Peanuts.

28. November 2010

Ich spreche, erzähle oder frage und werde meistens still gestellt, unterbrochen oder abgewiesen. Nicht selten schweige ich, weil ich das genau weiß und kein Verlangen nach zusätzlicher Enttäuschung in mir hege.

Ist es aber einmal vonnöten, dass ich sprechen, erzählen oder fragen muss, so spreche, erzähle oder frage ich. Des Öfteren kommt es vor, dass ich nur halbherzig wahrgenommen werde, weil Fernseher, Computer oder Zeitschrift relevanter sind, als ich es bin.

Manchmal kommt es vor, dass ich mich auf einst Gesagtes beziehen muss. So auch heute: während der Sommerferien habe ich mir nach einem Jahr des vergeblichen Wartens einen Rucksack für meinen Mobil-Computer bestellt, weil ich es satt hatte, unter der Woche dreieinhalb Stunden am Tag meinen Computer samt Ladegerät und Maus in meinem Schulrucksack durch Stadt und Land zu transportieren. Dieser Rucksack hat genau zwei Fächer: ein großes für alles und ein kleines für Taschentücher oder ähnlich winziges. Nun ist es so, dass ich Computer, Bücher, Ordner, Blätter, Mäppchen und WasWeißIchNichtAlles in ein einziges Fach zwängen musste, weil die Tasche zu klein für diese Menge an Zeug ist. Zudem besitze ich diese Tasche seit der sechsten (!) Klasse; das sollte sechs Jahre her sein. Nun, nach sechs Jahren ist so eine Tasche nicht mehr das, was sie einst einmal gewesen ist. Trotz der guten Behandlung meinerseits ist die Tasche auf natürliche Art und Weise gealtert. Die Fähigkeit, Wasser einigermaßen abzuweisen, hat sie beispielsweise komplett verloren. Gerade das aber ist wichtig, trägt man elektronische Gerätschaften mit sich herum. Bei Regen habe ich immer befürchtet, dass mein Computer nass werden könnte. Bücher kann man trocknen, einen Computer muss man einschicken. Nach einem Jahr hatte ich die Nase voll und habe aus Frust einen Laptop-Rucksack auf Rechnung meiner Eltern bestellt, da sich diese nicht für mein Anliegen zu interessieren schienen. Natürlich habe vorher immer wieder auf mein Problem hingewiesen und erläutert, weshalb ich eine neue Tasche brauche, doch ich wurde jedes Mal mit „Ja, ja! Mach‘ nur, kauf‘ nur!“ fortgeschickt. Daher der Frust, deshalb die Bestellung. Ich habe mir einen — wie ich finde — schönen, preiswerten Rucksack bestellt, der groß, belastbar und schick genug ist, um mein Zeug und Krimskrams sicher zu beherbergen. Meine Eltern haben gezahlt: „Wenn’s schonmal da ist, müssen wir es ja nicht zurückschicken!“

Heute aber ging es darum, dass ich meinen Vater gebeten habe, mir in ein paar Wochen eine bestimmte Kameratasche zu kaufen, in welcher ich meine Spiegelreflexkamera verstauen möchte, die ich mir gegen Weihnachten kaufen werde. Ich habe ihn gefragt, weil ich nach dem Kauf der Kamera kein Geld mehr für eine Tasche haben werde, denn das Objektiv hat auch seinen Preis.

Den Sommer über habe ich gearbeitet und im Herbst habe ich eBay vollgestellt, um an Geld zu kommen. Ich habe mich anscheinend ganz gut angestellt, denn Kamera und Objektiv werde ich gerade so bezahlen können, was mich sehr glücklich macht.

Doch meine Eltern, die interessiert das nicht. Ich bekam zu hören, dass sie (!) mir einen Rucksack gekauft hätten und dass ich meine Kamera doch darin verstauen solle. Als ich damit konterte, dass ich täglich mit dem Rucksack dreieinhalb Stunden durch die Gegend fahre und keine teure Kamera mit mir herum schleppen will, sagten sie, dass sie (!) mir den Rucksack doch deswegen gekauft hätten, „weil da eine Kameratasche schon dabei ist“, was nicht stimmt. Mein Rucksack ist weder für Kameras gedacht, noch lag eine Kameratasche bei. Das aber wollten meine Eltern nicht hören und haben mir vorgeworfen, dass ich versuchen würde, sie zu verarschen.

Warum sollte ich meine Eltern verarschen, wenn schon eine Kameratasche beiliegt, wie sie es behaupten?

Die Tasche, um deren Erwerb ich bat, kostet etwa vierzig Euro.

Das alles kann ich mir nur so erklären: meine Eltern hören mir nicht richtig zu, verdrehen die Worte, die ich ausgesprochen oder nicht ausgesprochen habe, kotzen sie mir vor die Füße und erwarten, dass ich hinnehme, was nicht stimmt. So war’s schon immer, nie wird’s anders sein.

Die Kameratasche werde ich mir übrigens selbst kaufen. Allein schon dass ich fragte war ein Fehler. Muss wohl noch ein paar Sachen auf eBay loswerden.


Liebe Eltern dieser Welt,

hört euren Kindern zu und sorgt dafür, dass euer Kind keinen Hass für euch empfindet, denn kein Kind will seine Eltern hassen.

Stets,
Ihr Heartcore.

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Eine Antwort to “Peanuts.”

  1. Désirée Says:

    Danke für den Appell an alle Eltern dieser Welt! Ich kann so verdammt gut nachvollziehen, was du meinst, was du schreibst, was du anklagst.


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