Fußspuren und Morgenrot.

23. Januar 2011

Es ist ruhig im Dorf. Kein Auto fährt an mir vorbei und kein Mensch kreuzt meine Wege. Der noch junge Schnee fällt sanft auf Haar und Wimpern und knirscht nicht unter dem Schuhwerk. Der Wind steht still. Noch gibt es nichts, was er aufwirbeln könnte. In meiner rechten Hand ein Beutel aus Jute, darin ein Buch, welches nicht meines ist.

Ich drücke auf die Klingel und warte ein paar Sekunden, bis die Tür sich öffnet. Guten Morgen, sagt sie, Guten Morgen, sage ich. Vielen Dank für das Mathebuch, hat mir echt geholfen! Sie lächelt. Gerne doch! Wir hätten auch zusammen lernen können. Du kannst immer vorbeikommen! Wie ist’s gelaufen? Ich schaue auf den Boden. Ganz okay. Sie nimmt es entgegen, das Buch und das kleine Geschenk, das ich ihr mitgebracht habe. Sie bedankt sich freudestrahlend und fischt sich eine Strähne ihres roten Haares aus dem Gesicht. Selbst im Winter hat sie Sommersprossen.

Gelassen laufe ich zurück, mein Heimweg ist nicht weit. Auf dem Boden meine leicht bedeckten Fußspuren von vor fünf Minuten. Frau Holle hat einen Zahn zugelegt und Herr Winde macht sich bemerkbar. In meiner Hand der nun leere Beutel aus Jute, welcher allerdings schwerer als zuvor ist. Ob das Brot, welches ich unterwegs noch kaufen muss, Platz darin findet, zwischen all den Zweifeln?

Gelogen habe ich. Nichts lief am Dienstag ganz okay. Am Wochenende und am Montag habe ich bis in die spätdunklen Stunden gelernt. Und ich konnte es, ich konnte alle Aufgaben lösen, nur nicht am Dienstag. Nicht an diesem Dienstag.

Noch vor dem Wecker war ich wach, hatte meine Sachen gepackt und mich angezogen, war bereit, mich zu beweisen. Weil ich es nun endlich konnte! Und wie jeden Tag machte ich mich auf den Weg, unternahm eine kleine Weltreise.

Im Zug saß mir ein Herr Anfang zwanzig gegenüber, munter und schmerzlich gut aussehend. Schon allein die Tatsache, dass er „Alice im Wunderland“ las, machte ihn liebenswert, doch sein klares Gesicht und dieser wild-gepflegte, blond-braune Bartwuchs, seine wohlgeformten Lippen und diese olivgrün-leuchtenden Augen versetzten mich zusätzlich in Ekstase. Ich saß ihm etwa eine halbe Stunde gegenüber und konnte mich nicht sattsehen. Crushed Heartcore. Meine Gedanken kreisten die gesamte Strecke über um seine Lippen. Ich wollte ihn küssen — und wie ich das wollte!..

Als wir den Hauptbahnhof erreicht hatten, war ich todtraurig. Nicht nur, weil sich unsere Wege trennen sollten und es natürlich keinen Kuss gab, sondern auch, weil ich tagtäglich begehre, ohne meine Begierde auszuleben oder zumindest halbwegs zu befriedigen. Jedes Mal fühle ich mich trüb, weil ich so empfinde.

Ich ertappe mich des Öfteren dabei, wie ich beim Anblick Fremder, welche eine gewisse Attraktivität auf mich ausstrahlen, eine Art Verlangen verspüre. Ich ertappe mich dabei, diese Fremden zu „wollen“. Und so „wollte“ ich auch diesen Herren im Zug. Ich hätte meinen Kopf am liebsten auf seinen Schoß gelegt; so, wie es wohl ein Kätzchen machen würde. Ein Kuss wäre vielleicht schon zu viel des guten Guten gewesen. Mir hätte allein schon seine Wärme gereicht; wochenlang, da bin ich mir sicher.

In der Schule angekommen, war ich ausgebrannt und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Zu matt war ich, und emotional entgleist. Doch die Klausur musste geschrieben werden. Ein Blackout allen Wissens war die Folge.

Ich realisiere, wie versunken ich durch die Straßen schlendere und wie viel Schnee plötzlich vom Himmel fällt. Ich suche meine Fußspuren. Vor wenigen Minuten noch waren sie hier. Hat der Schnee sie etwa so schnell unter sich begraben?

Ich laufe über den ehemaligen Zebrastreifen und frage mich: kann es vielleicht sein, dass ich mich mehr und mehr zum männlichen Geschlecht hingezogen fühle, weil mir mein Vater keine Vaterliebe entgegenbringt?

