Zweiundzwanzig.

20. März 2011

Mein Klassenlehrer sah in den Regen, als ob er dort etwas längst Vergessenes erkannt hätte; sein Gesicht warf Falten und sein Blick war trüb geworden.

Er sagte, leise und gar flüsternd, er sei damals aus dem Stuttgarter Staatstheater gelaufen, mitten in den „schwarzen Regen“ hinein, welcher aus finsteren Wolken auf Erde und Laub, auf Haut und Haar gefallen ist.

Schutzlos sei er da gestanden, gebannt von Schmerz, Zorn und Angst, denn die Menschen hatten den Regen, den himmlischen Reinwascher, „kontaminiert“ und „verunreinigt“.

Auf schnellstem Wege sei er nach Hause gerannt und habe sich dort stundenlang gewaschen, ohne Gewissheit darüber zu besitzen, ob das Wasser aus der Dusche, welches ihn „reinwaschen“ sollte, nicht auch „kontaminiert“ ist.

Er hat sich schuldig gefühlt, sagte er, als Mensch schuldig, obwohl gerade er nichts für diese Katastrophe konnte.

Die Traurigkeit war ihm in’s Gesicht geschrieben; kaum hörbar und mit den Gedanken in seiner Jugend sagte er: „Nie wieder in meinem Leben habe ich mich dreckiger gefühlt, als in diesen Stunden.“

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