) und ein paar Podcasts. Zeit dafür hatte ich genug, fuhr ich doch dreieinhalb Stunden am Tag zur Schule und wieder zurück. Am Wochenende las ich durchschnittlich zwei Stunden in Büchern (Romane, Fantasy, Science-Fiction) und in der Woche täglich am Abend meinen Feed-Reader (Technik, Design, Prosa- und Befindlichkeitsblogs, Erotik). Fernsehen schaute ich schon damals nicht mehr, Nachrichten waren mir egal und Zeitungen zu unhandlich.

Die Podcasts waren in dieser Zeit sehr techniklastig; sieben verschiedene waren es zu Spitzenzeiten, jeweils mehrere Stunden pro Folge. Trotz des hohen Zeitaufwandes konnte ich mithalten; vielleicht auch, weil ich sehr introvertiert war und lieber Zeit alleine verbrachte als mit Anderen (Freunde, Familie). Für Serien und Filme nahm ich mir kaum Zeit. Lesen von Büchern fiel mir schwer, das ging bis Ende des letzten Jahres so. Blogtexte waren ideal, da sie relativ kurz und episodenhaft sind; auch heute noch lese ich sie lieber. Außerdem waren sie eine Möglichkeit der Teilhabe am Leben von interessanten Personen, von denen einige zu meinen Freunden wurden.

Heute sieht es anders aus. Musik höre ich nur noch selten, und falls doch, nur nebenher zu anderen Tätigkeiten. Die Genres lauten nun Ambient, Klassik und Neo-Classic, damit kann ich prima lesen, lernen und duschen.

Die oben genannten Bücher-Genres lese ich kaum noch, mein Regal besteht mittlerweile zum Großteil aus Sachbüchern, denn scheinbar habe ich mich zu einem sonderbaren Schwamm entwickelt, der nur Wissen aufsaugen möchte.

Das zeigt sich auch anhand der Podcasts, die ich heute höre. Technik musste weichen und Platz für Gesellschaftspolitik und Tagesgeschehen machen. Meine neue große Liebe ist „hr2 – Der Tag“ des Hessischen Rundfunks, eine Hintergrundsendung zu jeweils einem Thema. Die Sendung behandelt nicht unbedingt tagesaktuelle Themen wie der Name vermuten lassen würde. Seit einer Woche zum Beispiel geht es um verschiedene Städte und Kulturen auf der ganzen Welt, ist das nicht herrlich?! Auch höre ich viel vom Deutschlandfunk (Politik, Hintergrund, Forschung, Umwelt und Verbraucher). Auf meinem Arbeitsweg oder beim Einkaufen ist das ideal, so spricht mich keiner an und ich kann mich im Nu weiterbilden. Außerdem habe ich mir angewöhnt, alles in doppelter Geschwindigkeit zu hören, das spart extrem viel Zeit! Das klappt erstaunlich gut, sobald man sich daran gewöhnt hat; ich brauchte eine Woche für 1,5x und dann zwei Wochen für die doppelte Geschwindigkeit. Der Nachteil ist, dass ich Menschen aus dem Alltag nur noch ungeduldig zuhören kann, wenn es in dem Gespräch um Informationsaustausch geht. Das trifft zum Glück nicht meine Freunde, die sprechen aber auch so schnell wie meine Podcasts. Und mit Freunden spricht man ja auch viel über Erlebnisse und Gefühle, da ist es etwas Anderes. Da achte ich auf Stimme, Gesichtsausdruck, Wortwahl. Bei Informationen ist mir das Drumherum nicht so wichtig.

Fernsehen schaue ich nach wie vor nicht, stattdessen hat sich mein Serienkonsum enorm gesteigert. Beim Kochen und Speisen läuft eigentlich immer etwas, ich kann gar nicht mehr ohne. Dass das ungesund ist, weil man sich nicht mehr auf das Schmecken und Genießen konzentriert, ist mir bewusst. Aber auch egal, weil ich fast nie Zeit habe, in Ruhe zu essen. Schlimm ist das… Filme schaue ich eigentlich gar keine mehr.

Zeitungen sind mir immer noch zu unhandlich und per se schon veraltet, wenn ich sie in der Hand halte. Tagesgeschehen beziehe ich eh per Audio. Im Feed-Reader tummeln sich nur noch Befindlichkeitsblogs und ein Design-Magazin. An dieser Stelle muss ich Frau Novemberregen sehr danken, dass sie viele der verstummten Blogs durch ihre Wetten reaktiviert hat. So auch meines.

Ich muss sagen, dass ich das Schreiben sehr vermisst habe. Gleichzeitig fällt es mir schwer über meine Gefühle zu schreiben wie früher, dabei gibt es viel zu erzählen. Aber da kommen wir in 42 Tagen bestimmt wieder hin.

Der Kassetten-Player. (2/42)

14. August 2015

Wenn folgende Geschichte ein Witz wäre, würde ich ihn so erzählen:

Es war einmal ein kleiner türkischer Junge, der mit seiner Familie im Schwarzwald lebte. Seine Eltern kauften einen VHS-Player und von den Nachbarn durfte er sich Kassetten ausleihen, derer hatten die Nachbarn nämlich ganz viele. Er sah das Regal durch – von oben bis unten, von A bis Z – und suchte sich einen Disney-Film und „Ein Schweinchen namens Babe“ aus. Doch Letzteren musste er wieder zurück legen, weil darin ein Schwein die Hauptrolle spielte. Und die sind bekanntlich haram für Muslime.