Ich mein‘, ich merke das doch. Diesen Wandel, die Veränderungen. Noch vor drei oder vier Jahren interessierte ich mich kaum für Jungs. Und wenn doch, dann nur für sehr kurze Zeit. Jetzt aber scheint das meine einzige Interesse hinsichtlich der Sexualität und des Begehrens zu sein. Ich begegne vielen Jungs und Männern, doch nur jene ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich, welche den Anschein erwecken, dass sie mir Sicherheit und Unterschlupf bieten könnten. Manchmal sehe ich einen Mann und habe den unerfüllbaren Wunsch, mich von ihm umarmen, halten zu lassen. Nur das, mehr nicht. Ich sehne mich nach Schutz und nach Intimität. Vielleicht bin ich auch nur ein Schäfchen, das auf der Suche nach einem Hirten ist.

Mein Vater, ein emotional kalter Mann, war nicht immer so kühl. Als ich noch ein Kind war — so glaube ich mich zu erinnern —, hat er oft mit mir gespielt, er ist oft mit mir spazieren gegangen, hat sich um mich gekümmert, wie es ein Vater wohl tun sollte. Er war ein Bilderbuchvater. Doch nun, nun ist er ganz anders. Ich weiß nicht, warum und wie er so werden konnte, wie er heute ist. Ich weiß nur, dass ich über nichts mit ihm reden kann, was von Bedeutung für mich ist. Er unterdrückt mich regelrecht. Ist es vielleicht seine aggressive Emotionslosigkeit, welche dafür sorgt, dass ich nicht nur im Kopf Abstand von ihm nehme? Suche ich deshalb nach einem „Vaterersatz“, nach einem Mann voller Wärme?

Mein Vater sagt über die Vaterliebe: „Gab’s früher nicht, wird’s in Zukunft auch nicht geben.“ Gab es früher seitens meines Vaters wirklich keine Vaterliebe? War er wirklich ein Bilderbuchvater? Erinnere ich mich falsch? Täusche ich mich, spiele ich mir etwas vor? Oder merke ich erst mit fortschreitender Reife, wie er wirklich ist? Ist mir eine heile Kindheit wichtig? Versuche ich mich von ihm zu distanzieren, indem ich genau das werde, was er verabscheut?

Ich trete in die Bäckerei ein und kaufe ein kleines Kartoffelbrot. Geschnitten, bitte! Auf den letzten Metern nach Hause denke ich noch einmal über ein Gespräch nach. Alles, was mein Gesprächspartner über mich und mein zukünftiges Ich gesagt hat, passt eins zu eins auf mich zu. Auf eine gewisse Art und Weise unheimlich, und doch so wahr, so erlebenswert und schön. Nach all den Worten und nach all den Vorstellungen und Wünschen lag ich da und bin lächelnd, mit Herz und Seele lächelnd und glücklich eingeschlafen.

Ich ziehe aus dem Briefkasten die Post heraus und schließe die Türe auf, trete ein in’s Haus, ziehe die Schublade auf und werfe meinen Schlüssel hinein, streife meine Schuhe ab, stelle mich aufrecht hin und blicke in den Spiegel.

Geh‘ weiter, es wird sich lohnen.

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15 Antworten to “Fußspuren und Morgenrot.”

  1. Alex_Mammut Says:

    Hmmm…hatten wir mal in Ethik angesprochen, es gibt da eben eine Theorie, dass Homosexualität bzw. Neigungen dazu sich auf ein gestörtes Vater-Sohn-Verhältnis zurückführen lassen…

    http://www.gutenachrichten.org/ARTIKEL/gn05so_art6.htm

  2. dreamydays Says:

    Theorien wie diese sollte man mit Vorsicht lesen… Gestörte Beziehungen zwischen Eltern und Kindern treten auch bei Heteros auf, das sollte klar sein. Solange die Sichtweise vorherrscht, dass Homosexualität was unnormales wäre, passt dann irgendwie auch jede Theorie, die das zu erklären versucht.

    Dass du, Heartcore, deine Beziehung zu deinem Vater reflektierst und daraus auch deine Gefühle dir erklärst, zeugt von Reife. Gleichzeitig besteht da die Gefahr, sich selbst und die eigenen sexuellen Wünsche negativ zu betrachten, kanns gerade nicht richtig ausdrücken…
    Ich wünsch dir, dass du möglichst schnell Distanz zu deinem Elternhaus findest, wenigstens geographisch gesehen, und deine Erfahrungen machst. Es wird besser, glaub mir.

