Wehlheider Kirmes.

17. August 2013

Ich wohne ja ziemlich ruhig und idyllisch: abseits von Straßen, auf denen viel Verkehr ist; mit Garten und vielen Bäumen rundherum, die möglichen Lärm fern halten; bei Nachbarn, die großen Wert auf Ruhe legen und guten Geschmack beweisen, sollten sie mal die Musik lauter drehen.

Dieses Wochenende aber findet auf der Straße schräg gegenüber eine Kirmes statt, die seit Jahrhunderten zelebriert wird. Hierfür wurden am Freitag fleißig Vorkehrungen getroffen, inklusive vierstündigem Stromausfall: z.B. sind die umliegenden Straßen gesperrt worden, damit etliche Stände darauf hausen und ihre Waren oder Speisen oder Spiele oder Dienstleistungen anbieten können. Zusätzlich gibt es mehrere Musikstationen, meistens in Fressbuden oder Bierzelten oder Bars, die für Stimmung sorgen sollen. (Dieses Wirrwarr! Warum, warum nur?!)

Der Altbau, in dem ich wohne, liegt mitten im Kern des Geschehens. Daher wäre es mir möglich, an jedem Fenster der Wohnung einer anderen „Musik“ zu lauschen, sofern ich die Torheit dafür besäße.

Stattdessen halte ich mich bei geschlossenen Fenstern im Kern der Wohnung auf und lasse wider Willen mein Trommelfell von allen Seiten durch die abartig laute, unerträglich oberflächliche Partymukke beschallen, die immer wieder einen widerlichen Zorn in mir aufkochen lässt.

Gerade eben hatte dieser Zorn meinen persönlichen Siedepunkt erreicht. Ich war so sehr wütend, dass ich beinahe den Gedanken zu realisieren wagte, meine Sachen zu packen und bei einem Freund unterzukommen, bis dieses Sauffest vorüber ist. (Ich dachte sogar an eine Überdosis Tavor, die mich bis in den Nachmittag des nächsten Tages hätte ausschalten können, doch dann wäre dieser Kack ja immer noch nicht vorbei gewesen und ich hungrig oder gar tot.)

Interessanterweise folgte dem Wutausbruch die Belustigung darüber, dass ich mich wegen zwei Tagen des Lärms derart habe aufregen lassen. Dabei ist es an allen anderen Tagen des Jahres das perfekte Wohnen hier, und dafür bin ich trotz Zorn unendlich dankbar.

Wer weiß das schon: vielleicht soll dieses Straßenfest auch die Zufriedenheit der Anwohner steigern, wenn sie es erfolgreich oder auch mit kleinem Nervenzusammenbruch überlebt haben.

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