Einschüchternd.

2. April 2011

Ich stehe seinem athletischen Körper gegenüber, bewundere Bauchmuskulatur, Oberarme und Beine, seine Körpergröße und seinen üppigen Schwanz. Ich, mit meinem durchschnittlichen Körper, komme mir Fehl am Platz vor und fühle mich unwohl angesichts des Gleichaltrigen, welcher wie ein griechischer Gott vor mir steht und nichts tut, außer sich zu duschen. Er beachtet mich nicht, merkt nicht einmal, wie gebannt ich ihn anstarre. Als wäre sein Anblick ein seltener, versuche ich mich satt an ihm zu sehen, verspüre gleichzeitig aber auch das Gefühl, ihm um Welten unterlegen zu sein. Je länger ich ihn bestaune, desto mehr schüchtert er mich mit seinem Körper ein. Ich fühle mich minderwertig.

Als er den Duschraum verlässt, verbleibe ich dort noch zehn Minuten, damit er genügend Zeit hat, das Hallenbad zu verlassen. Ich möchte ihm nicht noch einmal begegnen; so mies habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

Auf dem Heimweg denke ich an den Mann meiner Träume und bin froh, bei ihm noch kein Unwohlsein meines Körpers wegen verspürt zu haben.

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4 Antworten to “Einschüchternd.”

  1. flugunfaehig Says:

    Wie gut ich das kenne.

  2. glam Says:

    Es ist leicht, die Befremdung, die man als junger Schwuler verspürt, auf den eigenen Körper zu projizieren. Es ist aber auch völlig normal, sich zu vergleichen. Man kann sich dann entscheiden, ob man mit dem, was man hat, zufrieden sein kann, oder ob man – wie es unsere Fitness-Kultur uns aufoktroyiert – an sich arbeitet. Ich freue mich über die Vielfalt, die mittlerweile möglich ist, über die Typen, die dieses Adonis-Spiel NICHT mitmachen.

    • Heartcore Says:

      Ein Selbstwertgefühl kannte ich noch bis vor drei Jahren nicht. Ich mochte weder mein Aussehen, noch die so empfundene „Tatsache“, dass jeder besser aussehend ist, als ich es je sein würde.

      Heute sieht meine Welt aber ganz anders aus. Ich habe Vertrauen und einen guten Freund in mir gefunden, komme bestens mit mir klar und mag mich, wie ich bin. Vielleicht ist das auch nur ein positiver Nebeneffekt der zunehmenden Reife, wer weiß.

      Dennoch dringt manchmal das alte Gefühl von Minderwertig empor und setzt mir eines zu; vor allem dann, wenn ich einem solchen „Adonis“ gegenüberstehe und mich einfach klein fühle. Das ist nicht schön, doch davon erhole ich mich schnell wieder.

      Obwohl ich ja schon der Meinung bin, dass *regelmäßiger* „Sport“ — Schwimmen und Fahrrad fahren, und nur das — doch ganz gut für mich sein könnte, und das auch sicher wäre. Dafür aber braucht man Ausdauer und Zeit, und mir fehlt es momentan einfach an Beidem…


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