    • Heartcore Says:

      Es gibt viele, unendlich viele Theorien und Ansätze, welche versuchen, das Verhältnis Homosexueller zur Familie zu erklären. Jeder Ansatz und jede Theorie ist eigen, hat eine andere Sichtweise auf die Dinge. Meine Sichtweise ist die gewesen, dass ich mich vielleicht deshalb nach einem starken Mann sehne, weil mein Vater mir gegenüber kalt und herzlos ist, und mich zudem nicht liebt, wie er mich lieben sollte oder wie ich es mir als Sohn wünsche.

      Wenn ich Dinge aufschreibe, mache ich mir automatisch Gedanken. Auch im Nachhinein. Ich erkenne jetzt, zwei Tage nach der Veröffentlichung dieses Textes, viel mehr etwas anderes: ich sehne mich nach der Art von Schutz und Geborgenheit, welche mir mein Vater niemals geben kann und niemals geben darf. Ich wünsche mir jemanden, der mir Schutz und Geborgenheit gibt und mich zusätzlich vor meinem Vater und vor meinen Zweifeln, dass das, was ich mache, falsch ist, schützt.

      Keinesfalls denke ich, dass ich in dem, wie ich bin, „falsch“ bin. Ich entwickle mich und werde zu dem, was ich „geboren wurde zu sein“. Meine sexuellen Wünsche und Vorstellungen sind vielleicht nicht gerade verständlich, nachvollziehbar und einleuchtend, aber ein Teil von mir. Zur Zeit ein sehr großer Teil. Würde ich diesen Teil negativ betrachten, würde ich mich selbst negativ betrachten. Das bringt mich nicht weiter.

      Ich denke nie wirklich positiv oder negativ, ich bin eher so in der Mitte, aber mehr in’s Dunkle geneigt. Trotzdem komme ich ziemlich gut mir klar. Und das ist es doch, worauf es ankommt?

    • Heartcore Says:

      Und: oh ja, it gets better!

    • dreamydays Says:

      Ich bezog mich mit der Theorie v.a. auf den von Alex_Mammut verlinkten Artikel, der meiner Meinung deutliche religiös-/politisch-motivierte Absichten verfolgt.

      Ansonsten schließe ich mich Frau Fragmentes „Erlebnisse vor Erkenntnisse“-Idee gerne an…

      Jedenfalls sind das allgemein sehr gute Texte, die du verfasst. Alles Gute.

    • Heartcore Says:

      Den verlinkten Text habe ich nach dem dritten Absatz nicht weiter gelesen. Solche Dinge sind mir zu religiös und „missionierend“.

      Die Idee von Frau Fragmente ist eine sehr schöne und wahre. Ich lebe nach dieser Idee.

      Hier kann ich mich ausdrücken, und deshalb gebe ich mir Mühe. :)

  3. fragmente Says:

    Schöner Text, der viele große Themen streift. Warum begehren wir? Der Gedanke, dass deine Sehnsucht nach Nähe zu einer männlichen Autoritätsperson dein Begehren färbt, kam mir auch schon mal. Sex mit einem Mann könnte für dich aus vielen Gründen spannend sein: vielleicht, weil dir die männliche Sexualität vertrauter ist, weil sie nicht so fremd ist wie mit einer Frau. Und dann ist Schwulsein natürlich die große Rebellion, das große Tabu, das zu brechen reizvoll und gefährlich sein könnte.
    Man könnte lustvoll spekulieren. Dir scheint es sehr wichtig zu sein, Gründe zu kennen, Gewißheit zu haben, oder erscheint mir das nur so? Wie wäre es für dich, dir sicher zu sein, dass du schwul bist? Es ist schwierig, Ambivalenz auszuhalten, aber auch eine gute Lektion. Vielleicht ist unsere Vorstellung falsch, Sexualität sei etwas auf immer zementiertes, vielleicht ist sie stattdessen etwas fluides, sich ständig wandelndes: alles bleibt anders. Ich glaube, ich habe all dies schon einmal erzählt.

    Was wirklich wichtig ist, das sind Erlebnisse – viel wichtiger als Erkenntnisse, das finde zumindest ich. Und am wichtigsten ist es, jemand zu finden, der der behutsam mit einem umgeht, respektvoll, wertschätzend, egal, wessen Geschlecht.

    • Heartcore Says:

      Ich würde am liebsten alles Wissen dieser Welt, welches für mich von Bedeutung sein könnte, in mich aufsaugen, wenn mir dies möglich wäre. Ich bin unglaublich neugierig. Und gleichzeitig weiß ich, dass jenes Wissen mir nichts oder wenig bringt, wenn ich es nicht einsetzen und ausleben kann.

