Müde.

22. Oktober 2010

Das Gefühl, schon alles gesehen und erlebt zu haben, ermüdet mich. Die Welt dreht sich immer um ihre eigene Achse, immer um die selbe Sonne. Menschen führen immer die selben Gespräche und diese drehen sich immer um die selben Themen. Ständig wechseln die Jahre und ständig passiert das Gleiche. Menschen kommen, bleiben und gehen, Wetter passiert und Kinder werden geboren, Zellen teilen sich. Die Zeit wirft Schatten und wird blass. Mein Herz schlägt in unregelmäßigen Farben, wieder und wieder. Alles ist grau und nichts ist neu. Schiffe sinken und Wälder brennen. Hände greifen ineinander und Lippen berühren sich. Briefe werden geschrieben und nie abgeschickt. Die Formen ändern sich und manchmal auch die Farben. Doch im Grunde bleibt alles beim Alten, bei dem, was man kennt oder zu kennen glaubt.

Ich weiß, dass meine Reise erst begonnen hat, dass mich viele schöne, neue und interessante Dinge und Menschen erwarten. Ich weiß auch, dass es dunkle Momente geben wird, die es bestmöglich zu überleben gilt. Doch all das ermüdet mich, gleich, wie schön oder dunkel die Vorstellung an morgen auch sein mag; als wäre das Leben eine schwere Müdigkeit, die über mich hereingebrochen ist. Ich fühle mich schwach und meistens einfach müde. Blicke ich in die Ferne, sehe ich, was auf mich wartet, und das macht mich traurig. Und so kommt es, dass ich oftmals die Traurigkeit umarme, um mich nicht mehr einsam und leer zu fühlen. An manchen Tagen ist der Schlaf meine einzige Zuflucht vor dem, was ich bin und was mich umgibt. Ich träume mich in andere Welten hinein, ganz gleich, ob ich dabei schlafe oder nicht. Dieser Text ist auf eine gewisse Art und Weise im Schlaf vor der Realität entstanden. Die Zeilen sind sind für mich Zuflucht und Heimat zugleich.

Ich bin müde, dabei habe ich kaum etwas gesehen und erlebt.

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Eine Antwort to “Müde.”

  1. tilman Says:

    Das siehst Du zu negativ. Denk an Pessoa. Es ist genau die Eintönigkeit des Alltags, die den Sinn schärft für das Besondere. Entdecke das Schöne, auch wenn es subtil oder unauffällig daherkommt.


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