Wie hast du denn gemerkt…

6. Juli 2011

Er hatte schon immer eine gewisse Anziehungskraft auf mich, doch erst im Januar merkte ich, dass ich wirklich auf ihn stehe.

Seit Langem schon schrieben wir DMs miteinander, doch wurde das mit der Zeit zu umständlich, also wechselten wir in den Chat-Client. So ging das viele Tage und Nächte, wochenlang, bis ich eines Morgens zitternd und schweißgebadet aufgewacht bin. Die Nacht war sehr lang gewesen, wir hatten bis in die Morgenstunden miteinander geschrieben, entsprechend war meine Müdigkeit. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle, hatte Kopf- und Augenschmerzen, war verspannt bis in die letzte Muskelfaser. Mein Körper glich dem Innenleben einer Tiefkühltruhe und war nicht, wie ich ihn gewohnt bin. Ich stand auf und versuchte, mir die Kälte vom Körper zu waschen, mich zu enteisen, doch an meiner Empfindung änderte das wenig. Ich aß eine Banane und gleich noch eine und trank heiße Milch mit extra viel Honig, vielleicht brauchte ich einfach nur etwas Zucker, um zu mir zu kommen. Es roch überall nach Moos und Wald und Pilzen, als wäre es Herbst und als stünde ich mitten in einem Tannenwald zwischen Reh und Hirsch, aber das bildete ich mir nur ein. Kein Stückchen Musik konnte mich auf dem Weg zur Schule beruhigen, nichts, nicht einmal die Lieblingstitel schafften es. Die Busfahrt sollte lange dauern, die Zugfahrt würde noch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Meine Hände fühlten sich glühend-heiß an, während es mich regelrecht schüttelte, als wäre ich schutzlos der Kälte Sibiriens ausgeliefert gewesen. Der Schnee, der damals fiel, war kein Schnee, er war nicht flockig und weich, sondern wie abgeriebene Seife-Stückchen, wie Glassplitter, hart und zackig. Er verletzte mich und kratze mir unverständliche Worte und Zeichen in die Haut. In der Schule saß ich nun und wusste nicht, was mit mir los und weshalb ich plötzlich so emotional war. An keinem Tag zuvor hatte ich einen derartigen Durst, eine solche Sehnsucht in mir gehabt. Ich konnte dieses Gefühl nicht stillen, ich wusste nicht wie und hätte geweint, wäre es mir möglich gewesen. Stattdessen versuchte ich mich abzulenken und rechnete Mathe-Aufgaben. Ich las die Formeln und Regeln und rechnete die selbe Aufgabe wieder und wieder durch, kam aber zu keinem Ergebnis. In meinem Kopf gab es keinen Platz für Rechenaufgaben; ich konnte nur an ihn denken.

Und dann hatte ich die Lösung: Ich war verliebt.

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