      Du sagst, dass Erlebnisse für dich wichtiger sind als Erkenntnisse. Und so sehe auch ich das. Ich finde es klüger und schlicht schöner, aus der Erfahrung die Erkenntnis zu ziehen, sie herauszukristallisieren. Auch finde ich es klüger, vorsichtig (währenddessen) zu sein. Doch hier zeichnet sich schon der erste vermeintliche Widerspruch ab: Vorsicht und Erkenntnis.

      In bin so vorsichtig, so vorsichtig ich nur sein kann. Man könnte sagen, dass ich paranoid, gar wahnhaft vorsichtig bin. Ich versuche zum Beispiel meinen Eltern nicht anmerken zu lassen, welches Geschlecht mich viel eher anspricht. Das müssen und sollen sie noch nicht wissen. Wahrscheinlich ist die Ungewissheit, ob ich denn nun schwul bin oder nicht, eine für mich notwendige Sache, um meine Rolle als „normaler Sohn mit Fehlern“ perfekt und natürlich spielen zu können.

      So ein Schauspiel macht müde, vor allem, wenn man jeden Tag „auf der Bühne“ stehen muss. Die Gewissheit über meine sexuelle Ausrichtung wäre natürlich für mich selbst sehr befreiend und münzend, doch ich meide solche Gedanken. Man kann Schrauben noch so fest ziehen, irgendwann, nach Jahren des Gerüttels, werden sie trotzdem locker.

      Noch vor einem halben Jahr glaubte ich bisexuell zu sein. Nun glaube ich, dass ich eher homo- als bisexuell bin. Das ist für mich zwar schön zu wissen, aber eher unwichtig, weil es wandlungsfähig ist.

      Könnte ich ausleben, was ich jetzt bin, ich wäre überglücklich. Die Tabu-Sache ist natürlich richtig. Ein Tabu zu brechen ist tausend mal reizvoller als „der Konvention“ und den Vorstellungen der Eltern zu entsprechen. Und zudem wäre das Ausleben meiner Wünsche ein unbeschreiblich großer Fortschritt weg von der Herrschaft meiner Eltern über mein Leben.

      Indes glaube ich, dass es für mich keine Rolle spielt, mit welchem Geschlecht ich meine ersten Erfahrungen mache. Ein Mann aber, so sagt es der Milchbartbube, ist sexuell ansprechender und gar heilig, weil er für ihn etwas Verbotenes darstellt.

      Doch dafür braucht es jemanden, „der behutsam mit einem umgeht, respektvoll, wertschätzend“ zu einem ist. Und hell yeah, das ist echt das Wichtigste!

  4. Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by Frau Fragmente and Félin, Holmger K. Note. Holmger K. Note said: Fußspuren und Morgenrot.: http://t.co/rVDq4rK […]

  5. glam Says:

    es werden im verlauf nicht weniger fragen, eher mehr, aber die, was die eigene sexualität angeht, tritt irgendwann in den hintergrund. und es wird nicht mehr lang dauern, bis du distanz zu deinen eltern bekommst, und dich nicht mehr so sehr durch ihre augen siehst. das ist ein befreiungsschlag, der die vorzeichen verändert. und eine chance, die „angst“ vor den eltern und ihrer meinung ad acta zu legen. and yes, it get´s better. sogar mit den eltern. und ich hätte nie gedacht, dass sie´s je würden akzeptieren können.

    • Heartcore Says:

      Das Problem mit meinen Eltern ist nicht, dass sie es nicht „akzeptieren“ würden. Das Problem ist, dass wir Türken sind. Türken, deren Welt durch und durch von Werten und Ehre definiert ist. Türken, welche fest im Islam verankert sind und jegliche „Andersartigkeit“ ablehnen, gar verabscheuen.

      Für meine Familie, Verwandt- und Bekanntschaft wäre ich eine große, untragbare Schande. Ich weiß nicht, was mit mir gesehen wird, wenn ich mich für ein Leben entscheide, welches mich glücklich machen könnte. Ich weiß nicht, was der Preis eines solchen Lebens ist.

      Ich habe Angst.

    • lucky Says:

      Zugegeben, das mit dem Islam macht es sicher sehr viel schwerer, aber es ist nur ein gradueller Unterschied, und kein wesenhafter. Ich komme aus streng und konservativ und sehr gläubigem katholischem Umfeld, und in deren Wertesystem gab es auch keinen Platz für eine Existenz wie meine, und diesen Druck habe ich auch sehr sehr lange getragen.

