Sümbüli Sabah Vakti.

28. August 2010

In einem bröckelnden, mit Efeu umwachsenen Bushaltestellenhäuschen, an dem seit Neunzehnhundertachtundneunzig kein einziger Bus hielt, geschweige denn vorbei fuhr, sitze ich und warte trübselig auf niemanden, vielleicht auf den Tod. Ich erwarte niemanden und ich warte auf ein Wunder, obwohl ich manchmal bezweifle, dass es jene Wunder außerhalb meiner Innenwelt gibt. Im windig frischen Halbdunkeln sehe ich einen heißblütigen Morgen anbrechen, ich sehe, wie rissig der Himmel über mir ist, wie glutrot der Horizont einer anderen Welt durch die aschgraue und pechschwarze Wolkendecke hindurchsticht. Die Zerrissenheit der Wolken erinnert mich an ein Ovum, aus dem augenblicklich ein Küken schlüpfen wird, erinnert mich an das Platzen einer Fruchtblase, an die Geburt eines neuen Menschenlebens.

Im Spiegel erblicke ich die müde Trauer meiner Augen. Und in meinen Augen erkenne ich das Spiegelbild meines müden Ichs. Wie schwach ich doch bin, wie unbegreiflich traurig.

Lebe wohl, liebes Kind des Himmels, du folgenschweres Wunder. Mach’s besser als ich, um Welten besser.

Lebe wohl, guter Morgen.

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