Vaters Dunst.

2. November 2010

Er zündet eine Zigarette an, völlig unbewusst und automatisch, zieht an ihr und atmet aus. Schon die dritte in meiner Gegenwart. Seine Augen haften am Fernseher. Er blinzelt wie erwartet: abwesend. Der Rauch schleicht um mich und kommt in meiner Lunge an. Diesmal aber richtig. Mir platzt der Kragen. Gehirn verstopft, Nase voll und jetzt auch noch Feuer in den Flügeln. Der blaue Dunst schürft meinen Hals herab. Ich huste gereizt und denke „Raucherhusten“. Er merkt nichts, nimmt nicht wahr, zuckt nicht einmal. Mein Kopf ruht auf dem modrigen Kissen, welches Tag und Nacht im blassen Ekel liegt und leidet. Er zieht wieder und wieder an seiner verdammten Zigarette, doch der Inhalt des Aschenbechers bleibt unverändert. In meinen Augenwinkeln bilden sich Tränen; der Reiz des Qualmes ist zu groß, als dass ich ihn einfach runterschlucken könnte. Still weine ich und liege quasi neben ihm, doch er sieht mich nicht, obwohl er könnte. Er sieht mich einfach nicht.

Ich stehe auf und sage: „Bin oben.“ Er blickt weder auf, noch nickt oder antwortet er. Seine Augen sind auf den Fernseher gerichtet. Türkische Nachrichten. Die sind wichtiger als das, was der Sohn zu sagen hat.

Ich drehe mich um, gehe ein bisschen und schlage die Türe unsanft zu. Hoffentlich ist ihm die Asche direkt auf den neuen Pullover gefallen.

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