      Letzten Endes ist es, egal wo, die Frage, ob die Eltern (und das wird sicher kein einfacher Prozeß werden für alle) sich darauf besinnen, wie sehr sie ihr Kind lieben, no matter what, und wenn sie dann die persönliche Integrität und den Mut haben, werden sie sich für ihr Kind entscheiden, und an diesem Punkt ihrem gelernten Glauben entgegentreten.

      Wenn sie das nicht (nach einiger Zeit) schaffen, dann sollte man sich die Frage stellen, ob es denn richtig (gewesen) wäre, sich nach den Wertvorstellungen von Menschen zu richten, die einen gar nicht selber lieben, sondern Prinzipien und Moral und Werte höherstellen.

      Es kann nur einen Lebensweg geben, Ihren eigenen, lieber Heartcore, egal was sich andere Menschen für sich so vorgestellt haben.

      I gets better, glauben Sie es Glämmie und mir, und vieles, wovor man Angst hatte, ist nie engetreten, im Gegenteil, manche Menschen wachsen auch über sich hinaus, sogar Eltern, wenn man ihnen die Chance gibt.

      Die Alternative wäre ja doch nur, sie ihr Leben lang zu belügen, und das wäre sicher auch gegen deren Kodex (und merken würdne sie es eh, obendrein.)
      Und jetzt verzeihen Sie die Predigt (und die vielen Klammern) ()

    • Heartcore Says:

      Ob mich meine Eltern lieben oder ob sie mich lieb genug haben, das sind Fragen solcher Art, welche mir am meisten zu denken geben. Mein Vater jedenfalls, so mein Eindruck der letzten Jahre, würde mich wohl abstoßen und vergessen. Ein Sohn, kein Sohn. In einer eMail habe ich einmal geschrieben: „Ich befürchte, dass mein Vater mich krankenhausreif schlagen und nicht einmal den Notarzt rufen würde, wüsste er, was ich sexuell ansprechend finde.“ Und so wäre es, da bin ich mir sicher. Zumal ich seine Wut aus früheren Tagen kenne, doch dazu bald mehr.

      Meine Mutter, sie würde daran zerbrechen. Ihr bliebe trotz ihrer Milde nichts anderes übrig, als sich meinem Vater unterzuordnen. Sie würde mit Sicherheit auf ihn einreden, mein Vater aber würde alles, was mit mir zu tun hat, konsequent ignorieren.

      Selbst wenn sich meine Eltern für mich entscheiden sollten und zu mir stünden, seitens der Familie würde es sehr, sehr viel Druck geben. (Bei Türken oder zumindest bei uns zählt alles zur Familie, was mehr oder minder das „selbe Blut“ in sich trägt.) Ich kenne meine Verwandtschaft. Das sind alles schlafende Reptilien, die nur darauf warten, dass sich etwas ereignet, was man mal zerreißen und zerfetzen könnte. Die würden meinen Eltern und mir keine Ruhe lassen.

      Würde, würde, würden.

      Letztlich, da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu, ist es mein Leben. Niemand wird es für mich leben, nur ich kann und muss das, um letzten Endes „glücklich“ davongehen zu können.

      Ich bin bereit, meinen Eltern die Chance zu geben, über sich zu wachsen. Doch ob sie mir die Chance geben, glücklich zu werden, das steht in den Sternen.

      (Ich verzeihe Ihnen jede Predigt, solange mir selbige weiterhilft und wohl tut.)

  6. imjustim Says:

    Wenn ich mir deinen Text durchlese, merke ich wie viel gemeinsam wir haben und doch sind wir so verschieden.
    Aber die Natur meinte es gut mit dir, sie hat dir Unmengen gute Eigenschaften in dein Blut gerührt. Halte an deinen Prinzipien fest, halte noch einige Jahre aus und dann leb dein Leben aus ohne in das Kostüm des Schauspielers schlüpfen zu müssen.

    • Heartcore Says:

      Mein Traum ist es, dieses Kostüm auf ewig im Moor meiner Erinnerungen versenken zu können. Ich möchte nicht eine Lüge als Leben leben.

      Aushalten, das kann ich, ganz gleich, ob es sich dabei um Zeit oder um Gewalt handelt. Ich komme immer „über die Runden“. Noch weiß ich nicht, wie ich die Jahre vor mir unbeschadet durchlaufen soll. Prinzipien und „die guten Eigenschaften“, welche mir Mutter Natur gegeben hat — wie du es so schön sagst —, sind wichtig bei der Meisterung dieser und aller nachfolgender Zeiten.

      Doch was meine „Prinzipien“ sind, das muss ich erst noch herausfinden.


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