Knopfaugen.

19. November 2011

Ich lege meine Jeans auf den Ladentisch und frage freundlich: „Haben Sie vielleicht einen passenden Knopf für meine Hose?“ Die kleine Dame hinter dem Tresen schiebt ihre Halbmondbrille zurecht und blickt dann an die Stelle, an der einst ein Knopf zu sehen war. „Natürlich haben wir das!“ sagt sie und führt mich zu einem Tisch, auf dem zahlreiche Knöpfe fein säuberlich nach Form, Farbe und Funktion sortiert sind. „Dieser hier müsste passen!“ sagt sie strahlend und legt mir einen schlichten, silbernen Knopf in die Hand. „Ähm…“ frage ich. „Haben Sie vielleicht auch einen Knopf, den man einfach mit ’ner Zange anbringen kann? Also einen, den man nicht annähen muss?“ – „Gewiss haben wir das!“ sagt die alte Dame mit den bewundernswerten Lachfalten. „Aber wissen Sie: Knöpfe zum Annähen sind die besseren! Sie halten länger und sitzen auch fester, wenn man’s richtig macht.“ – „Hm, okay.“ sage ich. „Und haben Sie auch Faden und Nadel für mich?“ – „Natürlich!“ sagt die Dame wieder und führt mich zu einer Wand, an der es hunderte Fadenrollen in verschiedenen Farben und Stärken gibt. Sie nimmt zwei Rollen von der Wand und vergleicht sie mit den Fäden und Nahtstellen meiner Jeans. „Diese Rolle!“ sagt sie nach kurzer Überlegung und lächelt mich an. „Und hier eine Packung Nähnadeln für Sie!“

„Ähm…“ frage ich wieder. „Und wie nähe ich den Knopf nun an? Muss ich dabei etwas Besonderes beachten?“

„Sagen Sie mal, junger Mann…“ scherzt die alte Dame schließlich. „Haben Sie denn keine Mutter?!“

(Ich lächle traurig, bezahle meine Besorgungen und verlasse den Laden.)

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5 Antworten to “Knopfaugen.”

  1. moses Says:

    Hallo hearty,

    meine Freundin sagt immer, wenn mir ein Knopf abgerissen ist, „Selbst näht der Mann“ oder mußt du halt zum Türken bringen.

    LG

    moses

  2. Rin Says:

    Zum Türken, lol.

    Einen Knopf annähen können sollte jeder erwachsene Mensch. Ob man’s dann auch wirklich selbst macht, ist was anderes.

    … Und, hält er?

    P.S.: Mein Schneider ist Serbe.


  3. Ich habe kein so gutes Verhältnis zu meiner Mutter, und früher (und manchmal auch heute noch) hatte ich das Gefühl, das hat sich gerade in so Kleinigkeiten bemerkbar gemacht. Wie, dass sie unsere Sachen nicht stopfen wollte oder uns keine Brote für die Schule geschmiert hat. Inzwischen können wir manchmal zusammen drüber lachen, dass wir beide Handarbeiten ganz schrecklich finden… Viele gute Wünsche für die Unabhängigkeit von Feli

  4. Phonq Says:

    Ich glaub den Laden kenn ich. Und: Willkommen in Kassel übrigens, etwas verspätet.

  5. tar5k Says:

    ein ganz toller text, den ich dir sofort unterschreiben würde. ein hoch auf die mamas dieser welt


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