Meine Eltern habe ich damals nicht verstanden, ich war Grundschüler in der ersten oder zweiten Klasse. Ihre Gründe sind mir heute allzu klar, aber das soll jetzt kein Thema sein; sondern der erwähnte Disney-Film.

„Ein Schweinchen namens Babe“ durfte ich also nicht sehen und „Dumbo“ habe ich aus Trotz nach ein paar Minuten ausgeschaltet. Ich redete mir ein, dass Dumbo ganz dumm sein muss, schließlich wird er schon so genannt. Dann kann er ja nur blöd sein! Brauche ich ihn doch gar nicht zu sehen! (Beide Filme nie nachgeholt.)

Heute noch habe ich ein sonderbares Gefühl, wenn ich an Dumbo denke. Ich empfinde Zorn, dass ich ihn aufgrund seines Namens verurteilt und ihm keine Chance gegeben habe, meine Vorurteile aufzuklären. Schlimmer noch, dass ein Unbeteiligter den Trotz ausbaden musste, hatte er doch nichts mit dem Auslöser zu tun. Es mag verrückt klingen, dass ein Kinderfilm Derartiges bei mir auslöst; zumal diese Szene schon mehr als 15 Jahre her ist. Ich weiß natürlich, dass Dumbo nur eine Zeichentrickfigur ist, ein Phantasie-Gebilde, und dass ich über ihn denken kann, was ich will. Dennoch denke ich immer wieder an dieses Ereignis zurück: Immer dann, wenn mir Vorurteile im Alltag begegnen. Immer dann, wenn ich heraus finden möchte, ob ich selbst in einer Sache voreingenommen bin oder welchen Auslöser meine Voreingenommenheit hat.

Ich finde es spannend, dass so eine Kleinigkeit derartig tief gehende Verhaltensänderungen in einer Person bewirken kann. Vielleicht hat gerade dieses Ereignis mein Gefühl von Gerechtigkeit und Solidarität maßgeblich geprägt.

Wetten, dass … (1/42)

12. August 2015

Tja, da pöbelt man hier und da und zieht seltsame Schlüsse, strickt sich Verschwörungstheorien und Mafiazugehörigkeiten zusammen und schon hat man eine Wette am Laufen.

  • Wettpartner: Frau novemberregen und Frau fragmente.
  • Bedingungen: Dreimal die Woche drei Monate lang jeweils 300 Wörter schreiben und veröffentlichen, also bloggen. (Ich muss hier ein paar Füllwörter einbauen, versteht sich.)
  • Laufzeit: Drei Monate, also 12. August bis 11. November. Ingesamt 14 Wochen beziehungsweise 42 Tage. Zweiundvierzig! Ist das nicht schön!?
  • Wetteinsatz: Essen gehen und Karaoke.

Zu klären wäre noch, ob dieser Eintrag mitzählt und ob es unter den genannten Bedingungen auch Joker gibt. Ach, die erste Frage beantworte ich mir selbst, indem ich die 300 Wörter einhalte.

Ich bin seit kurz vor neun wach und habe es bisher nur geschafft, mir einen Kaffee zu machen (Knopf drücken) und mir die Kontaktlinsen einzusetzen (auf die Augen drücken). Ich habe heute frei und morgen mündliche Prüfung. In der Sache bin ich ganz entspannt, weil ich die zu lernenden Themen vor geraumer Zeit schon einmal zusammen gefasst und gelernt habe und sie mir nur noch einmal durchlesen müsste. Dazu habe ich aber keine Lust und noch ist der Zeitdruck nicht hoch genug. Stattdessen spiele ich mit dem Gedanken, den Vanille-Joghurt aus dem Kühlschrank mit einem gehäuften Esslöffel Zimt zu mischen und hierfür einen Apfel klein zu hacken. Danach mache ich mich fertig und gehe einkaufen, schließlich gilt nur heute der 10fach-Payback-Coupon. Ich werde mir eine Emaille-Aufbackform kaufen und Krams für Hackbällchen Toskana. Bekanntlich liebe ich ja Tomaten, obgleich meine Balkontomaten noch nicht errötet sind angesichts der tropischen Hitze und Hautkrebs-erregenden Sonneneinstrahlung. Vielleicht ist es ja nächste Woche so weit. Für die Hackbällchen hatte ich am Samstag schon Büffelmozzarella gekauft, denn den liebe ich auch. Auch dürfte allseits bekannt sein, dass mit leerem Bauch keine Revolutionen zu erwarten sind. Deshalb schiebe ich das Lernen wohl so vor mich her, aber ich muss ja alles nur nochmal lesen. Gelernt hatte ich all das schon einmal. Wie gut auch, dass ich um fünf zu unserem Gewerkschaftertreffen gehe, als hätte der Tag heute flexible 28 Stunden.